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Mittwoch, 24. November 2021

Sommer 85


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Francois Ozon

Liebe eines Sommers...

Mit "Sommer 85" (Originaltitel: Ete 85) ist dem Filmregisseur Francois Ozon eine seiner besten Arbeiten gelungen. Der 1967 in Paris geborene Regisseur drehte mit dem schrillen "Sitcom" im Jahr 1998 seinen ersten Film. Seine bekanntesten Filme sind "8 Frauen", "Swimmingpool", "In ihrem Haus", "Frantz" und "Gelobt sei Gott". Letzterer erhielt 2019 bei der Berlinale den großen Preis der Jury. "Sommer 85" wurde bei der Vergabe des französischen Filmpreis mit insgesamt 12 Nominierungen geehrt, leider ging der melancholische Coming of Age Film am Ende leer aus. Das Filmplakat mit zwei verliebten Jungs auf dem Motorrad suggeriert wie auch der Titel leichte Sommerunterhaltung, aber davon ist Ozons Film weit entfernt. Obwohl die besonders glücklich machenden Gefühle in der Geschichte immer mitschwingen. Es handelt sich ja auch um die ersten große Liebe des 16jährigen Alex Robin (Felix Lefebvre) der noch bei seinen Eltern (Isabelle Nanty und Laurent Fernandez) in einem idyllischen Küstenort an der Normandie lebt. Sein Professor für Literatur Monsieur Lefevre (Melvin Popaud) spornt seinen Schüler an sein schreiberisches Talent weiter auszubauen. Alex selbst weiß nicht genau wohin seine Reise beruflich gehen soll. Im Sommer 1985 fährt er mit dem Boot eines Kumpels aufs Meer, als er plötzlich von einem Gewitter überrascht wird. In der Hektik kentert sein Boot, doch er wird von einem anderen Boot aus gesehen und so wird der achtzehnjährige David Gorman (Benjamin Voisin) sein Retter. Dieser David lädt ihn spontan zu sich nach Hause ein, um die nassen Kleider zu wechseln und auch Davids Mutter (Valeria Bruni Tedeschi) erweist sich als überaus gastfreundlich. So darf er ein schönes heißes Bad nehmen und wird anschließend zum Essen eingeladen. Die Begegnung mit David wird sehr schnell zu einer turbulenten Liebesbeziehung zwischen den beiden Jungs. Einmal äussert David den Wunsch, dass derjenige der zuerst stirbt, auf dem Grab des Anderen tanzen muss. Er fordert von Alex ein Versprechen diesen Wunsch auch einzulösen. Dann folgend die glücklichsten Tage, bis zum bitteren Ende, dass den Anfang nimmt als Alex das Aupair Mädchen Kate (Philippine Velge) zum zweiten Mal trifft. Das Liebesglück zwischen den beiden Jungs dauert nicht mehr lange - nur 6 Wochen, dann schlägt das Schicksal grausam zu...





Der Zuschauer weiß gleich von Beginn an, dass Ozon kein zweites "La Boum" anbietet, denn die Geschichte des Sommers 85 wird in einer Rückblence von Alex erzählt, der kurz davor steht sich vor Gericht für eine Straftat zu verantworten. Dabei wird auch erwähnt, dass es in dieser Geschichte einen Toten gibt: David, der mit seinem Motorrad verunglückte. Mit viel Melancholie ist diese bitter-süße Lovestory angereichert und wird von den beiden jungen Hauptdarstellern mühelos getragen. Ozons Film ist auf Augenhöhe mit dem hochgelobten "Call me by your name" von Luca Guadagnino. Nur das Ende ist viel trauriger, die literarische Vorlage stammt von Aidan Chambers Roman "Dance on my Grave". Ozon hat die Geschichte zwischen einem schüchternen Jungen und seinem energiegeladenen Lover vom englischen Badeort Southend in ein kleines Küstenstädtchen in der Normandie verlegt.
 





Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

 

Sonntag, 8. April 2018

Swimmingpool







































Regie: Francois Ozon

Begegnung mit Julie...

1998 drehte er mit der schrängen Familiencomedy "Sitcom" seinen ersten Spielfilm und es folgten drei sehr erlesene und interessante Arbeiten wie "Ein kriminelles Paar", "Tropfen auf heiße Steine" und "Unter dem Sand" bevor ihm mit "8 Frauen" der ganz große Durchbruch - nicht nur im Heimatland Frankreich - gelang. Diese Mischung aus "Die Regenschirme von Cherbourg" und Cukors "Die Frauen" wurde insgesamt für 11 Cesars nominiert und die acht Darstellerinnen Catherine Denueve, Isabelle Huppert, Emmanuelle Beart, Fanny Ardant, Virginie Ledoyen, Danielle Darrieux, Ludivine Sagnier, Firmine Richard bekamen gemeinsam den Europäischen Filmpreis als beste Darstellerinnen. Der Nachfolgefilm "Swimming Pool" wurde ebenfalls ein riesiger Erfolg. Mit einem weltweiten Boxoffice von über 23 Millionen Dollar spielte er mehr als das Dreifache seiner Produktionskosten wieder ein. Erneut ist die attraktive Ludivine Sagnier zu sehen, die an der Seite von Charlotte Rampling spielt. Beide Schauspielerinnen spielten derart überzeugend ihre Rollen, dass eine Cesar-Nomienierung dabei heraussprang.  Dies war im Jahr 2004 und inzwischen hat der französische Regisseur in vielen weitere überzeugende Arbeiten bewiesen, dass er einer der wichtigsten zeitgenössischen französischen Filmemacher ist. Dennoch ist "Swimming Pool" immer noch mein persönlicher Ozon Favorit. Vor allem das absichtlich mehrdeutige Ende ist ihm ausserordentlich gelungen und meisterhaft hat er in der Geschichte Realität und Phantasie miteinander vermischt.
Erst sehr spät entwickelt "Swimming Pool" sich zu einer Art Schauergeschichte und offenbart auch seine subtilen Thrillerqualitäten. Sehr lange wird der Zuschauer mit zwei sehr unterschiedlichen Frauen konfrontiert und aus dieser schwierigen Begegnung entsteht eine erotische Atmosphäre, denn die junge Julie (Ludivine Sagnier) ist stark sexuell aktiv, während die Schriftstellerin Sarah Morton (Charlotte Rampling) zugeknöpft und introvertiert ist. Als englische Mystery-Autorin ist sie populär geworden und ihr Verleger John Bosload (Charles Dance) wartet schon auf das nächste Buch ihrer erfolgreichen Kriminalroman-Serie. Doch die Frau mittleren Alters hat eine Schreibblockade. Bosload bietet ihr deshalb an, dass sie das Buch in aller Ruhe und Entspannung und in einer idyllischen Umgebung schreiben sollte. Er bietet ihr sein Landhaus in der Nähe von Lacoste in Frankreich an. Dort angekommen wird sie von dem alten Gärtner Marcel (Marc Favolle) in Empfang genommen, der ihr das Anwesen im Grünen zeigt, Sarah genießt die dort vorherrschende Einsamkeit und die Sonne. Mit den Menschen im Ort nimmt sie keinen Kontakt auf, lediglich mit dem kellner Franck (Jean-Marie Lamour), der im örtlichen Cafe bedient, wechselt sie hin und wieder ein paar Worte. Doch bald ist mit der Ruhe vorbei, denn eines Nachts kommt Julie, die Tochter des Verlegers, nach einer längeren Reise zurück nach Hause. Von ihrer Existenz wusste Sarah noch nichts.  Die junge Frau ist lebenshungrig und hat beinahe jeden Tag eine One-Night Stand mit einem anderen Mann, ihre Lieblingsbeschäftigung ist das Baden im Swimming Pool. Die Verschiedenheit der beiden Frauen sorgt für Konfliktstoff. So nervt sich Sarah an den nächtlichen Abenteuern, die sehr laut vonstatten gehen, aber sie kann sich der voyeuristischen Faszination kaum entziehen. Der Lebensstil von Julie scheint ihr immer mehr zu gefallen. Heimlich schleicht sie sich in Julies Zimmer und liest deren Tagebuch, um den Inhalt für ihr neues Buch zu verwenden. Bald ist die zugeknöpfte Autorin auch erotisch aufgeladen. Als Julie mit dem Kellner eines Abends im Haus auftaucht, nimmt eine unerwartete Tragödie ihren Lauf....




Die beiden Frauen passen nicht zusammen, aber die Gegensätze hat Ozon überaus faszinierend nebeneinander gestellt. Der Swimming Pool hat dabei eine starke Funktion, er wechselt auch sein Gesicht. Mal ist eine Schicht von Blättern darauf zu sehen, dann ist er völlig abgedeckt. Wenn Julie darin badet oder sich sonnt, dann erscheint alles türkisfarben klar. Dem Zuschauer wird so vermittelt, dass er bis auf den Grund sehen könnte - doch das ist natürlich ein Trugschluß. Am Ende bleiben viele Fragezeichen. Ozon schafft es vorzüglich, das Vertrauen der Zuschauer in die eigene Wahrnehmung zu erschüttern. Kameramann Yorick Le Saux (Personal Shopper, Only Lovers left alive, Chanson d´amour) liefert ebenfalls eine hervorragende Arbeit. Wunderbare sonnige Bilder, dazu wird die attraktive Ludivine Sagnier unheimlich schön als junge Femme Fatale fotografiert.




Bewertung: 9,5 von 10 Punkte.