Regie: Michael Mann
Cop und Gangster...
Der Thriller "Heat" aus dem Jahr 1995 gilt als Michael Manns bester
Film. Diese hohe Einschätzung teile ich auch, obwohl ich "Thief" und
"Collateral" als gleichwertig ansehe. Gerade diese Gangsterfilme
erinnern mich immer wieder an die Thriller von Jean Pierre Melville,
ohne dass Mann sein französisches Vorbild kopieren würde, aber er
transportiert für mich ähnliche Emotionen - mit dem Unterschied, dass
seine Geschichten in den USA spielen.
Es sind Geschichten von Männern, die auf Ihre Art Getriebene sind und
sich nur schwer an die Norm anpassen können. Diese Eigenschaften gelten
aber nicht nur für Gangster wie Neil McCauly, der von Robert de Niro
verkörpert wird - auch die Gesetzeshüter brauchen einen ähnlichen
Adrenalinstoß. In "Heat" ist es der abgebrühte LAPD Lieutenant Vincent
Hanna - Al Pacino wurde für diese Rolle gewonnen und obwohl die beiden
Superschauspieler bereits in "Der Pate2" mitspielten, ist "Heat" ihr
erster Film in dem beiden Stars gemeinsam zu sehen sind. "Der Pate 2"
spielte ja auf verschiedenen Zeitebenen und de Niro spielte in einer
Rückblende den jungen Vito Corleone in den 20er Jahren, der Jahre zuvor
als kleiner Junge nach Amerika auswandern musste und später zum
Patriarch aufstieg. Al Pacino war als erwachsener Sohn von Vito -
Michael Corleone - zu sehen, der später die Imperium seines Vaters
übernahm.
"Heat" wurde mit 187 Millionen Dollar Einspielergebnis ein riesiger
Kinoerfolg und sowohl die Kritiker als auch die Zuschauer waren voll des
Lobes - sehr schnell avancierte das opulente Gangsterepos zum Kultfilm.
Allerdings wurde "Heat" in der Oscarauswahl und auch beim Golden Globe
völlig ignoriert, obwohl Pacino und de Niro ganz große
Darstellerleistungen abliefern.
Die Handlung bietet ein hartes Katz- und Mausspiel zwischen
Berufsverbrecherprofis und der Polizei, die angeführt wird von einem
echten Workaholic, dessen einziger Lebensinhalt die Jagd auf die bösen
Männer zu sein scheint. Vielleicht sogar deshalb, weil er damit seinen
eigenen bösen Anteil jedesmal zur Strecke bringen kann.
Der professionelle Gangster Neil McCauley (Robert deNiro) sieht aus wie
ein Geschäftsmann und hat einen persönlichen Leitspruch "Wenn man nichts
im Leben hat, dass man zurücklassen muss, dann kann man auch sehr
schnell und erfolgreich der Polizei entkommen". So leistet sich McCauley
auch keine festeren Beziehungen zu Frauen. Er und seine Crew - Chris
Shiherlis (Val Kilmer), Michael Cheritto (Tom Sizemore) und Trejo (Danny
Trejo) - gehen bei ihren Überfällen äusserst professionell vor. Doch
für den Überall auf einen Geldtransporter brauchen sie einen fünften
Mann. Dieser Waingro (Kevin Gage) entpuppt sich aber als
Sicherheitsrisiko und Psychopath. Er ist es auch, der einen der
Wachleute erschießt, so müssen die beiden anderen Beamten ebenfalls
erschossen werden. McCauley ist ausser sich vor Wut und hat vor Waingro
zu beseitigen, doch der kann in einem unbeachteten Moment entfliehen.
Aus dem Geldtransporter haben die Gangster zielgerichtet die
Inhaberschuldverschreibungen der Malibu Invest gestohlen. Roger von Zent
(William Fichtner), der Chef der Investmentfirma, soll das Diebesgut
zurückkaufen. Doch der geht nur zum Schein auf die Forderungen ein, denn
er will den Dieben eine tödliche Lektion erteilen. Inzwischen hat
Lieutenant Vincent Hanna (Al Pacino) vom Morddezernat des Los Angeles
Police Department die Ermittlungen aufgenommen und der arbeitet auf
Hochtouren. Sehr zum Leidwesen seiner Ehefrau Justine (Diane Venora),
die sich durch die Arbeit ihres Mannes sehr vernachlässigt fühlt und
ausserdem mit der Tochter aus erster Ehe (Natalie Portman) derzeit
einige Probleme hat. Auch die Gangster sind nach der bleihaltigen
Konfrontation mit von Zents Handlangern nicht untätig gewesen und planen
bereits einen neuen Coup. Ausserdem hat McCauley noch offene Rechnungen
mit dem entkommenen Waingro und mit von Zent. In einer Bar lernt er die
junge Eady (Amy Brenneman) kennen und verbringt mit ihr eine Nacht.
Trotz seiner Prinzipien trifft er die Frau wieder, immer mit dem
Gedanken, dass jedes Treffen auch das letzte sein könnte. Auch sein
Kumpan Chris hat Ärger mit seiner Frau (Ashley Judd), die an Scheidung
denkt. Auf dem Höhepunkt der Geschichte wird eine Bank in einem belebten
Viertel der Stadt überfallen...





Die Actionszenen sind Michael Mann und seiner Crew, der auch das Drehbuch schrieb und
mit produzierte, jedenfalls grandios gelungen. Die Machart und die
Choreographie dieser Sequenzen lassen beim Zuschauer keine Wünsche
offen. Dennoch hat sich die lange Laufzeit von 171 Minuten bestens
gelohnt, denn die Charakterzeichnung - nicht nur der beiden Kontrahenten
Pacino und de Niro - sind äusserst präzise und glaubwürdig. Eine
hervorragende Kamerarabeit von Dante Spinotti (zweifach oscarnomiert für
"Insider" und "LA Confidential") erhöhen den starken visuellen Stil des
Films noch zusätzlich. Und den Stars de Niro und Pacino machte es
sichtlich Spass die Eigenschaften des anderen zu erkennen, auch an sich
selbst zu kennen und in der gemeinsamen Szene in der Bar, wo sie sich
gegenüber sitzen, beinahe als eine Person zu verschmelzen.
Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.