Mittwoch, 11. März 2026

Nacht in der Prärie
























Regie: Robert Wise

Gun Man...

 "Nacht in der Prärie" von Hollywood-Regisseur Robert Wise entstand 1948 und gehört zu den Western im Noir-Stil,  zu denen auch Klassiker wie "Ritt zum Ox-Bow (William Wellmann, 1943), "Winchester 73" (Anthony Mann, 1950) oder "Colorado Territory" (Raoul Walsh, 1949) gehören. Auch der 1947 entstandene Raoul Walsh Western "Verfolgt" ist sehr von der schwarzen Serie geprägt, nicht nur weil sein Hauptdarsteller Robert Mitchum einer der unsterblichen Helden des Noir wurde. Ein Jahr später verpflichtete ihn die RKO  für "Nacht der Prärie" -  Mitchum war einfach perfekt für diesen Typ Westerner, der ein geheimnisvolle Vergangenheit hat und dessen Schicksal in einem psychologischen Licht erscheint. Doch "Nacht in der Prärie" ist leider in Vergessenheit geraten. In Deutschland war der Western auch als "Gun Man" bekannt und im Original heißt er "Blood on the Moon".
Schon die ersten Bilder sind düster angehaucht, wenn der Reiter (Robert Mitchum) irgendwo aus dem Nirgendwo erscheint und durch den Regen reitet. Er schlägt ein Nachtlager in der Prärie auf und will einfach nur noch schlafen. Doch die Erde fängt an zu beben und in der Ferne sind donnernde Hufe zu hören. Er kann sich in letzter Sekunde auf einem Baum retten, unter ihm eine Rinder-Stampede. Er hat nun sein Hab und Gut verloren und die Cowboys, die dafür verantwortlich waren, entschuldigen sich bei ihm und laden ihn auf eine Tasse heißem Kaffee in ihrem Lager ein. Dort stellt sich der Fremde als Jim Garry vor und lernt den Rancher John Lutton (Tom Tully), dem die Rinderherde gehört. Dieser erzählt von seinem Streit mit dem neuen Verwalter des Indianerreservats Jake Pindalist (Frank Faylen), der ihm nun die Weiderechte auf Indianergebiet untersagt.  Und man hätte auch Revolverhelden angeheuert, um den finsteren Plänen die Rancher zu verteiben Nachdruck zu verleihen. Lutton misstraut Jim und auch dessen Töchter Carol (Phillis Thaxter) und Amy (Barbara Bel Geddes) betrachten den Fremden argwöhnisch. Jim Carry reitet weiter, sein Ziel ist das kleine Nest Sundust, dort lebt sein Freund Tate Riling (Robert Preston). Der verspricht ihm einen lukrativen Job, wenn Jim ihn bei seinen Plänen unterstützt, doch schnell merkt Jim, dass sein Freund gemeinsame Sache mit Pindalist macht. Jims Gewissen meldet sich und bald muss er sich entscheiden, auf welcher Seite er stehen möchte...



Auffallend ist die anhaltende Schlecht-Wetter Atmosphäre und die düstere und schwere Machart, dies alles ist natürlich sehr Noir-nah und wenn man das auf das Seelenleben des Helden überträgt, dann erkennt der Zuschauer in Robert Mitchums Figur Jim Carry natürlich einen Entwurzelten Mann, der auf der Suche ist. Auch die Regie von Wise ist gekonnt und präzise. Wie in "Verfolgt" von Raoul Walsh ist auch hier eine ausgefeilte Licht- und Schatten-Technik mit markanten Kontrasten zu erkennen.  Die tragende Frauenrolle wird von der jungen Barbara BelGeddes gespielt, die erst 30 Jahre später durch die TV-Serie "Dallas" weltberühmt werden sollte.


 
Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Wenig Chancen für morgen


Regie: Robert Wise

Ein todsicherer Coup...

Filmhistorisch wird Robert Wises Noir-Film "Wenig Chancen für morgen" entweder als letzter Film der klassichen Film Noir Ära bezeichnet oder als erster Neo-Noir.  Dabei ist ihm auch ein grimmiger Beitrag zum Rassismus in den USA gelungen, ganz besonders deutlich wird dies in der Schlußszene des Films, wenn zwei verkohlte Leichen identifiziert werden sollen und einer der Polizisten fragt "Welcher von denen war denn nun der Weiße ?" - Robert Wise schuf damit ein Verliererepos, das sicherlich auch einen gewissen Einfluss auf die Nachfolgefilme des Noir hatte - ich denke da auch an Alan Barons "Explosion des Schweigens", der einige Monate später entstand und und die Anonymität und Verlorenheit der Hauptfigur noch etwas stärker in den Focus stellt. Auch die Heist Anteile, wie sie in den 60er Jahren für Jean Pierre Melville berühmt waren, sind hier in "Odds against tomorrow" (so der Originaltitel) nicht wegzudenken.
Ein todsicherer Coup soll gelandet werden - zumindest wenn es nach dem verbitterten Ex-Polizisten David Burke (Ed Begley) geht - der wurde von seinen Kollegen hängengelassen und schiebt immer noch einen Frust auf den gesamten Polizeiapparat, weil die sein Leben ruiniert hätten. Er hat aber einen Plan, wie man 50.000 Dollar machen kann - dazu braucht er aber zwei Komplizen. Von seiner aktiven Zeit kennt er noch den Ex-Knacki Earl Slater (Robert Ryan), der es nun im Alter etwas langsamer angehen lässt, keinen Job hat und bei der Freundin Lorry (Shelley Winters) wohnt. Die hat einen Job als Tänzerin und hält ihren Freund aus. Früher war er ne große Nummer und es gefällt ihm immer noch, wenn Frauen auf ihn fliegen. So bekundet auch die laszive Nachbarin helen (Gloria Grahame) in Abwesenheit von Lorry sexuelles Interesse. Earl Slater ist ein Rassist und dies wird beim geplanten Coup noch zum Hauptproblem werden, denn der zweite Komplize des alten Burke ist der junge schwarze Nachtclubsänger und Jazzmusiker Johnny Ingram (Harry Belafonte). Der hat eine ausgeprägte Spielschuld, will eigentlich keine kriminelle Laufbahn einschlagen, doch die Unterhaltszahlungen für seine getrennte Frau Ruth (Kim Hamilton) und für die kleine Tochter Edie (Lois Thorn) müssen auch bezahlt werden. Zudem rücken ihm seine wenig zimperlichen Gläubiger auf die Pelle. Da sie auch in Richtung Familie drohen, macht Johnny schließlich mit. Er merkt auch sofort, dass Earl ihn abweisend behandelt, lässt sich aber vom Hass des Anderen nicht so schnell einschüchtern. Dann geht es auch schon los. Doch der Bankraub, der so leicht von Burke beschrieben wurde, ist alles andere als Kinderspiel. Es kommt zu einige nicht berechneten Hindernissen und auch der Konflikt zwischen Earl und Johnny spitzt sich zu...



Dabei kann der alte Mann nur bedingt eingreifen, er ist machtlos und die Dynamik verändert sich zunehmend in eine Katastrophe. Der Titel "Wenig Chancen für morgen" ist Programm und die Geschichte ist ein echtes Verliererepos. Dabei konnte Robert Wise auf drei Top-Hauptdarsteller zurückgreifen. Ed Begley ist eh immer ein Gewinn und Robert Ryan beweist einmal mehr seine Klasse. Auch Harry Belafonte ist in einer seiner stärksten Performances zu sehen. In Nebenrollen brillieren mit Gloria Grahame und Shelley Winters zwei große weibliche Ikonen des Noir.


Bewertung: 8,5 von 10 Punkten. 

Tiger Bay


Regie: J. Lee Thompson

Der Mörder und das kleine Mädchen...

J. Lee Thompsons eher ungewöhnlicher Film Noir "Tiger Bay" aus dem Jahr 1959 erinnert etwas an den Genreverwandten "Ein Kind war Zeuge" von Charles Crichton, der 7 Jahre früher gedreht wurde. Bei beiden Filmen handelt es sich um britische Produktionen und J. Lee Thompson konnte später in den USA mit seinem Meisterwerk "Ein Köder für die Bestie" noch einmal sein Geschick und seine Könnerschaft in dieser Filmgattung beweisen. "Tiger Bay" sieht vor allen Dingen hervorragend aus. Die ersten Bilder vom Schiff, dass in den Hafen von Cardiff eingefahren ist, und die Kamera auf die ankommenden Matrosen hält, fängt schon eindrücklich die starke Atmosphäre der Geschichte ein. Einer dieser Matrosen ist der junge Pole Bronislav Korchinsky (Horst Buchholz) und nach vielen Monaten auf hoher See endlich seine Freundin Anya (Yvonne Mitchell) besuchen und bald heiraten will. Die Heuer hat er gespart, nichts soll dem Glück zu Zweit im Wege stehen. Doch in der alten Wohnung wohnt ein anderes Mädchen (Shari), die nicht gerade erfreut ist, dass ein fremder Kerl im Zimmer steht. Vom Verwalter Dr. Das (Marne Maitland) erfährt er Anyas neue Adresse. Sie wohnt jetzt in einem Mietshaus nahe den Docks. Dort wohnt auch die 11jährige Vollwaise Gillie Evans (Hayley Mills), die dem Matrosen den Weg dorthin zeigt. Gillie ist mehr Junge als Mädchen, spielt lieber mit Spielzeugpistolen statt mit Puppen und lügt, was das Zeug hält. Ihre Tante Mrs. Phillips (Megs Jenkins) lebt im gleichen Haus wie Anya, doch sie und alle anderen Mitbewohner halten nicht viel von der attraktiven Frau, die einen älteren Herrn (Anthony Dawson) empfängt. Man sagt sich, dass sie sich aushalten lässt. Von all dem weiß Bronislav nichts, aber die Freude des Wiedersehens wird ganz schnell getrübt als ihm Anya die Tür öffnet und er sieht, dass der Tisch für zwei Personen gedeckt wurde. Hat sie etwa einen Anderen ? Tatsächlich kommt es sehr schnell zum Zerwürfnis und Anya teilt ihm mit, dass sie jetzt einen Freund mit Geld hat. Dies führt zu Aggressionen, die Frau nimmt eine Pistole aus der Schublade und versucht auf ihren früheren Lover zu zielen. Dies misslingt, er bekommt die Waffe in die Hand und in diesem Moment knallen ihm die Sicherungen durch. Er schießt mehrmals auf die Frau, die tot auf dem Boden aufschlägt. Jetzt ist nur noch die Flucht die einzige Möglichkeit. Doch durch den Türschlitz hat die kleine Gillie die ganze Szenerie als Augenzeugin mitansehen müssen. Sie kommt sogar an die Tatwaffe und versteckt die Pistole. Bronislav kann fürs Erste fliehen und Gillie hat nur Augen für die Waffe. Als ihre Tante die Leiche entdeckt, sagt sie, dass sie überhaupt nichts bemerkt hat. Sie bleibt auch bei dieser Aussage als sie vom ermittelnden Kommissar Graham (John Mills) befragt wird. Doch Bronislav will natürlich die Tatwaffe und möglicherweise will er auch die einzige Zeugin unschädlich machen...



Horst Buchholz spielt diesen Mörder allerdings mit sehr guten Charakteranteilen. Der Zuschauer merkt sehr bald, dass das schreckliche Verbrechen nicht unbedingt im Einklang mit dem Täter Bronislav Korchinsky steht. Zur fast gleichen Zeit stand der junge Horst Buchholz in "Das Totenschiff" ebenfalls als Matrose vor der Kamera. Er spielt in beiden Filmen einen ähnlichen Typen. In beiden Fällen ist es auch eine flatterhafte Frau, die das Schicksal des Seemanns mitgestaltet. Hochgelobt wurde aber vor allem das Leinwanddebüt von John Mills Tochter Hayley, die auf der Berlinale einen Silbernen Bären als Sonderpreis für ihre herausragende Darstellung erhielt. Ausserdem bekam sie 1960 für diese Rolle den BAFTA Award als vielversprechendste junge Schauspielerin.
Natürlich geht "Tiger Bay" nicht ganz als lupenreiner Film Noir durch. Er ist eher so etwas wie ein Hybrid aus Schwarzer Serie Krimi und Sozialdrama ala "Die Faust im Nacken". Die Impressionen der Stadt Cardiff sind jedenfalls hervorragend gelungen und setzt der Stadt sogar eine Art filmisches Denkmal.
Durch die durchweg perfekten Darstellerleistungen ist der Film auch heute noch sehr atmosphärisch und sehr schnell sind die Figuren im Mittelpunkt der Geschichte. In den 80er Jahren wurde J. Lee Thompson zum Garant für guten Charles Bronson Filme, er drehte für die Cannon Films Knaller kultfilme wie "Ein Mann wie Dynamit", "Murphys Gesetz"oder  "Das Gesetz ist der Tod".
 


Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Nachts unterwegs


Regie: Raoul Walsh

Auf den Straßen....

1939 inszenierte Raoul Walsh mit "Die Wilden Zwanziger" einer der großen Gangsterfilme der 30er Jahre, der Nachfolger "Nachts unterwegs" markiert aber schon den Übergang zum Film Noir der 40er Jahre. Walshs Film wirkt zweigeteilt, was dadurch versucht wurde, dass der zweite Teil des Films von dem Warner Bros Film "Bordertown" ausgeliehen wurde. Darin ermordet eine Femme Fatale ihren Ehemann durch eine Kohlenmonoxidvergiftung, was gleichzeitig auch eine der markantesten Szenen in "Nachts unterwegs" ist. Die Mörderin wird von Ida Lupino perfekt gespielt. Sie wurde im gleichen Jahr noch einmal in einem Walsh-Film eingesetzt. Neben Humphrey Bogart spielte sie im Klassiker "Entscheidung in der Sierra".
Der erste Teil von "Nachts unterwegs" schildert ein Brüderpaar, die als LKW Fahrer ihre Brötchen verdienen. In einem heiß umkämpften Gewerbe, dass für die Fahrer ganz miese Bedinungen bei schlechter Bezahlung bietet. Denn wer am schnellsten von A nach B fährt, der bekommt meistens den Zuschlag. Die Konsequenz dieses geschäftlichen Vorteils ist Übermüdung und dadurch verursachte Unfälle, die auch tödlich ausgehen könnten.
"Nachts unterwegs" sind jedenfalls die Brüder Joe (George Raft und Paul Fabrini (Humphrey Bogart). Die beiden sind unabhängige LKW Fahrer, tragen aber auch das volle Risiko und der alte Lastwagen wurde auf Pump gekauft und daher sind sie gezwungen Termin-Fahrten zu machen, die auch ein bisschen was einbringen. Schlaf ist ein Fremdwort für die beiden Brüer. In einer Kneipe lernt Joe die Kellnerin Cassie Hartley (Ann Sheridan) kennen, die sie später per Anhalter wieder trefffen. Paul ist glücklich mit Pearl (Gale Page) verheiratet, die aber in ständiger Angst lebt, dass ihr Mann einen Unfall haben könnte. Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit auch recht hoch...Berufskollege Harry McNamara (John Litel) schläft während der Fahrt ein und die beiden Brüder sehen nur noch den Wagen in den Abgrund stürzen, dann fängt der Laster zu brennen an. Wenig später trifft es auch Joe und Paul. Während Joe mit einem Schrecken davon kommt, muss man bei Paul den Arm amputieren. Zum Glück finden beide eine Anstellung bei Ed Carlsen (Alan Hale sr.), der früher selbst Fahrer war und nun ein Lastwagen-Unternehmen hat. Eds Frau Lana (Ida Lupino) hat die Anstellung forciert, weil sie schon seit Jahren ein Auge auf Joe geworfen hat. Doch der lässt die Frau seines Freundes immer wieder abblitzen und intensiviert statdessen seine Beziehung zur hübschen Cassie...




Tatsächlich bräuchte man den zweiten Teil gar nicht, denn nach dem Unfall von Paul, der von Humphrey Bogart gespielt wurde, gäbs reichlich andere Möglchkeiten für den Drehbuchautor. Aber die Macher setzten schließlich auf Ida Lupino, auf ihre Fähigkeit als Drachenlady, die dann auch im Laufe der Ereignisse noch wahnsinnig wird. Auch wenn natürlich die Klassiker "Die wilden Zwanziger" oder "Entscheidung in der Sierra" noch besser sind, ist "They drive by night" auch nicht zu verachten. Immerhin ist die Inszenierung sehr actionreich und an der Kasse lief der Film mit 1,6 Millionen Dollar Einspielergebnis alles andere als schlecht.
 



Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Die Brüder Karamasow
























Regie: Richard Brooks

Der Vater und seine Söhne...

Richard Brooks Verfilmung  von "Die Brüder Karamasow" entstand 1958 - kurz vor seinem Welterfolg "Die Katze auf dem heißen Blechdach". Auch die Literaturverfilmung des gleichnamigen Romans von Fjodor Michailowitsch Dostojweski wurde ein ansehnlicher Kassenerfolg - in den USA spielte der Film 5,4 Millionen Dollar ein. Ein sehr gutes Top15 Resultat in den Kinojahrescharts und Nebendarsteller Lee J. Cobb wurde für seine Rolle als Fjodor Karamasow für den Oscar nominiert.
Natürlich ist es nahezu unmöglich so einen hochkomplexen, noch dazu handlungsintensiven - mehr als 1.000 Seiten umfassenden Roman in einen Film mit einer Laufzeit von ca. 145 Minuten werkgetreu abzubilden. Aber Brooks gelang es den Roman zu kürzen und dennoch die Atmosphäre vorbildlich beizubehalten und auch die Figuren des Romans lebendig werden zu lassen.
Am Anfang war Marlon Brando im Gespräch für die Rolle des Dimitri und Marilyn Monroe sollte die Gruschenka spielen. Doch aus beiden Optionen wurde nichts. So bekamen Yul Brynner und Maria Schell den Zuschlag. Und tatsächlich erwies sich Yul Brynner als perfekte Besetzung. Seine sanft glühenden Augen, seine sinnliche Ausstrahlung, das markante Gesicht - genauso stellt sich auch der Romanleser diesen russischen Hitzkopf, den Spieler, den Hasardeur vor, der um die Ehre kämpft und die Unschuld kämpft und versucht in diesen 3 Monaten, die die Geschichte beschreibt, seinen Leben eine Veränderung zu geben. 
Dabei bilden die unterschiedlichen Brüder des alten Fjodor Karamasow (Lee J. Cobb) den Hauptteil der Geschichte. Dimitri (Yul Brynner) ist ein vergnügungssüchtiger Lebemann, der alles auskosten will. Er hat immer Spielschulden und will, dass der Vater ihm seinen Erbteil auszahlt. Doch der alte Heuchler und Wüstling weigert sich immer wieder. Ein möglicher weiterer Bruder, der Smerdjakow (Albert Salmi) genannt wird, ist im Haus als Diener beschäftigt. Die Vaterschaft hat der Alte offiziell nie anerkannt. Fjodors ältester Sohn Iwan (Richard Basehart) ist ein Zweifler, er glaubt nicht an Gott und steht für den Geist der Verneinung. Smerdjakow ist fasziniert von Iwan und seinen Lehren. Ganz anders ist der jüngste der Brüder. Alexej (William Shatner) ist Novize und ein Mann Gottes. Als Dimitri der hübschen Katja (Claire Bloom) in einer finanziellen Not beisteht, verliebt sich die Frau in ihn. Er warnt sie aber, weil er sich selbst mag und weil er manchmal ebenso unmoralisch wie der eigenen Vater, den er verachtet, agiert. Doch Katja gelingt es, dass Dimitri zur geplanten Vermählung Ja sagt. Doch nicht lange. Als er die blonde Gruschenka (Maria Schell) kennenlernt, verliebt er sich in die lebenslustige Frau, die seine Schuldscheine vom Vater gekauft hat und nun Geld von ihm verlangen kann. Obwohl Gruschenka gesteht einen polnischen Offizier zu lieben, beginnen die beiden eine Affäre. Dies stört den Vater, der sich ebenfalls Hoffnungen machte Gruschenka zu bekommen. Es kommt zum Streit...



Und zu einem Mord, bei dem alles dafür spricht, dass Dimitri der Täter war. Brooks wollte zuerst in Russland an Originalschauplätzen drehen, doch aus diesem ambitionierten Wunsch wurde leider nichts. Dennoch hat man das Gefühl mitten in Russland im 19ten Jahrhundert zu sein. Dabei stehen die Brüder jeweils für eine Idee oder Weltanschauung. Ivan ist der Denker, der Fortschrittliche - er steht für die Zukunft. Dimitri verkörpert die Lust am Leben, die Leidenschaft - er steht für den Augenblick. Und der fromme Aljoscha durch seinen Glauben für den schöpferischen Willen, sehr wahrscheinlich geprägt von der Vergangenheit und den immer wiederkehrenden Fragen der Menschen. Eine Schlüsselrolle kommt im Film der Kränkung zu, die Dimitri dem Hautpmann Snegirjow (David Opatoshu) vor den Augen von dessen kleinem Sohn Iljuscha (Mico Oscard) zugefügt hat. Dadurch wurde der Junge durch seinen Vater zum Gespött seiner Kameraden. Am Ende hat aber Dimitri die Größe den Hauptmann um Verzeihung zu bitten - am Sterbebett des lungenkranken Iljuscha kommt es zu einem Glücksmoment. Der Film leistet sich diese gefühlsbetonte Facette, doch die Wehmut und die leichte Rührseligkeit passt zur Geschichte und zu dieser Zeit im vergangenen Russland. Eine Zeit, in der die Ehre sehr groß geschrieben wurde - überlebensgroß.



Bewertung: 8,5 von 10 Punkten. 

Königin Christine


Regie: Rouben Mamoulian

Garbo, die Königin von Hollywood...

Rouben Manoulians Historienfilm "Königin Christine" aus dem Jahr 1933 endet mit einer legendären Einstellung. Greta Garbo, die die schwedische Königin spielt, steht wie eine stumme Gallionsfigur am Bug des Schiffes, dass sie nach Spanien bringen soll. Der Wind weht durch ihr Haar und die Kamera zeigt ihr Gesicht in einer Großaufanhme. Mamoulian wies seine Hauptdarstellerin an, dass sie in dieser Szene an nichts denken solle, so als würde ihr Gesicht ein leeres Blatt Papier sein. Jeder Zuschauer sollte sich seine eigenen Gedanken zu dieser Schlußszene machen. Das Bild ging in die Filmgeschichte ein - "Königin Christine" wurde ein riesiger Kassenerfolg. Nur der Monsterfilm "King Kong und die weiße Frau" erzielte noch mehr Umsatz im Filmjahr 1933.
Greta Garbo setzte auch ihren Co-Star John Gilbert durch. Es war der vierte Film, den die beiden gemeinsam machten - und es wurde auch John Gilberts vorletzte Arbeit. Er war in der Stummfilmzeit ein großer Kassenstar, doch die Feindschaft mit Studioboss Louis B. Mayer setzte ihm sehr zu und er stark im Januar 1936 an einem Herzinfarkt, den er durch seine starke Alkoholsucht sicherlich noch beschleunigte.
In Europa wütet der 30jährige Krieg. König Karl Gustav (C. Montague Shaw) stirbt 1632 auf dem Schlachtfeld. Durch seinen Tod wird seine sechsjährige Tochter Christine (Cora Sue Collins) zum Staatsoberhaupt gekrönt. Der Vater hat seine Tochter wie einen Jungen großgezogen. Sie trägt auch gerne Männerkleidung. Christine (Greta Garbo) wird zur geliebten Herrscherin über ihr Volk, sie ist sehr darauf bedacht gut zu regieren. Für ernsthafte Romanzen oder gar für die Ehe hat sie keine Zeit, obwohl ihre Berater ständig zu einer Vermählung drängen. Der heldenfafte Cousin Karl Gustav (Reginald Owen) ist der Favorit des Hofes und auch des Volkes. Mit dem Count Magnus Gabriel de la Gardie (Ian Keith) hat sie eine heimliche Beziehung, die jedoch von ihm ernster genommen wird als von ihr selbst. Um den Einschränkungen ihres königlichen Lebens etwas zu entfliehen, schlecht sie sich eines Tages - gemeinsam mit ihrem getreuen Diener Aage (C. Aubrey Smith) in die Stadt und landet schließlich durch einen Schneesturm in einem Gasthaus, in dem auch der spanische Gesandte Don Antonio de la Prada (John Gilbert) eingekehrt ist. Da alle Zimmer besetzt sind und die Königin sich als junger Mann tarnt, schlägt der Wirt vor, dass beide Herren sich ein Zimmer für die Nacht teilen könnten. Im Zimmer entdeckt Antionio natürlich sofort, dass sie eine Frau ist. Sie verbringen eine unvergessliche Liebesnacht miteinander, ohne dass Antonio weiß, dass er mit der schwedischen Königin nächtigte. Beide verlieben sich ineinander und Christine weiß, dass sie sich wiedersehen werden - denn Antonio ist der Gesandte des spanischen Königs, der Christine einen Heiratsantrag überbringen soll. Da Christine kein Geheimnis über die Zuneigung zu Antonio macht, regt sich bald der Widerstand am Hof...




Rouben Mamoulians Film wirkt natürlich altmodisch, aber er ist gerade deshalb auch sehr interessant. Denn an vielen Stellen wirkt "Königin Christine" beinahe wie ein Stummfilm. Der Film hält sich natürlich kaum an die historischen Fakten. Mamoulian zeigt eine tragische Liebesgeschichte und Greta Garbo beweist ihre charismatische Präsenz. Interessanterweise lief "Königin Christine" im Ausland noch besser als in den USA.






Bewertung: 8 von 10 Punkten.