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Samstag, 21. Januar 2023

Drugstore Cowboy


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Gus van Sant

Drogen im Mittelpunkt...

Gus von Sant lebt in Portland, Oregon und sehr viele seiner Filme spielen auch in seiner Stadt. Van Sant drehte seinen ersten Spielfilm "Mala Noche" im Jahr 1985. Diese Independentproduktion fand bei den Kritikern Beachtung. 1989 folgte "Drugstore Cowboy" - eine Art Roadmovie, weil die Protagonisten nirgends richtig zu Hause sind und öfters die Wohnungen wechseln. Dabei sind sie für die Gesellschaft Kriminelle, denn sie sind drogensüchtig und beschaffen sich den Stoff durch Einbrüche in Apothken und Krankenhäusern. Mit diesem Film schaffte der Independent Regisseur seinen internationalen Durchbruch. Hauptdarsteller Matt Dillon war für die Rolle des Bob Hughes wie geschaffen. Neben Coppolas "Rumble Fish" ist dies sicherlich die überzeugendste Leistung seiner Karriere. Gus van Sant vermeidet es die Figuren als schlechte Menschen darzustellen. Er zeigt zwar die Straftaten, die sie begehen, genauso aber auch die Verzweiflung in ihrem Leben. In einem Gastauftritt als drogensüchtiger Geistlicher ist der bekannte Schriftsteller William S. Burroughs zu sehen. Im Jahr 1971 führt der 26jährige Bob Hughes (Matt Dillon) ein Quartett von Drogensüchtigen an. Er ist der Boss der Gruppe und hat das Sagen. Seine Frau Dianne (Kelly Lynch) unterstützt ihn bei seinen Aktivitäten genüg Drogen zu besorgen. Auch Bobs bester Freund Rick (James LeGros) und seine junge Freundin Nadine (Heather Graham) gehören sozusagen zu dieser "Familie", die aufgrund der Drogendelikte eher ein nomadischen Dasein führen muss. Nachdem sie eine Apotheke in Portland ausgeraubt haben, fahren sie nach Hause, um sich zuzudröhnen. Gleich darauf klingelt es an der Tür, in der Eile werden die Drogen versteckt - doch es ist nur David (Max Perlich), ein seltsamer Typ aus der Nachbarschaft, der sich als Drogendealer versucht. Später stürmen Polizeibeamte unter der Leitung von Detective Gentry (James Remar) die Wohnung. Gentry kennt Bob schon lange und dem Ermittler war sofort klar, wer für den aktuellen Apothekenüberfall verantwortlich ist, denn das war Bobs Handschrift. Da Dianne das Diebesgut im Garten vergraben hat, findet die Polizisten nichts, doch die Wohnung ist jetzt in einem verwüsteten Zustand. Bob beschließt umzuziehen, weg vom Einsatzort des engagierten Beamten, der ihn hinter Gitter bringen möchte. Doch bald bemerkt er, dass Gentry ihnen gefolgt ist und dass vor dem Haus ein Auto steht, von dem aus sie observiert werden...






Gus von Sant erzählt eine sehr tragische Geschichte, denn das Quartett fällt immer mehr in den Sumpf des Verderbens, ein Ausweg scheint beinahe unmöglich. Auch merkt Bob, dass sich die Optionen für sich und für die Gruppe immer schlimmer wird. Er glaubt an Vorsehungen und ist sich sicher, dass das Halten eines Hundes Unglück mit sich bringt. Genauso wie ein Hut, der auf das Bett gelegt wird. Das andere Pärchen glaubt diese düsteren Vorsehungen nicht - so wird tatsächlich ein Hut aufs Bett geschmissen. Das Unglück nimmt seinen Lauf. Gus van Sant hat etwas von einer modernen Schelmengeschichte, die Betroffenen stehen im Mittelpunkt und man begreift ihre Isolation aufgrund der Abhängigkeit, deren Stellenwert alle anderen Belange überragt. Die Beschaffung ist das Ziel. Die gesamte Tragweite der Tragik wird mit Galgenhumor gewürzt. Am Ende bleibt eine unsichere Zukunft, trotz guter Vorsätze.






Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

 

Sonntag, 31. Juli 2022

Mala Noche


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Gus van Sant

Orientierungslos in Portland...

Portland, Oregan in den frühen 80er Jahren: Der junge Zigarettenverkäufer Walt Curtis (Tim Streeter) wirft ein Auge auf den jungen Mexikaner Johnny (Doug Cooeyate), einem illegalen Einwanderer, der sich gemeinsam mit seinem Freund Roberto Pepper (Ray Monge) seit geraumer Zeit in den USA aufhält. Beide ohne Persepktive einer tragfähigen Zukunft. Walt lebt ganz offen seine Homosexualität aus und hat es sich in den Kopf gesetzt mit dem Verliebten eine Nacht zu verbringen. Was eigentlich kein großes Problem darstellen sollte, denn 15 Dollar schnell verdientes Geld locken auf den gerade mal 18jährigen Herumtreiber.
Der Herzbube scheint sich aber nichts daraus zu machen. Viel wichtiger ist ihm, wie er mit seinen Freunden Pepper und den anderen Mexikanern über die Runden kommt. Das Geld reicht nicht mal immer für das karge Zimmer in einer Jugendherberge.
Manchmal hausen die Jungs auch auf der Straße, in Bruchbuden und muffigen Absteigen. Und hier wimmelt es vor Problemen. Der Einstieg in die Kriminalität ist unaufhaltsam, aus Diebstählen werden dann vermutlich Überfälle.
Walt übernimmt den Vorschlag seiner Freundin Betty (Nyla McCarthy) auf, die Jungs zum Abendessen zu sich einzuladen. Der Abend wird ganz nett, auch wenn die beiden Mexikaner eher an Betty als an Walt interessiert sind. Als Walt die Jungs im strömenden Regen zur Jugendherberge zurückfährt, macht er Johnny den Vorschlag eine Nacht mit ihm zu verbringen. Dieser lehnt ab, stattdessen geht Pepper darauf ein. Es beginnt eine Zeit des Herumhängens. Walt nimmt die jungen Kerle im Auto mit, zu dritt fahren sie ohne Ziel über die weiten Landstraßen, dem Wind und der Ungewissheit entgegen. Die graue Leere dieser Umgebung, das totale Nirgendwo fungiert als Platz des Suchens, nicht nur deshalb, weil Johnny plötzlich verschwindet und Walt ihn aus den Augen verliert...



In Gus van Sants kultigem Erstling Hier tummeln sich verwahrloste Menschen, Obdachlose, Stricher und an den sozialen Rand gedrängte Gestalten. Hauptthema des Films ist aber die unerwiderte Liebe des Amerikaners zu dem jungen Mexikaner Johnny, der die schwärmerischen Neigungen der Schwuchtel" eher belächelt und die Beziehung der beiden bleibt seltsam flüchtig.
"Mala Noche" ( zu deutsch:üble Nacht) ist eine Art dokumentarische 16mm-Momentaufnahme, die sich jungen Erwachsenen widmet, die sich irgendwo zwischen nicht mehr und noch nicht befinden.
Der Film, im grobkörnigen schwarz-weiss inszeniert, bleibt dauerhaft unterkühlt und fremdartig, trotz seiner intimen Inszenierung, die keine räumlichen Grenzen zu kennen scheint, obwohl es gerade um die Beengtheit seiner Figuren geht.
Hier gelingen Gus van Sant schon erstaunlich intensive Momente. Nicht zuletzt ist "Mala Noche" auch ein romantisches, fast poetisches Movie über Verlierer und ein Blick in eine ganz spezielle, fast schwerelose Zeit, die sich wahrscheinlich sehr oft an einem anderen Ort wiederholen wird.
Mir hat dieser an Jim Jarmush erinnernde Erstling von van Sant sehr gut gefallen, weil ihm ein sehr persönlicher Film gelungen ist.




Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Mittwoch, 11. Oktober 2017

My own private Idaho







































Regie: Gus van Sant

In den Straßen von Portland....

River Phoenix starb am 21. Oktober 1993 in West Hollywood, Californien. Zum Zeitpunkt seines Todes war er erst 23 Jahre alt und steckte voll in den Dreharbeiten zu Georg Sluizers "Dark Blood". Der charismatische Jungschauspieler starb an einer Überdosis Heroin und Kokain (Speedball) in den Armen seines jüngeren Bruders Joaquin vor dem angesagten Nightclub Viper Room, der zu einem gewissen Anteil seinem Freund Johnny Depp gehörte. Im Krankenhaus, wo er schnell eingeliefert wurde, konnte leider nur noch der Tod festgestellt werden. Die Todesursache war ein Herzstillstand. Bei der Autopsie fand man auch noch andere Substanzen wie Valium oder Cannabis. Einstichstellen wurden keine gefunden. So muss er das Achtfache einer tödlichen Dosis wohl oral oder intranasal zu sich genommen haben.
River Phoenix stand damals auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Bei der Oscarverleihung 1989 war er aussichtsreicher Kandidat für den Preis als bester Nebendarsteller in Sidney Lumets "Die Reise ins Ungewisse" - er unterlag allerdings Kevin Kline, der mit "Ein Fisch namens Wanda" am Ende siegreich war. 1991 wurde der überzeugte Umwelt- und Tierschützer von Gus van Sant für den Coming of Age Film "My private Idaho" verpfliichtet.  Es wurde neben "Stand by me" mit Sicherheit sein bester Film. Intersanterweise kann man beide Filme in die Kategorie der "Road Movies" einordnen. Während Rob Reiners 1986 entstandener Film vier Jungen zeigt, die zu Fuß auf die Suche nach einem Vermissten gehen, ist River in "My own private Idaho" als Einzelgänger auf der Straße unterwegs. Sie wird dort in wahnsinnig schönen Aufnahmen als einsame Landstraße irgendwo in Idaho dargestellt, aber wechselt immer wieder auf die nächtlichen Straßen von Portland, Oregon, wo sich Mike (River Phoenix) als Stricher durchs Leben schlägt. Mike war schon immer ein Straßenkind, leidet unter Narkolepsie und kommt aus verheerenden Familienverhältnissen. Seine Mutter und seinen älteren Bruder (James Russo) hat er seit Jahren nicht mehr gesehen. In seinen Träumer sieht er immer wieder glückliche Momente aus seiner Kindheit. Als Vaterersatz fungiert der Landstreicher Bob Pigeon (William Richard), der der Figur des "Fagin" aus "Olvier Twist" ziemlich ähnlich ist, sich selbst als den König der Aussätzigen bezeichnet und den Jungs auf der Straße psychischen Halt gibt. Davon profitiert auch der smarte Scott (Keanu Reeeves), Sohn des Bürgermeisters und aus sehr vermögenden Verhälntissen kommend. Scott rebelliert mit seinem Lebenswandel als Strichjunge gegen den eigenen Vater und dessen bürgerlichen Werte. Er bezeichnet Mike als seinen besten Freund, doch diesem fehlt die Nähe. Im Grunde ist Mike in Scott verliebt, ein Gefühl was der Andere aber nicht erwidern kann, da er nicht schwul ist. Gemeinsam reisen sie mit Scotts Motorrads aber nach Idaho und versuchen Mikes Mutter zu finden. Diese Suche führt die beiden nach Italien und dort verliebt sich Scott in die hübsche Carmella (Chiara Caselli). Die Wege trennen sich, aber Mike bleibt der Straße treu...





... ständig auf der Suche nach Geborgenheit, die versucht er immer wieder kurzzeitig bei seinen vielen sonderbaren Freiern zu finden. Er ist für jede Spielart zu haben. Als Teil eines SexQuartetts für eine reiche Frau, als Nacktputzer bei einem gewissen Daddy Carrroll oder beim perversen Deutschen Hans, gespielt von Udo Kier. Dennoch ist in jeder Sekunde klar, selbst in den wenigen fast intimen Szenen mti Scott, dass Mike immer der Einzelgänger bleiben wird. Er bleibt alleine und dies sorgt für eine starke melancholische Note in Gus van Sants "My own private Idaho", der gleich nach "Elephant" immer noch für mich der beste Film von Gus van Sants ist. Auch wenn er seit dem Welterfolg mit "Good Will hunting" zu den großen US-Regisseuren unserer Zeit aufgestiegen ist und den früheren Independent Platz verlassen hat. Spätestens mit "Milk" war klar, dass Gus van Sant für den Oscar reif ist. Dennoch sind mir seine kleinen intimen Filme, zu denen auch noch "Mala Noche" oder "Paranoid Park" gehören, fast noch etwas lieber. "My private Idaho" ist da so ein Misch-Werk. Einerseits sehr stark in seiner Story, in der Aussage und in der Machart sehr stark dem alternativen Independent Kino der USA verpflichtet, andererseits aber durch angehende Stars wie Keanu Reeves oder River Phoenix doch auch schon auf den Kinoerfolg schielend.
Dennoch hat der Film eine fast magische Atmosphäre anzubieten, aber es ist auch eine Stimmung des Verfalls, des Niedergangs und des Todes. Eine Szene am Ende beweist dies auch. da auf den gleichen Friedhof zwei Beerdigungen stattfinden.
Der Film zeigt auch eindrücklich, dass alles im Fluß ist. Momente vergehen schnell und die Erlebnisse der Protagonisten entwickeln sich immer recht unvorhersehbar. Mike ist ein Verlorener auf der Suche nach einem bisschen Halt, den er leider nicht finden wird.
Tragisch ist auch die Tatsache, dass nicht nur River Phoenix aufgrund von einer Drogenüberdosis starb - auch sein Filmkollege Rodney Harvey, der im Film den Gary spielte, ereilte das gleiche schicksal. Er wurde im Alter von 31 Jahren am 11. April 1998 in einem Hotel in Los Angeles tot aufgefunden. Die Todesursache war schnell gefunden, eine Kokain- und Heroinüberdosis beendete sein noch junges Leben.




Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Dienstag, 29. August 2017

Elephant








































Regie: Gus van Sant

Todestag, heute....

20. April 1999...Dylan Klebold und Eric Harris richten an der Columbine High School in Littleton ein Massaker in der Schule an.
"Elephant" arbeitet diese tragische Ereignis in einer fast dokumentarischer Form auf. Dabei ist das Ereignis des Films zwar fiktiv, die beiden späteren Amokläufer heissen hier Alex und Eric.
Der dokumentarisch wirkende Film von Gus van Sant schildert einen typischen Schultag und stellt einige Schüler John McFarland (John Robinson), Elias (Elias McConell), Jordan (Jordan Taylor), Carrie (Carrie Finklea), Nicole (Nicole George), Brittany (Brittany Mountain), Arcadia (Alicia Miles), Michelle (Kristen Hicks), Benny (Benny Jordan), Nathan (Nathan Tyson) und auch Alex (Alex Frost) und Eric (Eric Deulen) in ständig wechselnden Einstellungen und Episoden vor. Die Kamera beobachtet einen Tag wie jeder Andere, man trifft sich im Klassenzimmer, auf dem Flur, kleine Nöte werden beschrieben, jedoch nicht erklärt.




Die späteren Täter werden ebenso normal und unbefangen mit menschlicher Würde vorgestellt, sie werden nicht als die bösen, schuldigen Monster dargestellt.
Es wirkt spontan, so als hätte es kein feststehendes Drehbuch gegeben, lediglich einen roten Faden.
Es wird auch keine Erklärung für die Katastrophe gegeben, lediglich viele Kleinteile eines niemals kompletten Puzzles angerissen. So gibts Aufnahmen vom blauen Himmel, der Wetterlage - symbolhaft vielleicht für ein Schicksal, das der Mensch nicht steuern kann. Alex hört in einer kurzen Sequenz so was wie "Stimmen", als er die Cafeteria betritt. Eine Szene sehen wir, wie er ganz hinten im Klassenzimmer als Aussenseiter von den Kids vorne mit allen möglichen Utensilien beworfen wird, so als eine Art Abfalleimer. Die Freundschaft von Alex und Eric wird angerissen, Alex spielt "Für Elise" auf dem Klavier, während Eric grad per Videospiel haufenweise Leute abballert.
Am Tag des Massakers läuft eine Doku über Hitler in der Glotze.
Eine Art "Zärtlichkeit" zwischen beiden wird sichtbar, bevor sie zur Tat schreiten.
Die völlig normal laufende, tagtäglich erlebte Routine oder Idylle in der Schule wird dann von den beiden völlig zerstört. Erweiterter Suizid "heute werden wir sterben und wir nehmen noch ein paar andere mit" - Sportskanonen, die Streberin, die oberflächlichen Darlings....
Ich habe den Film gestern geschaut und ich muss sagen, dass mich der subtile und sensible Stil des Films tief beeindruckt hat, er ist niemals effekthaschend, nie belehrend, nie moralisch, nie voyeuristisch. Das Grauen, für das es keine allgemeingültige Erklärung gibt und das mit so einer erschreckend unerwarteten Wucht den Alltag auflöst, hat mich stumm gemacht.
Gus von Sant ist mit seiner Laien-Besetzung ein besonders wertvoller Film geglückt. Er regt zum Nachdenken auch über sehr viele andere Themen an, denn die Erklärungen dafür sind viel zu vielschichtig, als die Medien solche Katastrophen oberflächlich erklären.
Viel geredet wird allerdings nicht. Die knappen Sätze schnappt man nebenbei auf, skizzenhaft bleiben auch die Charaktere.
Allerdings sind die Kamerabilder von Harris Savides (Zodiac, American Gangster) virtuos gestaltet und der Film bezieht dadurch eine fast hynotische Wirkung. Trotz des Massakers, dass an diesem Tag geschieht, strahlt auch eine gewisse Schönheit und Poesie durch. 







Bewertung: 10 von 10 Punkten..