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Freitag, 23. Juli 2021

Mord in Ekstase - Ein Doppelleben

























Regie: George Cukor

Im Labyrinth von Schein und Sein...

George Cukor, ansonsten eher der Fachfann für Screwball-comedys, für Musical oder für "Frauenfilme", hatte wohl in der Zeit von 1944 bis 1947 ein Faible für düstere Stoffe, Morde und Männer, deren Handlungen und Taten von fatalen Leidenschaften und Süchten angetrieben werden. So wird in "Das Haus der Lady Alquist" der Pianist Sergius Bauer zum Mörder wegen den weltberühmten Juwelen der Alice Alquist und in Cukors Folgefilm erleben wir die zwei Gesichter des Anthony John, einem begnadeten Schauspieler, der das Problem hat immer eins mit seiner Rolle zu werden. Im Falle von Shakespeares "Othello" erweist sich diese Gabe als der reinste Horror. Denn der Akteur ist besessen von der dramatischen Szene am Schluß, als er als Othello seine eigene Frau Desdemona im Wahn und aus größter Eifersucht erdrosselt.
Cukors "Mord in Ekstase" ist interessiert an diesem Mann, der immer tiefer in eine Schizophrenie driftet - er hört Stimmen und hat Blackouts. In diesen Momenten kann er nicht mehr Wirklichkeit von dem Theaterstück unterscheiden. Beide Charaktere - sowohl sein eigenes Ich als auch die Rolle, die er zu spielen hat - konkurrieren und es kommt zu einer Art Jekyll und Hyde Syndrom, das er selbst nicht mehr steuern kann.
 Seine Umwelt nimmt das aber als starken egozentrischen Zug war, der Schauspieler ist berüchtigt für seiine Ausbrüche. Ein geschätzter Mime, der das große Talent hat eins mit seiner Rolle zu werden. Seine Kollegin Brita (Signe Hasso) liebt ihn und war eine Zeitlang mit ihm verheiratet. Doch es ging nicht gut. Obwohl immer noch Gefühle da waren, hat sie sich von ihm getrennt. Nun sind beide nur noch gute Freunde und spielen gemeinsam in den erfolgreichen Theaterstücken. Die Trennung hat Anthony aber nicht weniger eifersüchtig gemacht. Vor allem gefällt es ihm nicht, dass der jüngere Bill (Edmund O´Brien) Brita schöne Augen macht. Aber die Rolle als "Othello" verlangt alles ab - Brita spielt die Desdemona. Das Stück wird ein Riesenerfolg am Broadway. Beste Szene ist immer die Ermordung von Desdemona. die Erdrosselung wirkt aufs Publikum so sehr authenisch. Brita selbst und auch der Zuschauer erschrickt aber wie fest der Schauspieler da zudrückt. Manchmal hat man das Gefühl er könne fast nicht mehr aufhören und Brita würde die Würgeattacke nicht überleben. In einer italienischen Bar lernt Anthony die recht lockere Blondine Pat Kroll (Shelley Winters) kennen, die ihn auch schon gleich in ihre Wohnung mitnimmt. Beim zweiten Rendezvous tötet er die junge Frau, weil er sie fälschlicherweise für Desdemona hält....



Durch die düstere Machart kann man "Ein Doppelleben" leicht in das Noir Genre einordnen. Auch wenn der Schauplatz nicht die Unterwelt und die dunklen Straßen der Nacht sind...sondern die Theaterwelt und die gespaltene Persönlichkeit des Protagonisten. Ein Mann, der durch Krankheit ohne Schuld zum Mörder wird, aber von dem eine große Gefahr ausgeht, dass es zu weiteren Mordtaten kommt. Der Film funktioniert bestens weil die Konflikte auf der Bühne und jenseits davon immer ineinander greifen...die gespaltene Persönlichkeit ist gegenwärtig. Der Irrsinn ist überzeugend - ein Verdienst des britischen Schauspielers Ronald Colman, der für diese Rolle den Oscar als bester Schauspieler 1948 bekam. Ein zweiter Oscar gabs für die stimmungsvolle Musik von Miklos Rosza. Die Drehbuchautorin Ruth Gordon (eher bekannt als Schauspielerin in Filmen wie "Harold und Maude" oder "Rosemarys Baby" wurde mit ihrem Partner Garson Kanin für das beste Drehbuch nominiert. In den Nebenrollen sind die späteren Oscargewinner Shelley Winters (Das Tagebuch der Anne Frank, Träumende Lippen) und Edmund O´Brien (Die barfüßige Gräfin) zu sehen.



Bewertung: 8 von 10 Punkten

Donnerstag, 15. Juli 2021

Die Kameliendame



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: George Cukor

Margerite Gautier...

George Cukor drehte "Die Kameliendame" im Jahr 1936 nach dem gleichnamigen Roman von Alexandre Dumas d. J. Sein Buch erschien 1848 in Paris - damit konnte er erstmalig aus dem Schatten seines erfolgreichen Vaters treten, der Klassiker wie "Die drei Musketiere" und "Der Graf von Monte Christo" schrieb. Der Roman spielt in der Pariser Halbwelt, der s.g. "demi-monde". In diesem Milieu war der Autor auch beinahe zuhause. "Die Kameliendame" enthält autobiographische Züge und die Hauptfigur Margerite Gautier ist praktisch ein Ebenbild der Modistin und Kurtisane Marie Duplessis, die der Schriftsteller im Alter von 20 Jahren kennenlernte.
Der Film von George Cukor ist natürlich eine Schnulze - hat aber sehr bewegende und tragische Momente und lebt von dem Flair der Zeit, in der er spielt. Greta Garbo war damals auf dem Höhepunkt ihrer Weltkarriere. Die Göttliche feierte zuvor Riesenerfolge mit Filmen wie "Menschen im Hotel", "Königin Christine" oder "Anna Karenina. Für "Camille" (so der englische Titel) wurde das Idol ihrer Generation für einen Oscar als beste Schauspielerin nominiert. Sie musste sich allerdings von der deutschen Schauspielerin Luise Rainer (Die gute Erde) geschlagen geben. Es war die zweite von drei Nominierung. Sie gewann den Preis aber nie - im Jahr 1955 wurde sie aber mit dem Ehrenoscar für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.
Die schöne Marguerite Gautier (Greta Garbo) ist eine begehrte und sehr bekannte Kurtisane, die in dieser Halbwelt von Paris Mitte des 19. Jahrhunderts lebt. Marguerite wird von der Männerwelt begehrt und sie lässt sich gerne von ihren Verehrern beschenken. Wenn sie Blumen schenken, dann sollen es Kamelien sein. Im Theater arrangiert Marguerites Freundin und Schneiderin Prudence Duvernoy (Laura Hope Crews) ein Treffen mit dem reichen Baron de Varville (Henry Daniell). Wegen seinem unsagbaren Reichtum ist auch Olympe (Lenore Ulric) hinter ihm her. An diesem Abend lernt Marguerite aber nicht nur den Baron kennen, sondern auch den attraktiven jungen Armand Duvall (Robert Taylor), ein feinsinniger Mann aus gutem Hause, jedoch ohne Vermögen. Beide Männer sind sehr schnell verrückt nach der schönen Frau, die leider einen extrem verschwenderischen Lebensstil pflegt und die damit verbundenen langen, vergnüglichen Nächte des Tanzens und des Trinkens. Von ihrem Arzt hat sie den Rat erhalten kürzer zu treten, denn sie leidet an Schwindsucht und hat immer mal wieder schwere Krankheitsanfälle. Marguerite spielt gekonnt mit ihren Verehrern, so erhält sie von Baron immer wieder finanzielle Zuwendungen und von Armand die bestmögliche Aufmerksamkeit. Doch verliebt war die Schönheit noch nie. Durch seine Ausdauer gelingt es aber Armand nach langer Zeit Gefühle in Marguerite zu wecken, die sie selbst noch nicht kannte. Kann sie ihren bisherigen Lebensstil aufgeben und durch die Liebe zu Armand andere Werte bevorzugen ? Ein gemeinsamer Sommer verbringen die beiden, ganz in der Nähe des Schloßes, das dem Baron gehört. Als Armand für kurze Zeit in Paris weilt, bekommt Marguerite Besuch von Armands besorgtem Vater (Lionel Barrymore)...



Das größte Opfer in der Liebe ist der Verzicht - so will es die Geschichte. Die Schöne gibt dem Vater das Versprechen sich von Armand zu trennen, damit sie seiner Zukunft nicht im Wege steht. Er weiß natürlich nichts davon und glaubt, dass Marguerite doch Geld und Luxus bevorzugt. Am Sterbebett der Kranken kommt es aber zu einem HappyEnd, bevor der Tod die Liebenden wieder trennen wird. Insgesamt spielte der Film damals fast 3 Millionen Dollar ein und wurde zum größten Kassenerfolg der Garbo. Durch das hohe Budget war der Gewinn für die Produzenten aber überschaubar. Robert Taylor wurde durch den Film schlagartig bekannt und George Cukor wurde für seine Regiearbeit sehr gelobt. Der "Frauenregisseur" wurde allerdings erst im Jahr 1965 mit einem Regie-Oscar (My fair Lady) belohnt.
 



Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Samstag, 18. Januar 2020

David Copperfield


































Regie: George Cukor
Als Hollywood Charles Dickens verfilmte...

Für Regisseur George Cukor war "David Copperfield" aus dem Jahr 1935 ein riesiger Erfolg. Die Verfilmung des bekannten Romans von Charles Dickens spielte über 3,5 Millionen Dollar ein und erhielt überragende Kritiken. Manche sprachen damals sogar von der besten Literaturverfilmung überhaupt. Tatsächlich wirkt seine Verfilmung auch heute noch sehr authentisch und man fühlt sich tatsächlich in die viktorianische Epoche hineinversetzt. Die Besetzung sämtlicher Romanfiguren ist im jedenfalls prächtig gelungen und auch Auge fürs Detail war sicherlich vom Vorteil. Erst im folgenden Jahrzehnt gelang es dem Briten David Lean mit "Geheimnisvolle Erbschaft" und "Oliver Twist" diese Leistung zu übertrumpfen. Seine Dickens Filme sind noch ein bisschen düsterer und sind bis heute unübertroffen.
"David Copperfield" entführt seine Zuschauer ins England des 19ten Jahrhunderts und auch für Produzent David O. Selznick wurde in seinem Vorhaben bestärkt große Weltliteratur als Kinofilm zum Erfolg zu bringen.
Bei der nachfolgenden Oscarverleihung wurde Cukors Film in den Kategorien "Bester Film", "Bester Schnitt" und "Beste Regieassistenz" (Joseph M. Newman) nominiert. Kinderdarsteller Freddie Bartholomew schaffte damit seinen Durchbruch zu einem der größten Kinderstars der Dekade. 
Die junge Clara Copperfield (Elizabeth Allan) ist Witwe und 6 Monate nach dem Tod ihres Mannes wird der kleine David (Freddie Bartholomew) geboren. Der wächst zwar ohne Papa, aber in liebevoller Umgebung bei seiner Mutter und der Dienerin Peggotty (Jessie Ralph) auf. Die Idylle bröckelt allerdings, als der charmante Mr. Murdstone (Basil Rathbone) auftaucht, der um Clara wirbt. Es kommt zur Vermählung, dann zeigt der Mann aber sein wahres Gesicht, das sehr hartherzig und brutal ist. Mit ihm zieht auch seine strenge Schwester Jane (Violet Kemble Cooper) ins Haus und gibt den Ton an. Der Junge bekommt von seinem Stiefvater Prügel, weil der bemerkt, dass er von David nicht akzeptiert wird. Dann wird Clara schwanger und bei der Geburt stirbt sie und das Neugeborene. Ab diesem Zeitpunkt wird es für den kleinen David immer schlimmer. Er wird von Murdstone nach London zum Arbeiten geschickt. Immerhin findet er bei dem gutherzigen Wilkins Micawber (W. C. Fields) nicht nur Kost und Logis, sondern einen väterlichen Freund. Doch Micawber hat immer mal wieder Probleme mit seinen Gläubigern und wird verhaftet. David flüchtet von London nach Dover zu seiner Großtante Betsey (Edna May Oliver), die es verhindert, dass der Junge wieder zum sadistischen Stiefvater leben muss. David wird für seine Schulzeit von der gut betuchten Familie Wickfield (Lewis Stone) aufgenommen. Mr. Wickfields Tochter Agnes (Marilyn Knowlden, als Erwachsene Madge Evans) ist schon als Kind in David verliebt und das ändert sich auch nicht als sie bereits erwachsen ist. David (Frank Lawton) ist nun ein junger Mann, der sein Studium in Canterbury beginnt und sich mit seinem Studienkollegen James Steerforth (Hugh Williams) anfreundet. Beim Besuch einer Ballettaufführung sieht er Dora Spenlow (Maureen O´Sullivan) zum ersten Mal und verliebt sich in sie...



Lionel Barrymore ist als Dan Pegoddy zu sehen und mit Elsa Lanchester und Una 0`Connor sind weitere bekannte Nebendarsteller mit von der Partie. Nicht unerwähnt darf auch Roland Young bleiben, der den verschlagenen Uriah Heep spielt. Cedric Gibbons entwarf eine Nachbildung des London des 19. Jahrhundert auf dem MGM-Gelände. Die Szenen vor Tante Beseys Haus auf den weißen Klippen von Dover wurden in Malibu gedreht.




Bewertung: 8 von 10 Punkten. 
 

Sonntag, 1. Dezember 2019

Die Frauen







































Regie: George Cukor

Zickenkriege...

Meinem Mann verzeih ich alles...so das Resümee des schrillen Comedy Klassikers "Die Frauen" von George Cukor aus dem Jahr 1939. Cukor wurde erst im Alter von 66 Jahren mit dem Oscar als bester Regisseur gewürdigt - er bekam die Trophäe für seine Leistung in "My Fair Lady". Legendär sind seine Screwball-Comedys, aber auch sein Rauswurf als Regisseur für das Selznick Großprojekt "Vom Winde verweht". Unmittelbar danach drehte er sein Comedy-Drama "Die Frauen", der auf dem gleichnamigen Stück von Clare Boothe Luce basiert und von den Drehbuchschreiberinnen Anita Loos und Jane Murfin für die Leinwand adaptiert wurde. "Die Frauen" wurde einer von George Cukors besten Filmen - auch an den Kinokassen lief der Film sehr gut und spielte 2,3 Millionen Dollar ein.
Der Clou des Films besteht darin, dass sich alles um Frauen und ihre Männer dreht - jedoch ist ein einziger Mann im Film zu sehen. Alle 130 sprechenden Rollen waren weiblich und mit Norma Shearer, Joan Crawford, Rosalind Russell, Paulette Goddard und Joan Fontaine war der Film prächtig besetzt.
Schauplatz des Films ist Manhattan. In den glamourösen Appartements der High Society spielt sich das verwöhnte Leben dieser wohlhabenden Frauen ab, die untereinander scheinbar gut befreundet sind, aber andererseits auch den Machtkampf ausüben - Tag ein, Tag aus, denn ansonsten wär doch alles so langweilig.
Immerhin scheint Mary Haines (Norma Shearer) glücklich zu sein, obwohl ihr Stephen beruflich stark involviert ist - ein sogenannter Karrieretyp. Aber sie wollte ihn auch so und nicht anders. Mary bezeichnet ihre Ehe als gefestigt, immerhin ist ihre Tochter Klein Mary (Virginia Weidler) auch Daddys kleiner Sonnenschein. Als Freizeitbeschäftigung Nr. 1 gilt das Shoppen, dann der Besuch in den Beauty Salons der Stadt, dicht gefolgt vom Tratschen mit den Freundinnen über die heißesten Gerüchte und Skandale im Bekanntenkreis oder wer mit wem fremd geht Eine der größten Klatschtanten in der Stadt ist Marys Freundin Syliva Fowler (Rosalind Russell), die ihr im Beauty Salon erzählt, dass Stephen ein Verhältnis mit der Verkäuferin Crystal Allen (Joan Crawford) begonnen hat. Mary ist enttäuscht und entsetzt, obwohl Stephen die Liebschaft mit der Anderen gar nicht so gravierend empfindet. Ein Mann braucht auch mal einen Ausgleich zum Alltag. Marys Mom gibt ihrer Tochter den guten Rat ihrem Mann diesen Freiraum zu lassen, doch das will sie einfach nicht akzeptieren. Während einer Modeschau kommt es zur direkten Konfrontation mit der Geliebten ihres Mannes - als Konsequenz erfolgt die Scheidung in Reno, ohne Beisein des Ehemannes. Doch das ist noch nicht das Ende...




Über die Männer wird immer geredet und sie sind das zentrale Thema. George Cukor war bei diesem Projekt enorm detailversessen - so waren sogar die Tiere, die mitspielen alle weiblich. Gefilmt wurde der Kultklassiker in schwarz-Weiß, entählt aber eine 6-minütige Modeschau in Technicolor, die Kreationen stammen von Adrian. Am Ende siegt die gute Ehefrau über die böse Geliebte und diese beiden Rollen sind mit Norma Shearer und Joan Crawford perfekt besetzt. Als intrigante Sylvia spielt Rosalind Russell mit, die einige Monate später durch "Sein Mädchen für besondere Fälle" zum großen Star wurde.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Montag, 10. September 2018

Die Nacht vor der Hochzeit







































Regie: George Cukor

Hochzeit in Philadelphia...

1934 bekam Regisseur George Cukor für "Vier Schwestern" seine erste Oscarnominierung. Er musste aber vier weitere Anläufe nehmen, bis er 1965 den begehrten Filmpreis für "My fair Lady" endlich gewinnen konnte. Im Laufe seiner langen aktiven Filmkarriere schuf er Klassiker wie "Das Haus der Lady Alquist", "Ein Doppelleben", "Die Frauen", "Ehekrieg" oder "Die Frau mit den zwei Gesichtern" - vor allem im Genre der Screwball-Comedy feierte er mit Filmen wie "Dinner um Acht" (1933), " Die Schwester der Braut" (1938) und vor allem mit "Die Nacht vor der Hochzeit" riesige Erfolge. Der Film heißt im Original "Philadelphia Story" und spielt in dieser Stadt, wo damals noch der Hochsitz des alten Geldes war. Insgesamt brachte es der Film auf 6 Oscarnominierungen (Producer Joseph L. Manciewicz, Regisseur Cukor, Drehbuchautor Donald Ogden Stewart, Hauptdarstellerin katherine Hepburn, Nebendarstellerin Ruth Hussey und Hauptdarsteller James Stewart, der - neben dem Autor - auch den Preis gewinnen konnte.
Wobei James Stewarts Preis von vielen als Kompensation und Wiedergutmachung für das Vorjahr angesehen wird, wo Stewart in "Mr. Smith geht nach Washington" gegen Robert Donat unterlag. Eine damals gängige Praxis, wenn eine hervorragende Darstellerleistung nicht zum Sieg führte. Sie wurde in der gleichen Oscarnacht mit Joan Fontaine fortgesetzt, die den Preis für "Rebecca" schon so gut wie sicher in der Tasche hatte und dann doch gegen Ginger Rogers für "Kitty Foyle" unterlag. Im Jahr darauf kam dann Fontaine zum Zug für den etwas schwächeren Rebecca-Nachfolger "Verdacht".
Jedenfalls wurde "Die Nacht vor der Hochzeit" zu einem unverwüstlichen Klassiker, der in seiner Zeit ein riesiger Kassenerfolg war und damals über 3 Millionen Dollar einspielte, was ihm einen 5. Platz in den US-Kinojahrescharts einbrachte.
Der Film spielt bei den oberen Zehntausend von Philadelphia. In der ersten Szene sieht man einen Mann, der sehr schnell sein Zuhause verlässt. Es handelt sich um C.K. Dexter Haven (Cary Grant), der es bei seiner Ehefrau Tracy (Katherine Hepburn) nicht mehr aushält. Die perfekte Tracy konnte ihrem Mann die Schwäche fürs Trinken nicht verzeihen. Sie ist überzeugt von ihrer rigiden moralischen Haltung. Dieses Eheaus liegt schon ein paar Monate zurück. Nun steht die 2. Hochzeit von Tracy Lord bevor. Bräutigam soll der gesellschaftliche Aufsteiger George Kittridge (John Howard) werden. Doch die Familie Lord hat auch Probleme. Seth Lord (John Hallyday), Tracys Vater, hat eine Afffäre mit einem jungen Showgirl. Die Ehefrau (Mary Nash) hätte diese Liason wohl geduldet, doch Tracy trieb den Vater aus dem Haus. Sehr zum Leidwesen von Tracys kleinerer Schwester, der vorlauten und verzogenen Dinah (Virginia Weidler), die auch die Hochzeitspläne von Tracy nicht gut findet, da sie Dexter viel lieber hatte. Dexter taucht an diesem Tag tatsächlich auch auf, denn er wurde von einem skrupellosen Chefredakteur erpresst und muss nun zwei Zeitungsreporter Mike Connor (James Stewart) und Liz Imbrie (Ruth Hussey) als vermeintliche Freunde von Tracys abwesendem Bruder in die exklusive Villa der Lords einschleusen, damit die über dieses gesellschaftliche Ereignis hautnah berichten können. Ansonsten würde man die schmutzige Story über Tracys Vater veröffentlichen. Zuerst ist Tracy von der Anwesenheit Dexters nicht erbaut, aber dieser Tag hat so seine eigene Dynamik, Am Abend vor der Hochzeit findet ein großer Ball statt und Tracy trinkt entgegen ihrer Angewohnheiten Alkohol. Dexter entdeckt, dass er seine Exfrau immer noch liebt und auch Reporter Mike findet Tracy attraktiv. Am anderen Morgen liegen sich drei Rivalen in den Haaren...


Seit dem Howard Hawks Klassiker "Leoparden küsst man nicht", der bei seinem Erscheinen kein großer Kinoerfolg war, galt Katherine Hepburn als Kassengift. Erst mit dieser Screwball Comedyy konnte sie einen Riesenerfolg verbuchen. Hepburn spielt die Tracy Lord bereits am Broadway und mit der Idee zu einem Film kam sie nach Hollywood zurück. George Cukor war der ideale Regisseur für diesen Stoff, denn der "Frauenregisseur" war sehr mit dem Theater verhaftet und häufig hatten seine Filme diesen Touch von Bühnenaufführungen. Kein Wuner, denn fast alle seine Stoffe basieren auf Bühnenstücke. "Die Nacht vor der Hochzeit" ist eine Komödie, die in den feinsten Kreisen spielt. Sie hat auch ernstere Momente, etwa dann, wenn Tracy irgendwann im Lauf der Handlung in ihr eigenes Spiegelbild schaut und eine tiefe Wahrheit über sich entdeckt. Am Ende wird die reiche Widerspenstige, dann auch gezähmt -  oder besser bestraft, erzogen und belohnt.


Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Dienstag, 24. Juli 2018

Dinner um acht







































Regie: George Cukor

Menschen in schönen Räumen....

Edmund Gouldings Kinohit "Menschen im Hotel" aus dem Jahr 1932 gilt als der erste offensichtliche All Star Cast Film, der ins Kinorennen geschickt wurde. Ausführender Produzent war Irving Thalberg, der in dieser Geschichte, die mehrere Schicksale binnen eines Zeitraums von 24 Stunden im Berliner Grand Hotel zeigt, den Idealfall sah mehrere seiner Topstars und Kinozugpferde gemeinsam in einem Film auftreten zu lassen. Es war die Zeit der Weltwirtschaftskrise, die massive Zuschauereinbrüche zur Folge hatte. So mussten neue Strategien gewählt werden, um wieder mehr Menschen ins kino zu locken. Man setzte auf die Anziehungskraft mehrerer Stars - mit Greta Garbo, Joan Crawford, John Barrymore, Lionel Barrymore und Wallace Beery gelang dies eindrücklich und "Menschen im Hotel" wurde zum Kinohit des Jahres. An diesem Erfolg orientierte sich auch David O. Selnick und setzte auf die Verfilmung von "Dinner um Acht" - einem Bühnenstück von George S. Kaufman und Edna Ferber. Mit Jean Hersholt, Wallace Beery, John Barrymore und Lionel Barrymore wurden denn auch gleich vier Schauspieler aus "Menschen im Hotel" wurden engagiert. Dazu wurde die damals sehr populäre Oscarpreisträgerin Marie Dressler engagiert. Trotz fortgeschrittenem Alter war sie ein Big Star und Regisseur George Cukor setzte Jean Harlow durch, die in diesem Film eine ihrer besten Rollen hatte. Die Schauspielerin starb leider schon 1937 im Alter von 26 Jahren an einer Vergiftung aufgrund eines Nierenversagens. Sie bleibt aber unvergessen als eine der ersten blonden Sexgöttinnen Hollywoods und war sozusagen die Mutter der nachfolgenden Diven wie Lana Turner oder Marilyn Monroe.
"Dinner um Acht" wurde ein Riesenerfolg. Weltweit spielte der Film 2.156.000 US-Dollar ein und bescherte MGM einen Gewinn von fast einer Million Dollar. Natürlich sieht man dem Film den Ursprung des Theaters, der Bühne sehr stark an. Er zeigt ein Bild der High Society Manhattans in den dreißiger Jahren. Millicent Jordan (Billie Burke), die etwas frustierte und blasierte Gattin des reichen Reeders Oliver Jordan (Lionel Barrymore) ist völlig aus dem Häuschen. Denn sie organisiert gerade ein Prestige Dinner am nächsten Freitag um Acht. Dabei sollen Lord und Lady Ferncliff aus England die Ehrengste sein. Mit diesen Snobs kann man prahlen und großen Eindruck schinden. Auch die alternde Schauspielerin Carlotta Vance (Marie Dressler), die schon bessere Tage gesehen hat, ist eingeladen. Ebenso der Unternehmer Dan Packard (Wallace Beery), der sich heimlich Olivers angeschlagene Reederei unter den Nagel reißen will. Seine zweite Frau Kitty (Jean Harlow) ist wesentlich jünger als er, ziemlich gelangweilt und auch recht fulgär. Aber inzwischen ist aus der ExHutverkäuferin eine verwöhnte anspruchsvolle Gattin geworden, die sich während der Abwesenheit ihres umtriebigen Gatten, der nur Geld im Kopf hat, mit dem Arzt (Edmund Lowe) vergnügt. Sehr zum Leidwesen von dessen Ehefrau (Karen Morley). Paula (Madge Evans), die Reederstochter ist zwar mit dem jungen Ernest de Graf (Philipps Holmes) verlobt, hat aber eine heimliche Affäre mit dem alternden Vaudeville Schauspieler Larry Renault (John Barrymore). Der Alkoholiker ist auf dem Tiefpunkt seiner Karriere angelangt und hofft auf eine Hauptrolle, die er aber nie mehr bekommen wird. Soweit die Ausgangsituationen und wie der Titel sagt, trifft man beim Dinner um Acht aufeinander...


Der Film orientiert sich an der Theatersituation und spielt in schönen Räumen, egal ob es sich dabei um die Hotelzimmer handelt, um das traditionsreiche Reedersbüro oder den sündhaft teuer ausgestatteten Räumen der Gastgeber. Hier hat der Ausstatter der alten Hollywood Schinken Cedric Gibbons ganze Arbeit geleistet. Dinner um Acht spielt oberflächlich in der reichen Ecke, aber hinter den Fassaden ist nicht nur die Weltwirtschaftskrise zu spüren. Sondern auch Tod, Elend und Niedergang. Für seine Zeit könnte man sogar von einer fiesen Enthüllung einer dem Niedergang geweihten Gesellschaft sprechen. Unvergessen der Ehekrieg zwischen Wallace Beery und einer herrlich aufspielenden Jean Harlow, die die besten Szenen hat und so inspirierend für Filmemacher war, dass ihr Typus bis heute immer wieder in den Filmen auftaucht. Man denke da an die oscarnominierte Rolle von Lesley Ann Warren als nervige Blondine Norma Cassidy in Blake Edwards "Viktor/Viktoria".
Neben witzigen Szenen haben aber die tragischen Momente genauso viel Raum. So gibts noch unwiderrufliche Diagnosen von schweren Krankheiten und ein Selbstmord, weil einer der Figuren neben allem anderen auch seine Würde und Selbstachtung verloren hat.
Fünfmal wurde George Cukor für den Oscar nominiert, beim letzten Anlauf 1965 klappte es mit dem Kinohit "My fair Lady". Seine besten Filme sind "Die Frauen", "Die Nacht vor der Hochzeit", "Das Haus der Lady Alquist" und auch dieses 1933 inszenierte "Dinner um Acht".


Bewertung. 8 von 10 Punkten.