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Dienstag, 25. Juni 2024

Don Camillo und Peppone


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Julien Duvivier

Der Bürgermeister und der Pfarrer...

Astronomisch hohe Zuschauerzahlen hatte Julien Duviviers "Le Petit Monde de Don Camillo" aus dem Jahr 1952. Die italienisch-französische Kinoproduktion hatte 13,2 Millionen Zuschauer in den italienischen Lichtspielhäusern, in Frankreich lag diese Zahl mit 12,7 Millionen Zuschauer nur geringfügig darunter. Durch diesen Erfolg wurden weitere Filme des ungleichen Duos des katholischen Priesters Don Camillo und dem kommunistischen Bürgermeister Peppone realisiert. Es folgten "Don Camillos Rückkehr" (ebenfalls von Regisseur Julien Duvivier), "Die große Schlacht des Don Camillo (Regie: Carmine Gallone), "Hochwürden Don Camillo (Regie: Carmine Gallone) "Genosse Don Camillo" (Regie: Luici Comencini), "Don Camillo e i giovani d´oggi" (Regie: Mario Camerini) und der Nachzügler "Keiner haut wie Don Camillo" von und mit Terence Hill.
Die Geschichte beginnt im Frühsommer 1946 in einer kleinen Stadt im Po-Tiefland in Norditalien, die einfach als "eine kleine Welt“ bekannt ist. Die von Peppone (Gino Cervi) geführte Kommunistische Partei der Stadt hat gerade die Mehrheit der Sitze gewonnen innerhalb des Stadtrats, ein Ereignis, das sie zu propagandistischen Zwecken ausnutzen – und mit einigem lautstarken, mit der Kirchenglocke unterstützten Protest des empörten Don Camillo (Fernandel), dem geistlichen Führer der christlichen politischen Partei der Stadt , begleitet wird. Don Camillo hat nichts übrig für die Bolschewiken, wie er diese Parteimitglieder nennt. Dieser aufkommende Konflikt wird sofort beendet: Peppone hat seiner Familie gerade ein neues Mitglied, einen Sohn, hinzugefügt, und nach einem persönlichen und kämpferischen Appell von Peppone selbst an den widerstrebenden Don Camillo (der ständig mit Christus Dialoge führt und der ihn immer wieder in seiner Wut besänfitgt und ihn an den christlichen Auftrag erinnert) wird das Kind auch in Camillos Kirche getauft. Ähnliche Konflikte, die sich im Laufe der Geschichte ergeben, werden zwischen Don Camillo und Peppone auf ähnlich widersprüchliche, aber letztlich einheitliche Weise ausgetragen, wie zum Beispiel: die Errichtung eines Kindergartens für die Stadt, nachdem Don Camillo herausfindet, dass Peppone den Bau seines neuen Gemeindehauses mit dem von den Faschisten im Zweiten Weltkrieg gestohlenen Geld finanziert hat, und ihn mit diesem Wissen etwas erpresst; ein von den Kommunisten organisierter Landarbeiterstreik, um den wohlhabenderen Grundbesitzern eine Sondersteuer aufzuerlegen, um den Menschen der Stadt Arbeit zu geben, was dazu führte, dass die örtlichen Kühe nicht gemolken wurden, bis Don Camillo und Peppone das Problem heimlich gemeinsam lösen; eine Flusssegnungsprozession und die Beerdigung der allgemein angesehenen alten Lehrerin der Stadt, Frau Christina (Sylvie), die beide trotz der ursprünglichen Absichten der Kommunisten streng unpolitisch gehalten werden. Eine wichtige Nebengeschichte des Films ist die an Romeo und Julia erinnernde Beziehung zwischen einem jungen Mädchen namens Gina Filotti (Vera Talqui), die zu Beginn der Geschichte gerade vom Internat in die Stadt zurückgekehrt ist, und einem jungen Mann namens Mariolino Brusco (Franco Interlenghi). Die blühende Beziehung zwischen Gina und Mariolino hat jedoch einen schlechten Start: Die Familien von Gina (konservative Christen) und Mariolino (alle Kommunisten) stehen nicht nur ideologisch auf entgegengesetzten Seiten, sondern führen auch eine langjährige private Fehde. Als ihr Anliegen weder bei Peppone als Bürgermeister noch bei Camillo als Priester Unterstützung findet, beschließen die beiden Liebenden, einen Doppelselbstmord zu begehen....





Doch zum Glück geht alles gut aus in der Verfilmung des ebenso populären Schelmenromans von Giovanni Guarechi. Natürlich tragen die beiden Hauptdarsteller Fernandel und Gino Cervi sehr stark zum Gelingen dieser manchmal derben, manchmal volkstümlich anmutenden Satire bei.







Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Sonntag, 21. Oktober 2018

Pepe le Moko - Im Dunkel von Algier







































Regie: Julien Duvivier

Kasbah...

"Algier ist eine terassenförmig angelegte Stadt, deren höchster Punkt die Kasbah ist. Ursprünglich heißt "Kasbah" auf arabisch so viel wie Festung bzw. Zitadelle. Heute nennt man den gesamten Stadtteil, der die Zitadelle umgibt, die Kasbah. Aus der Vogelperspektive wirkt die Kasbah wie ein unentwirrbares Labyrinth von Treppen, ein Gewirr von Winkeln und Gassen, die stufenförmig ineinander verschachtelt sind. Somit ideale Schlupfwinkel für alles, was sich verbergen will. Richtige Mauselöcher,  vor denen ein Fremder völlig hilflos ist. Und aus diesen Mauselöchern schlägt ihnen ein Gestank entgegen, wie sie ihn sich nicht vorstellen können. Sie werden obskure Kaschemmen in ausgestorbenen Gassen entdekcen. Sie werden das Geschrei hören  on feilschenden, gestikuierenden Menschen, die ihre Ware verkaufen wollen. Auch Flüche und Schimpfworte sowie das Geschrei der Frauen. Auch das Gebrüll von verlausten Kindern. 40.000 Menschen leben in der Kasbah auf einem Raum, der eingentlich nur für 10.000 Platz bietet. Ein großer Schmelztiegel aller Rassen und Nationen. Jedes Haus dort ist wie eine kleine Zitadelle mit einem Innenhof gebaut und alle diese Häuser haben Flachdächer, die nur durch niedrige Mauern oder auch durch Treppen voneinander getrennt sind. Dadurch ist jedes Haus eine Art Festung, eine Kasbah und somit ein idealer Unterschlupf für Verbrecher. Es gibt also nicht nur eine Kasbah, es gibt Hundert, es gibt Tausend - und in diesem Labyrinth ist der Verbrecher Pepe Le Moko zuhause. Er wird geschützt von seiner Bande und dort in der Kasbah sind alle Verbrecher Komplizen. Pepe hat nur Freunde dort" - das sind die erklärenden Worte von dem dort arbeitenden Inspektor Meunier (Rene Bergeron) für seinen Pariser Kollegen Janvier (Philippe Richard), der den Gangster endlich hinter Gittern haben will. Doch auch die Polizei in Frankreich muss sich fragen lassen, warum Pepe überhaupt nach Algerien flüchten konnte. Seit dem Überfall in Toulon wird mit Hochdruck nach ihm gefahndet, denn fünf Polizisten hat diese Gangsterjagd schon das Leben gekostet. Pepe (Jean Gabin) ist ein charismatischer Gangsterboss, der sich versteckt und bei seiner Freundin Inez (Line Moro) untergetaucht ist. Doch der ehrgeizige Inspektor Slimane (Lucas Gridoux) ist ihm auf den Fersen. Slimane ist der Einzige Polizist, der in der Kasbah geduldet wird - wohl auch deshalb, weil es Pepe gestattet. Vielleicht weil er seinen einzigen ernsthaften Verfolger nahe bei sich haben will, um zu wissen, was dieser tut. Slimanes Taktik ist ein Spinnennetz, dass er um den Flüchtigen zieht und er will im richtigen Moment auch zuschlagen. Slimane hat tatsächlich etwas sehr spinnenhaftes, ein ruhiger und fast devot wirkender Mann, der aber genau weiß, was er will.  Pepe hat zwei Schwächen. Die erste ist sein Ziehsohn Pierrot (Gilbert Gil), der ebenfalls zur Bande gehört und für den er eine hohe Verantwortung hat. Die zweite Schwäche sind schöne Frauen. So ist er seiner Freundin inzwischen überdrüssig und als er Gaby (Mireille Balin), eine Touristin aus Paris, in der Kasbah kennenlernt, ist er Feuer und Flamme. Und sie ebenfalls - die Frau ist die Begleitung eines alten reichen Mannes, der für Gabys Liebesdienste viel Geld und Luxus springen lässt. Und Gaby wird es auch sein, die am Ende das Schicksal von Pepe besiegelt....




Das Ende hat sicherlich den britischen Meisterregisseur bei seinem Film "Ausgestoßen" inspiriert, der 10 Jahre später im Jahr 1947 gedreht wurde. "Pepe Le Moko" aus dem Jahr 1937 ist das Meisterwerk seines Regisseurs Julien Duvivier, ein Vorläufer des Film Noir und eines der besten Werke des poetischen Realismus. Es stimmt alles in diesem düsteren Kriminalfilm, der durch den Schauplatz Kasbah noch zusätzlich an perfekter Atmosphäre gewinnt. Auch die Schauspieler glänzen in diesem großen französischen Klassiker, der immer noch nicht als deutsprachige DVD Fassung erhältich ist. Jean Gabin in einer seiner besten Rolle, dazu ein so interessanter Gegenspieler wie Lucas Gridaux, ein perfekt besetzter Inspektor Slimane. Zweimal wurde der Film in Amerika neu verfilmt - 1938 hieß das Remake "Algiers" und 1948 sogar in einem Film Noir Musical, wo Peter Lorre die Rolle des Slimane übernahm.





Bewertung: 10 von 10 Punkten.