Sonntag, 19. Mai 2024

Lone Star


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: John Sayles

Das Skelett in der Wüste...

John Sayles 1996 gedrehter Film "Lone Star" ist ein Neo-Western über einen Mann, der im Schatten seines verstorbenen Vaters steht. Der Film spielte 13 Millionen Dollar ein und ist eine kluge und gewitzte Studie über das Leben einiger Bewohner des Städtchens Frontera zwischen Texas und Mexiko - dort werden Grenzen überschritten, längst vergangenen Ereignisse wieder aufgerollt und am Ende neue unkonventionelle Wege gefunden. Der Film lässt sich Zeit mit der Beschreibung dieser Bewohner und wird mit einer breiten Palette an verschiedenen Musikstilen untermalt. Trotz seines Erfolgs mit "Passion Fish" gilt "Lone Star" als das Meisterwerk von John Sayles, vor allem fängt er den Zeitgeist der 90er Jahre sehr gut ein.
Zwei dienstfreie Sergeants der Basis entdecken ein menschliches Skelett auf einem alten Schießstand der US-Armee zusammen mit einem Freimaurerring, einem Sheriff-Abzeichen aus Rio County und später einer verbrauchten .45-Pistolenkugel. Sam Deeds (Chris Cooper), Sheriff von Frontera, Texas, leitet eine Untersuchung ein. Ein Texas Ranger stimmt Sam zu, dass die Forensik die Identität des Skeletts als Charlie Wade (Kris Kristofferson) bestätigt, den berüchtigt korrupten und grausamen Sheriff, der Vorgänger des legendären Sheriffs Buddy Deeds (Matthew McConaughy), dem Vater von Sam. Wade verschwand 1957 auf mysteriöse Weise, zusammen mit 10.000 US-Dollar an Kreisgeldern. Der große Ruf und die Wahl von Buddy Deeds zum Sheriff resultierten aus der weit verbreiteten Annahme, dass er den aggressiven und unbeliebten Charlie Wade wegen seiner Korruption zur Rede gestellt und ihn aus der Stadt vertrieben hatte. Frontera ist eine Grenzstadt mit Rassenkonflikten zwischen der Tejano-, Afroamerikaner-, Indianer- und Anglo-Bevölkerung, wobei die Anglo-Bevölkerung nicht mehr die Mehrheit darstellt. Sam hat dieses Amt inne, weil er der Sohn des verstorbenen legendären Sheriff Buddy Deeds ist. Sam ist jedoch kein "Teamplayer“ und Bürgermeister Hollis Pogue (Clifton James) und andere erwägen, ihn zu ersetzen. Als Teenager (Tay Strathairn) hasste und rebellierte Sam gegen seinen tyrannischen Vater und verließ die Stadt, sobald er alt genug war. Seit seiner Rückkehr in die Stadt vor zwei Jahren ärgert sich Sam über den ständigen Vergleich mit dem überhöhten Ruf der beliebten Buddy Deeds. Die Stadt vergrößert und benennt das örtliche Gerichtsgebäude zu Buddys Ehren um und schlägt den Bau eines unnötigen neuen Gefängnisses vor. Sam ist skeptisch gegenüber der Verwendung des Namens Buddy Deed durch lokale Wirtschaftsführer wie Mercedes Cruz (Miriam Colon) und Buddys ehemaliger Stellvertreter, Bürgermeister Hollis Pogue, um mit Steuergeldern Projekte zu fördern, die auf persönlichen Gewinn abzielen. Als Teenager war Sam in Pilar (Elizabeth Pena, als junge Pilar ist Vanessa Martinez zu sehen), die Tejano-Tochter von Mercedes, verliebt gewesen, aber die leidenschaftliche Beziehung stieß sowohl bei Buddy als auch bei Mercedes auf heftigen Widerstand und die Eltern unternahmen Schritte, um sie zu trennen. Nach einer zufälligen Begegnung in der Gegenwart beginnen der geschiedene Sam und die verwitwete Pilar, jetzt Lehrerin vor Ort, ihre anhaltende Leidenschaft wieder zu entfachen, wiederum mit entschiedenem Widerstand von Mercedes, von dem Pilar fälschlicherweise glaubt, dass sie Einwände gegen Sam hat, weil er nicht spanischer Abstammung ist.
Oberst Delmore Payne (Joe Morton) ist als Kommandeur des örtlichen US-Armeestützpunkts in die Stadt zurückgekehrt. Delmore, der Sohn von Otis „Big O“ Payne (Ron Canada, den jungen Otis verkörpert Gabriel Casseus), einem örtlichen Nachtclubbesitzer und Anführer der Black Community, ist seit seiner Kindheit von seinem Vater entfremdet, als der untreue Vater Delmore und seine Mutter verließ. Als es zu einem Streit zwischen einem Soldaten des Stützpunkts und einer Schießerei in Otis' Club kommt ist auch Delmores Sohn vor Ort. Sam hat immer an der "offiziellen Geschichte“ von Wades Verschwinden gezweifelt. Obwohl er von Bürgermeister Hollis Pogue und prominenten Persönlichkeiten vor Ort davor gewarnt wurde, sich in die Ereignisse vor 30 Jahren einzumischen, untersucht Sam beharrlich die Ereignisse, die zu Wades Ermordung geführt haben. Wade terrorisierte die örtlichen schwarzen und mexikanischen Gemeinschaften, erpresste Geld von Geschäftsinhabern und beging Morde, indem er seine Opfer einfach ohne Skrupel erschoss, weil sie "sich der Verhaftung widersetzten“, wie er sagte. Sam glaubt, dass sein Vater der Mörder des damaligen Sheriffs war...







"Lone Star" untersucht die Geheimnisse der Vergangenheit und kommt auf den ersten Blick wie eine Kreuzung aus Detektivgeschichte und Neo Western daher, aber tatsächlich vermittelt er auch einen kaleidoskopischen Überblick über die gesellschaftlichen Veränderungen in den USA. Sayles setzt Rückblenden ein und integriert das Element Zeit in das Geflecht von Rassenzugehörigkeit, Geld, Sex, Freundschaft und Familie...die Grenzlandsituation ist dazu wie geschaffen. Für sein Drehbuch wurde John Sayles für den Oscar und für den Golden Globe nominiert.









Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

last Exit Reno


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Paul Thomas Anderson 

Sydneys Spiel...

Das 1996 von Paul Thomas Anderson inszenierte Gamblerportrait "Last Exit Reno" gehört mit Filmverwandten wie "California Split" (Robert Altman), Leaving Las Vegas" (Mike Figgis), "Haie der Großstadt" (Robert Rossen), "Der Clou" (George Roy Hill), "Haus der Spiele" (David Mamet), "Atlantic City USA" (Louis malle), Cincinati Kid und der Pokerkönig" (Norman Jewison), "Bugsy" (Barry Levinson), "Casino" und "Die Farbe des Geldes" (Martin Scorsese) oder "Oceans Eleven" (Steven Soderbergh) zu den herausrangenden Arbeiten dieses faszinierenden Genres. "Last Exit Reno" heißt im Original "Hard Eight" und hat auch einige Neo Noir Elemente zu bieten. Vor allem ist Anderson in seinem Debüt ein faszinierendes Porträit von Menschen geglückt, die sich gerne in den Spielermetropolen aufhalten und dort etwas vom Kuchen abbekommen wollen.  Sydney Brown (Philip Baker Hall), ein gut gekleideter älterer Spieler, findet John Finnegan (Thoams C. Reiley), einen Obdachlosen, der verlassen vor einem Restaurant in Sparks, Nevada, sitzt.  Sydney bietet ihm eine Zigarette an und kauft ihm eine Tasse Kaffee. John erzählt Sydney, dass er das Geld in Las Vegas verloren hat und 6.000 Dollar für die Beerdigung seiner Mutter braucht. Sie reisen nach Vegas, wo Sydney John hilft, das Geld zu gewinnen. Zwei Jahre später ist John inzwischen Sydneys Schützling geworden. Sydney ist ruhig und zurückhaltend und zeigt eine väterliche Fürsorge für John, der unkultiviert ist. John hat einen neuen Freund namens Jimmy (Samuel L. Jackson), der Sicherheitsarbeiten im Casino erledigt. John fühlt sich zu Clementine (Gwyneth Paltrow), einer Cocktailkellnerin in Reno, hingezogen. Sydney trifft Clementine und erfährt, dass sie auch nebenbei als Prostituierte arbeitet. Obwohl Clementine glaubt, dass Sydney ihre Dienste in Anspruch nehmen möchte, möchte er eine Verbindung zwischen ihr und John aufbauen. Sydney bittet John, Clementine die Stadt zu zeigen. Doch dieser Tag hat es in sich. Sydney erhält spät am Abend einen verzweifelten Anruf von John. Er und Clementine halten in einem nahegelegenen Motel einen bewusstlosen Touristen als Geisel, weil dieser Kunde Clementine nicht für den Sex bezahlt hat. Sydney erfährt, dass John und Clementine die Frau dieses Mannes bereits angerufen und gedroht haben, den treulosen Gatten zu töten, wenn sie das Geld nicht bekommen. Nachdem Sydney Jimmys Waffe gefunden hat, überredet er John und Clementine, aus dem Motel zu fliehen, und rät ihnen, die Stadt für ihre Flitterwochen zu verlassen, da die zwei am Nachmittag nach dem Einkaufsbummel auch noch spontan geheiratet haben. Beim Verlassen entfernt Sydney die Beweise aus dem Motelzimmer. Doch es gibt weitere Probleme...









Schon in seinem Erstling beweist Paul Thomas Anderson sein Geschick eine Akteure zu ganz starke Leistungen anzuspornen. "Hard Eight" ist ein perfekter Stimmungsfilm durch und durch, dessen Charaktere nicht mal Sympathieträger sind. Für die Kamera verantwortlich war Robert Elswitt, der ein paar Jahre später für Andersons Film "There will be blood" den Oscar gewann. In einer markanten Nebenrolle ist Philip Seymour Hoffman zu sehen, der nachfolgend in fast allen Anderson Filmen als Darsteller dabei war. Sehr geglückt ist auch die kühle, etwas düstere und distanzierte Atmosphäre, die die Geschichte umhüllt.







Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.

Big Wednesday


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: John Milius

Die perfekte Welle...

In der Coming of Age Sportkomödie "Big Wednesday" aus dem Jahr 1978 von John Milius spielen die damaligen Jungstars Jan-Michael Vincent (wurde zum Teeniestar durch "Big Boy...der aus dem Dschungel kam), William Katt (der Junge, mit dem "Carrie" White zum Abschlußball ging) und Gary Busey (Oscarnominierung für "Buddy Holly Story") kalifornische Surfer, die sich vor dem Hintergrund ihrer Liebe zum Surfen, dem Leben und auch dem Vietnamkrieg stellen müssen. Milius war selbst begeisterter Surfer und für ihn war dieses Filmprojekt eine Herzensangelegenheit, er wollte eine Hommage an die Zeit schaffen, die er in seiner Jugend in Malibu verbrachte. Peter Yates Sportkomödie "Vier irre Typen" hatte zur selben Zeit einen riesigen Kinoerfolg und Milius Regiekollege Steven Spielberg war sich sicher, dass "Big Wednesday" ebenso an der Kasse glänzen würde, denn er meinte es sei eine gelungene Mischunga aus "American Graffiti" und "Jaws" - zwei der erfolgreichsten Filme der 70er Jahre. Doch leider floppte der Film, denn er spielte bei einem Budget von 11 Millionen Dollar lediglich 4,5 Millionen Dollar wieder ein und auch die Kritiken waren zwiespältig.
Aus heutiger Sicht hat Milius Film aber eine neue Bewertung mehr als verdient. Der Film mit dem hevorragenden Soundtrack von Basil Poledouris, der auch den bombastischen Score für "Conan, der Barbar" (Milius bester und bekanntester Film), ist eine wehmütige Zeitreise für die drei Surferboys, die im Laufe der Geschichte erwachsen werden - es ist auch für den Zuschauer eine Reise zurück in die eigene Jugend, zu den dortigen Gefühlen, Wünschen und Hoffnungen. Milius selbst sprach von einem surfenden "How green was my valley", also dem Verlust und dem Ende einer Ära, der Übergang einer unschuldigeren Zeit zu einer korrupteren und komplexeren Zeit. Alles Erwachsenwerden ist irgendwie auch der Tod der Unschuld.
Der Film erzählt die Geschichte von drei jungen Freunden, deren Leidenschaft das Surfen ist, zur damaligen Zeit ist das ein ganz neues Sportvergnügen - auch mit einer gewissen Gefahr verbunden. Diese drei Jungs sind Matt Johnson (Jan Michael Vincent), der talentierteste Surfer der drei Freunde und ein selbstzerstörerischer Typ mit einer unbekümmerten Einstellung; Jack Barlow (William Katt), der ruhige und verantwortungsbewusste von allen; und Leroy „The Masochist“ Smith (Gary Busey), dessen Spitzname viel über seine Persönlichkeit verrät. Ihr Leben als Surfer reicht vom Sommer 1962 bis zu ihren Versuchen, der Wehrpflicht für den Vietnamkrieg im Jahr 1965 zu entgehen (einschließlich der Vortäuschung von Wahnsinn, Homosexualität und anderen möglichen medizinischen Beschwerden), und bis zum Ende ihrer Unschuld im Jahr 1968, als einer ihrer Freunde wird in Vietnam getötet. Jack überlebt Vietnam und kehrt zurück. Die drei bewältigen den schwierigen Übergang ins Erwachsenenalter mit Partys, Surfausflügen, Heirat (Lee Purcell spielt die schwangere Freundin von Matt) und dem Krieg. Nach Jacks Heimkehr treffen sich die drei noch einmal  zum „Großen Wellengang von 74“ wieder.









Mit diesem Wiedersehen wird der Übergang in ihrem Leben zum Endpunkt dessen, was die 1960er Jahre für so viele bedeuteten, denn sie erkennen, dass sich die Zeiten geändert haben und die Zeit der Unschuld für immer vorbei ist. Ein Film über den Wert der Freundschaft, um die Liebe zu einem Ort, die Liebe zu einer Zeit, die Liebe zu den Menschen, mit denen man die Zeit verbrachte - und den Verlust dieser Dinge. Am Ende steht die sehr schöne Szene, in der Matt vor gesamtem surferbegeistertem Publikum noch einmal sein Können zeigt. Er verliert in der perfekten Welle sein Surfbrett, dass ihm "Bear" (Sam Melville) gemacht hat. Ein junger Surfer bringt es ihm wieder und Matt schenkt es dem Finder. Ein viel zu wenig beachteter  Film, der reich an Schönheit ist. 








Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.