Donnerstag, 17. Juli 2025

Thelma


Regie: Joachim Trier

Gefährliche Gabe...

Joachim Triers Mystery Thriller "Thelma" entstand 2017 und gilt als einer der besten LGBT Movies der letzten Jahre. Auf unerwartete Weise jongliert der norwegische Filmemacher mit verschiedenen Genres und liefert einen nachdenklich-verdrehten übernatürlichen Thriller mit anhaltender Wirkung. "Thelma" ist auch eine Liebesgeschichte, ein Psychogramm und eine Befreiungsgeschichte. Dabei sind Frauen zugleich Opfer und Akteure eines Wandels. Einige der Sequenzen rufen auch ein lebhaftes, ursprüngliches Gefühl des Schreckens hervor. Er macht die tiefe Traurigkeit, die Einsamkeit und auch die Verzweiflung der Hauptfigur extrem anschaulich. Das ist natürlich auch ein Verdienst Eili Harboe, die die Thelam spielt. Thelma ist eine einsame und verklemmte junge Frau aus einer strenggläubigen christlichen Familie, die unter dem Schutz ihres Vaters Trond (Henrik Rafaelson) und ihrer behinderten Mutter Unni  (Ellen Dorrit Peterson) ein behütetes Leben geführt hat. Es fällt ihr schwer, Freunde zu finden, und kurz nach ihrem Umzug nach Oslo zum Studium erleidet sie unerklärliche psychogene, nicht-epileptische Anfälle. Als sie ihre Studentin Anja (Kaya Wilkins) kennenlernt, entdeckt sie, dass ihre Gefühle für Anja unkontrollierbare psychokinetische Kräfte auslösen. Thelma leidet unter starken Schuldgefühlen wegen ihrer Gefühle für Anja und wünscht sich, sie wäre nicht in sie verliebt. Vor allem wegen ihrem christlichen Glauben, der bei Ihren Eltern noch stärker ausgeprägt ist als bei ihr selbst.  Während sie sich einer Gehirntomographie unterzieht, um die Ursache ihrer Anfälle herauszufinden, beginnt sie an Anja zu denken. Als sie sich auf sie konzentriert, werden Thelmas Kräfte freigesetzt, und sie lässt Anja unbewusst und ungewollt im Nichts verschwinden. Verstört und verwirrt über Anjas plötzliches Verschwinden kehrt Thelma nach Hause zurück und erinnert sich bald daran, dass sie als kleines Mädchen einen kleinen Bruder hatte. Einmal fühlte sie sich vernachlässigt und eifersüchtig auf die Aufmerksamkeit, die ihrem jüngeren Geschwister zuteilwurde, und wünschte, er möge ruhig sein und verschwinden. Daher teleportierte sie ihn unwillkürlich aus seinem Bettchen und ließ ihn unter dem Sofa wieder erscheinen. In einem letzten tragischen Vorfall ließ sie ihn aus seiner Badewanne verschwinden, und ihr Vater fand ihn gefangen unter dem Eis eines zugefrorenen Sees. Traumatisiert versuchte Thelmas Mutter, sich durch einen Sprung von einer Brücke das Leben zu nehmen, doch der gescheiterte Versuch hinterließ sie als Querschnittslähmung. Thelma hatte diese Ereignisse vergessen. Als ihre Eltern ihre tiefe Verzweiflung erkennen, erzählen sie ihr die Wahrheit: Sie sei irgendwie in der Lage, alles zu manifestieren, was sie sich sehnlichst wünsche, und habe dieselbe unerklärliche Fähigkeit von ihrer Großmutter geerbt... 





Thelma wurde bei der 90. Oscarverleihung als norwegischer Beitrag für den Oscar als bester fremdsprachiger Film ausgewählt, erhielt jedoch keine Nominierung. Die Geschichte des Films ist ruhig erzählt und es gibt keinerlei Actionszenen. Allerdings gibt es immer wieder mysteriöse Szenen, in denen unerklärliche Dinge passieren. In Rückblenden in die Kindheit wird Thelma von Grethe Eltervåg gespielt. Viele Kritiker sahen in "Thelma" eine Mischung aus "Carrie" und "Blau ist eine warme Farbe". 





Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Mars Express


Regie: Jeremie Perin

Mensch und Maschine... 

Einflüsse und Inspiration in "Mars Express" dem ersten Spielfilm von Jérémie Périn, einem französischen Animator, der für die Animationsserie "Lastman“ aus dem Jahr 2016 bekannt wurde, sind die hartgesottenen Film-Noir-Detektive in Filmen wie "Chinatown“, "The Long Goodbye“, "Kiss Me Deadly“ und "Point Blank“.  Da die Protagonisten dieser Filme allesamt Männer waren, wollte er die Unterschiede sehen, wenn eine Frau die Hauptrolle übernimmt. Beeinflusst haben ihn aber auch Filme,  in denen der Protagonist erkennt, dass er in eine Verschwörung verwickelt ist, die zu groß für ihn ist, wie zum Beispiel "Die drei Tage des Condor“, "Die Unbestechlichen“, „Zeuge einer Verschwörung“, "Blow Out“ und "Der Dialog“. Die Idee für die organischen Maschinen und Waffen im Film kam Périn, als er hörte, dass Google an einer Technologie für Hautzellen arbeitete. Dies führte zu einer weiteren Idee, dass sich die Technologie letztlich wieder zu organischen Lebewesen zurückentwickeln würde, die "uns nahe stehen, gleichzeitig aber Monster sind“. Er verband den Ersatz der Roboter durch organische Lebewesen auch mit geplanter Obsoleszenz, die er auf die Schippe nehmen wollte.
Die Geschichte spielt im 23. Jahrhundert auf dem Mars und handelt von den Privatdetektiven Aline Ruby und ihrem Androiden Carlos Rivera, die einen Vermisstenfall aufklären sollen, bei dem zwei Studenten einer Eliteuniversität als vermisst gemeldet werden. Der Film wurde am 5. Mai 2023 in Cannes erstmals gezeigt, bevor er am 22. November in Frankreich erstmals öffentlich gezeigt wurde.  Im Jahr 2200 werden die Privatdetektivin Aline Ruby und Carlos Rivera, eine Androiden-Kopie ihres fünf Jahre zuvor verstorbenen Partners, zur Erde geschickt, um Roberta Williams, eine kriminelle Roboter-Hacking-Kriminelle, zu fassen. Zurück auf dem Mars ist Robertas Haftbefehl verschwunden, und sie wird freigelassen. Dem Duo wird eine neue Ermittlung anvertraut: Sie sollen Jun Chow aufspüren, eine Kybernetikstudentin, die dafür bekannt ist, Androiden illegal zu jailbreaken. Sie ist wie ihre Mitbewohnerin verschwunden. Aline und Carlos wagen sich in die Tiefen von Noctis, der wichtigsten terrestrischen Siedlung des Mars, die dank der Fortschritte der Robotik entstanden ist und wo Menschen und verschiedene Formen von Androiden in Harmonie zu koexistieren scheinen. Die Stadt birgt Geheimnisse wie Menschenhandel und geheime Computerlabore. Unterdessen versuchen Aktivisten, die Roboter von den Sicherheitsbeschränkungen zu befreien, die sie an Menschen binden. Schließlich gelingt es den Robotern, sich zu befreien und zu revoltieren, allerdings friedlich, indem sie ihr Bewusstsein auf Computer an Bord von Raumschiffen hochladen und so ins All fliehen. Carlos, tieftraurig über den Verlust seines Partners und der Erkenntnis, dass er ein totes Bewusstsein in einer Maschine ist, die versucht hat, an einem Leben festzuhalten, das ohne ihn weitergegangen ist, beschließt, mit den Robotern zu gehen...






Neben der Haupthandlung wird auch viel persönliches über die beiden Ermittler verraten. Aline hat mit Alkohol zu kämpfen. Die Frau von Carlos hat sich aufgrund von häuslicher Gewalt von ihm getrennt und möchte nicht, dass er das gemeinsame Kind besucht. Carlos hat menschliche Erinnerungen.
Ganz nebenbei Androiden, manche getarnt mit menschenähnlicher Haut und andere in metallischen Formen, streben nach Freiheit von menschlicher Kontrolle, ein Thema, das sich durch die reiche Erzählstruktur des Films zieht.Die Handlung eskaliert mit der Einführung eines neuen Codes, der Androiden befreien könnte, indem er sie überzeugt, den Mars zu verlassen, obwohl er sich als eine weitere Form der Kontrolle herausstellt.Der Film vermischt schnelle Action und philosophische Tiefe und gipfelt in einer dramatischen Konfrontation unter einem fehlerhaften Kuppelhimmel, der die zusammenbrechenden Grenzen zwischen Mensch und Maschine symbolisiert. Gegen Ende wird es etwas kompliziert, bleibt aber bis zum Schluss interessant. Dafür gab es eine Cesar Nominierung in der "Aninationsfilm" Kategorie und auf dem Fantasy Filmfest 2023 wurde dem optisch klasse Gestalteten Film der Fresh Blood Award vrliehen. 
 







Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.
 

Border


 Regie: Ali Abbasi

Trolle...

Für das aussergewöhnlich gute Makeup im Film "Border" wurden die Schweden Göran Lundström und Pamela Goldammer bei der Oscarverleihung 2019 mit einer Nominierung in der Kategorie "Make up and Hairstyling" belohnt. Im Original hieß der originelle Fantasy Film "Gräns" - Ali Abbasi schrieb das Drehbuch und führte auch Regie. Bei der Vergabe des europäischen Filmpreises gab es vier reguläre Nominierungen (Bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch und beste Hauptdarstellerin Eva Melander), doch in allen  vier Kategorien gewann der polnische Film "Breitengrad der Liebe". Immerhin gab es für die visuellen Effekte von Peter Hjorth einen Jurypreis. Es ist sehr schade, dass sich solch ein spezieller Film nicht gegen seinen kühlen und melancholischen Konkurrenten, denn "Border" überrascht immer wieder mit neuen einfallsreichen und nicht vorhersehbaren Wendungen. Tina (Eva Melander) arbeitet beim schwedischen Zoll und nutzt ihren ausgeprägten Geruchssinn, um Schmuggelware sowie menschliche Emotionen wie Schuld und Scham aufzuspüren. Sie hat ein stark neandertalisches Aussehen und lebt mit Roland (Jörgen Thorsson), einem Hundetrainer, in einem abgelegenen Haus im Wald. Eines Tages wittert Tina an der Grenze eine Speicherkarte mit Kinderpornografie, und ihr Vorgesetzter (ann Petren) bittet sie um Mithilfe bei den anschließenden Ermittlungen. Am nächsten Tag erscheint ein fremder Mann (Eero Milonoff) mit ähnlichen Gesichtszügen wie Tinas am Zoll. In seiner Tasche finden sich Maden und ein Gerät, das der Mann als Madenbrutkasten bezeichnet. Tina lässt ihn passieren, doch er kehrt bald zurück und meldet sich freiwillig zur Leibesvisitation. Tina ist verblüfft, als sie erfährt, dass der Mann weibliche Genitalien und eine große Narbe am Steißbein hat. Der Mann stellt sich als Vore vor und erklärt, in einem nahegelegenen Hostel zu übernachten. Tina geht in ein Pflegeheim, um ihren Vater (Sten Ljunggren) zu besuchen, der ihr nicht ähnlich sieht. Auf die Frage nach der Herkunft ihrer Narbe erzählt Tinas Vater ihr, sie sei als kleines Kind auf etwas gefallen. Sie besucht daraufhin das Hostel, wo sie Vore beim Essen von Maden von einem Baum vorfindet. Er gibt ihr eine, die sie auch isst. Tina bietet ihm ein Zimmer in ihrem Gästehaus an, und er nimmt an. Tina nimmt ihn mit nach Hause. Er versucht, sie zu küssen. Rolands Verdacht wird geweckt. Tina begleitet die Polizei bei der Durchsuchung der Wohnung der mutmaßlichen Pädophilen und entdeckt eine Kamera mit Aufnahmen eines sexuell missbrauchten Säuglings. Die Polizei verhaftet die Bewohner, kann aber den Täter nicht identifizieren. Während eines Gewitters betritt Vore Tinas Haus, und die beiden drängen sich unter einem Tisch zusammen, verängstigt vom Blitz. Schließlich küssen sie sich. Tina gesteht später, dass sie eine Chromosomendeformation hat, die ihr Sex erschwert und es unmöglich macht, Kinder zu bekommen. Vore erklärt ihr, dass es keine Missbildung sei und sie ignorieren solle, was die Menschen über sie sagen. Tina staunt, als ein erigierter Penis aus ihrer Leiste hervortritt. Die beiden lieben sich, woraufhin Vore Tina erklärt, dass sie genau wie er ein Troll sei und hoffe, Kontakt zu einer Gruppe von Trollen aufzunehmen, die in Finnland ein verborgenes Leben führen. Tina ist begeistert von ihrer neuen Identität und beginnt, mehr wie ein Troll zu leben. Schließlich fasst sie den Mut, Roland hinauszuwerfen. Sie bemerkt, dass Vore seinen Kühlschrank zugeklebt hat. Als sie ihn öffnet, findet sie ein seltsames Baby in einem Pappkarton. Vore erklärt Tina, dass das Baby ein Hiisi sei, ein unbefruchteter Trollembryo, der bald sterben werde. Vore plant, den Hiisi als Wechselbalg zu benutzen und wartet darauf, heimlich ein echtes menschliches Baby durch den sterbenden Trollembryo zu ersetzen....








Das schwedische Fantasydrama mischt gekonnt sozialen Realismus und übernatürlichen Horror und hat das Zeug zu einem Kultklassiker. Die Hauptfigur hat ein besonderes Verhältnis zu Wildtieren. Die Geschichte ist spannend, unvorhersehbar und brillant. Eva Melander erhielt für ihre Darstellung den schwedischen Filmpreis Guldbagge. 







Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

The Brutalist




Regie: Brady Corbet

Roher Beton..

Unverputzer Beton, sichtbare Konstruktionen und freiliegende Grundrisse sind die typischen Merkmale, die man mit dem Brutalismus verbindet. Der Begriff kommt aus dem Französischen "beton brut" und bedeutet "roher Beton", das charakteristische Material dieser Bauweise. Sichtbeton prägt die Konstruktionen dieser architektonischen Stilrichtung, die ab den 50er Jahren ihre Blütezeit hatte. Brady Corbet war zunächst Schauspieler und spielte in bekannten Filmen wie "Mysterious Skin" und "Funny Games USA" mit, 2015 war er erstmalig Regisseur. Sein Debüt hieß "The Childhood of a Leader", danach "Vox Lux" und im Jahr 2024 "The Brutalist", sein bislang größter Erfolg mit ca. 50 Millionen Dollar Umsatz und 3 Golden Globes (zweimal Corbet für Regie und Drehbuch sowie Hauptdarsteller Adrien Brody). Bei der Oscarverleihung wurde das Werk zum Thema "Architektur" in 10 Kategorien nominiert, darunter Corbet für Regie und Drehbuch, ebenfalls  für die beste Kamera (Lol Crawley), die beste Filmmusik (Daniel Blumberg), für die Darsteller Adrien Brody, der den Oscar auch gewann, für die Nebendarsteller Guy Pearce und Felicy Jones, für den besten Schnitt und das beste Szenenbild. In der Kategorie "Bester Film" hatte "The Brutalist" das Nachsehen. Preise gab es neben Brody jedoch für die beste Kameraarbeit und für die Filmmusik.  Adrien Brody spielt einen jüdisch-ungarischen Architekten und Holocaust-Überlebenden, der in die USA auswandert und dort um die Verwirklichung seines amerikanischen Traums kämpft.  Der Film ist einer der ersten der jüngeren Geschichte, der das VistaVision-Format, in dem er gedreht wurde, wiederbelebt und populärer macht. Der Brutalist, eine Koproduktion der USA, des Vereinigten Königreichs und Ungarns, feierte am 1. September 2024 bei den 81. Internationalen Filmfestspielen von Venedig Premiere, wo Corbet mit dem Silbernen Löwen für die beste Regie ausgezeichnet wurde. Der ungarisch-jüdische Holocaust-Überlebende und Bauhaus-Architekt László Tóth (Brody) wandert nach der gewaltsamen Trennung von seiner Frau Erzsébet (Felicitiy Jones) und seiner verwaisten Nichte Zsófia (Raffey Cassidy) in die USA aus. Als sein Schiff in den New Yorker Hafen einläuft, sieht er die Freiheitsstatue. Zunächst reist László nach Philadelphia und wohnt bei seinem Cousin Attila (Alessandro Nivola). Er erfährt, dass Attila sich assimiliert hat, seinen Namen anglisiert und zum Katholizismus konvertiert ist. Attila erzählt dem erleichterten László, dass Erzsébet und Zsófia noch leben, aber in Europa festsitzen. Er bietet László Arbeit in seinem Möbelgeschäft an, und bald werden die beiden von Harry Lee Van Buren (Joe Alwyn) angesprochen, der seinen Vater, den wohlhabenden Industriellen Harrison Lee Van Buren (Guy Pearce), mit einer renovierten Bibliothek in seiner Villa in der Nähe von Doylestown, Pennsylvania, überraschen möchte. Nach einer durchzechten Nacht drückt Attilas Frau Audrey (Emma Laird) ihre Verachtung für László aus und schlägt ihm vor, woanders zu leben. Zurück in der Villa ist Harrison wütend über die überraschende Renovierung und entlässt die Männer; Harry weigert sich, sie zu bezahlen. Attila gibt László die Schuld an dem gescheiterten Projekt, beschuldigt ihn fälschlicherweise, Audrey angemacht zu haben, und verlangt, dass er ihr gemeinsames Haus verlässt. Drei Jahre später arbeitet László, inzwischen heroinabhängig, als Arbeiter beim Kohleverladen und lebt mit seinem Freund Gordon (Isaak de Bankole), einem alleinerziehenden afroamerikanischen Vater, in einer Sozialwohnung. Harrison taucht auf und erzählt ihm, dass die Architektenwelt seine moderne Bibliotheksrenovierung gelobt hat und er Lászlós Vergangenheit als erfolgreicher Architekt in Europa entdeckt hat. Er zahlt die Schulden und lädt László zu einer Party ein, wo er ein großes Projekt zu Ehren seiner verstorbenen Mutter in Auftrag gibt: das Van Buren Institute, ein Gemeindezentrum mit Bibliothek, Theater, Turnhalle und Kapelle. Die Arbeiten beginnen sofort. László wohnt vor Ort und beschäftigt Gordon. Harrison stellt László seinem persönlichen Anwalt vor, der die Einwanderung von Lászlós Frau und Nichte beschleunigt. Im Jahr 1953 trifft László Erzsébet und Zsófia wieder und erfährt, dass Erzsébet aufgrund ihrer Kriegserfahrungen aufgrund von Osteoporose ständig auf einen Rollstuhl angewiesen ist und Zsófia nicht sprechen kann. Während der Bauarbeiten gerät László mit den von Harrison beauftragten Bauunternehmern und Beratern aneinander, die aus Kostengründen von seinem Entwurf abweichen. Um die Mehrkosten auszugleichen, erklärt er sich bereit, unbezahlt zu arbeiten. Harry verspottet László als bloß "geduldet“ und macht anzügliche Bemerkungen über Zsófia. Nach der Entgleisung eines mit Materialien beladenen Zuges und den daraus resultierenden Rechtskosten gibt ein wütender Harrison das Projekt auf und entlässt die Arbeiter. 1958 sind László und Erzsébet nach New York gezogen, wo er als Zeichner in einem Architekturbüro arbeitet und sie für eine Zeitung schreibt. Zsófia, die ihre Sprache wiedererlangt hat, erwartet mit ihrem Mann Binyamin ein Kind. Sie verkünden ihre Alija und ihren Umzug nach Jerusalem, sehr zum Leidwesen von László und Erzsébet. Harrison nimmt das Projekt neu auf und stellt László wieder ein. Bei einem Besuch in Carrara, um Marmor zu kaufen, vergewaltigt Harrison den betrunkenen László und beschimpft ihn als gesellschaftlichen Blutegel, dessen Leute ihre eigene Verfolgung provozieren. Der traumatisierte László gerät ins Wanken, wird aggressiver und entlässt Gordon während eines Streits auf der Baustelle impulsiv. Er erinnert sich an die zuvor erlittene Verachtung und beklagt Erzsébet, dass sie in Amerika nicht willkommen seien. Nachdem László Erzsébet beinahe getötet hat, indem er ihr Heroin zur Linderung ihrer Schmerzen gibt, schlägt sie vor, mit ihr nach Jerusalem zu ziehen und bei Zsófia zu leben, was er akzeptiert. Kurz darauf stellt Erzsébet Harrison in seinem Haus zur Rede und beschimpft ihn vor seiner Familie und seinen Kollegen als Vergewaltiger. Ein wütender Harry stößt sie gewaltsam hinaus, bevor seine Schwester Maggie (Stacy Martin) eingreift und ihr beim Gehen hilft. Da er seinen Vater nicht finden kann, organisiert Harry einen Suchtrupp und versucht, ihn im Institut zu finden. Harrisons Schicksal bleibt letztlich ungeklärt. Die letzte Sequenz: Auf der ersten Architekturbiennale in Venedig fand eine Retrospektive von Lászlós Werk statt. Die Ausstellung präsentiert verschiedene Projekte, die in den darauffolgenden Jahren weltweit realisiert wurden, darunter auch das 1973 fertiggestellte Van Buren Institute. Zsófia, begleitet von ihrer jungen erwachsenen Tochter und dem alternden László im Rollstuhl, hält eine aufschlussreiche Rede, in der sie behauptet, László habe die Räume des Gebäudes so gestaltet, dass sie sowohl den Konzentrationslagern Buchenwald als auch Dachau ähneln. Das Gebäude, so deutet sie an, diene der Traumaverarbeitung. Zsófia beendet ihre Rede mit einem Satz, den László ihr ihrer Aussage nach immer gesagt habe, als sie als junge Mutter in Schwierigkeiten steckte: „Egal, was die anderen dir zu verkaufen versuchen, es kommt auf das Ziel an, nicht auf den Weg.“...










Trotz des Themas, dass sicherlich alles andere als Mainstreamtauglich ist, hat Corbet seinen modernen Monumentalfilm (215 Minuten) fesselnd und eletrisierend inszeniert. Ein sehr stilvoller und üppiger Fim, der trotz seine Länge nie Langeweile bietet, weil es Corbet perfekt gelungen ist neben der Architekturgeschichte andere wichtige Themen wie "Kunst gegen Kapitalismu", "Immigration" und "Antisemitismus" in den Film einzubetten. Die Hauptfigur "Laszlo Toth" ist eine frei erfundene Persönlichkeit, doch sie wurde von den Lebensläufen anderer Künstler inspiriert, daher wirkt "The Brutalist" wie ein Biopic zu einer realen Person. Das hervorragende Zeitpanorama verdichtet sich phasenweise zu einem Blick in die menschlichen Abgründe. 









Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.