Regie: Jean Luc Godard
Eine Ehe zerbricht...
Jean Luc Godards Cinemascopefilm "Die Verachtung" ist ein Film, der auch nach seinem tragischen Ende noch nachhallt. Erzählt wird eine Geschichte von Kunst und Kommerz, Mythos und Realität, Leben und Tod. Das äußere Geschehen wird kontrapunktiert durch Reflexionen während der Verfilmung von Homers Odyssee durch die Regielegende Fritz Lang, derr sich selbst spielt. Ein intellektuell sehr anspruchsvolles Werk, dessen kühle Schönheit nicht jeden ansprechen wird. Es ist aber auch eine Geschichte über eine Liebe, die durch einen offen gelegten Charakterzug jäh endet. Die Filmmusik von Georges Delerue ist phasenweise wirkt nur hypnotisch, sie unterstreicht auch die Traurigkeit dieser überraschenden Ereignisse. Im Kontrast dazu hat Kameramann Raoul Coutard (Außer Atem, Schießen sie auf den Pianisten, Die süße Haut, Lola, das Mädchen vom Hafen, Jules und Jim, Die Braut trug schwarz, Z, Duell ohne Gnade) betörend schöne Kinobilder dazu entworfen. Der Titel des Films bezieht sich auf die weibliche Hauptfigur, die von Brigitte Bardot sehr sensibel gespielt wird. Durch eine einzige Situation verändert sich ihre Liebe zu ihrem Mann, einem Drehbuchschreiber. Im Film selbst kommt aber ebenso Godards Verachtung für die Entwicklung der Filmindustrie Hollywoods zum Ausdruck, wie sie personifiziert wird von der unangenehmen Figur des Produzenten Jeremy Prokosch. Denn Godard lag mehrfach im Clinch mit seinem Produzenten Joseph E. Levine, der sich Sorgen um die Einspielergebnisse machte. Daher mussten mehr Nacktaufnahmen von Brigitte Bardot nachgedreht werden. Der französische Schriftsteller Paul Javal (Michel Piccoli) befindet sich mit seiner jungen und attraktiven Frau Camille (Brigitte Bardot) in Rom. Er wurde dorthin eingeladen auf Wunsch des US-Filmproduzenten Jerry Prokosch (Jack Palance), damit er das Drehbuch eines Films über die Odyssee umschreibt. Fritz Lang wurde verpflichtet, den Film zu inszenieren. In einer ansonsten ereignislosen Szene kommt es zu einem Missverständnis : Camille, die glaubt, Paul wolle sie ermutigen, steigt in Prokoschs Auto, das zunächst langsam losfährt, dann aber plötzlich mit hoher Geschwindigkeit davonrast. Die junge Frau wollte gar nicht erst in den Wagen steigen und lieber mit ihrem Mann ein Taxi zu Prokoschs Villa nehmen, doch Paul hat sogar darauf bestanden, dass Camille alleine in den Wagen steigt. Der Film erkundet, was sich in diesem Bruchteil einer Sekunde zwischen dem Paar abspielt. Irgendwie kommt in Camille der Gedanke auf, dass ihr Mann sie nicht vor der Zudringlichkeit des aggressiven Produzenten schützen will, sondern im Gegenteil noch dazu bereit ist sie für diesen hoch dotierten Drehbuchauftrag zu "verkaufen".Zwischen zwei Einstellungen ist Camilles Missverständnis in Verachtung für ihren Mann umgeschlagen. Sein verspätetes Eintreffen bei dem Haus des Produzenten treibt die Spannung zwischen dem Paar weiter voran. Zudem flirtet Paul in Gegenwart Camilles auch noch mit der Assistentin Francesca (Giorgia Moll). Das Treffen endet mit einer Einladung der beiden nach Capri, wo sie Zeugen der Dreharbeiten zu der Odysseus-Verfilmung sein sollen. Paul versucht dort, Lang für sich zu gewinnen, indem er ihm seine Absicht erklärte, die Geschichte von Odysseus und Penelope aus psychologischer Sicht neu zu erzählen und dabei seine Erfahrungen mit einer schwierigen Ehe einfließen zu lassen. Lang erwiderte offen, dass er an einem modernen, psychoanalytischen Ansatz nicht interessiert sei. Er tendiere eher zum klassischen Kino und interessiere sich für das Verhältnis zwischen Mensch und Natur in der mediterranen Landschaft. Camille erliegt Prokoschs Annäherungsversuchen, fest entschlossen, ihren Mann zu verlassen. Paul, der sie nicht verlieren will, erklärt ihr, er sei bereit, seinen Job aufzugeben, um sie an seiner Seite zu halten. Nun versteht er, warum Camille ihm gegenüber Groll hegt, und versucht, ihr das Gegenteil zu beweisen ; seine Bemühungen, die Ehe zu retten, scheitern jedoch. Camille beendet die Beziehung zu Paul endgültig und geht mit Prokosch. Auf der gemeinsamen Autofahrt nach Rom kommen Camille und Prokosch ums Leben....
In den ersten Wochen nach Kinostart verzeichnete "Le Mepris" - so der Originaltitel - insgesamt 235.000 Zuschauer in den fünd exklusiv ausgewählten Pariser Kinos und belegte am Ende des Jahres sogar Platz 7 der französischen Kinocharts. Für einen Godard Film extrem erfolgreich, aber dennoch ein kommerzieller Misserfolg fürt einen Film mit dem Sexsymbol Brigitte Bardot. Die berühmteste Szene des Films wurde tatsächlich die Nacktszene am Anfang, in der Camille ihrem Mann einige Körperteile aufzählt und ihn fragt wie diese ihm denn gefallen. Diese Serie von Fragen, die nach und nach fast alle Teile ihres Körpers streift, scheint sich nicht nur an den Ehemann, sondern ebenso an die Filmproduzenten zu richten, die die Nacktheit des weiblichen Körpers für ihre Zwecke ausbeuten. Während der Dreharbeiten verhielten sich die echten Produzenten immer mehr wie die Figur, die Jack Palance im Film verkörpert – ihr Hauptinteresse galt schließlich den Nacktszenen. Durch seine Einzigartigkeit ist "Die Verachtung" vielleicht sogar Godards bester Film.
Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.










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