Freitag, 15. Mai 2020

Insomnia







































Regie: Christopher Nolan

Todesschlaf...

Christopher Nolan hat sich durch seine Filme wie "Batman Begins", "Inception", "Memento", "The Dark Knight" oder "The Dark Knight Rises" zu einem der beliebtesten neuen US-Regisseuren entwickelt. Künstlerisch interessant waren auch seine weniger spektakulären Arbeiten "The Prestige" - einem Film über zwei konkurrierende Zauberkünstler - und "Insomnia", das 2002 realsierte Remake des norwegischen Erfolgsthrillers "Todesschlaf" von Erik Sjokldbjaerg. Dabei verlegte Christopher Nolan aber die Handlung vom arktischen Tromso nach Alaska, wo die Nächte ebenfalls tagelang hell sind - oder aber auch für längere Zeit Tag und Nacht stockdunkel. Es herrscht aber in "Insomnia" die ständige Helligkeit - eine Tatsache, die nicht nur dem versierten Ermittler Will Dorner (Al Pacino) aufs Gemüt schlägt. Er wurde gemeinsam mit seinem jüngeren Partner Hap Eckhart (Martin Donovan) hier nach Nightmute geschickt, um der örtliche Polizei bei den Ermittlung in dem Mordfall an einer 17jährigen Schülerin zu helfen. Die Beziehung der beiden Männer, die nicht nur Kollegen, sondern auch gute Freunde sind, ist derzeit stark belastet durch die Ermittlungen der Dienstaufsichtsbehörde. Diese haben Eckhart einen Deal angeboten, dass er straffrei ausgeht, wenn er seine und Dorners Verfehlungen aufdeckt. Erschwerend hinzu kommt diese ständige Helligkeit durch die Mitternachtssonne, Dorner kann kaum schlafen und sieht dann auch dementsprechend fertig aus. Von den dortigen Kollegen werden Dorner und sein Partner gut aufgenommen, vor allem für die junge engagierte Polizistin Ellie Burr (Hillary Swank) ist Dorner, der auch Fachbücher geschrieben hat, ein echtes Vorbild. Während alle bald glauben, dass der aggressive Freund der Toten, der Schüler Randy Stetz (Jonathan Jackson) der Mörder sein könnte, ist Dorner schon auf einer ganz anderen Spur. Als man dem Täter eine Falle stellen will, kommt es zum Schußwechsel, den Eckhart nicht überlebt. Schütze war Dorner, der allerdings im Nebel nichts gesehen hat. Er fingiert aber den Tatort so, dass nur der entfohene Täter Eckharts Mörder sein kann. Dieser geheimnisvolle Fremde (Robin Williams) meldet sich aber bald anonym per Telefon bei Dorner...




 Schon das norwegische Original war ein starker Film und Christopher Nolan schafft das seltene Kusntstück das Remake eines skandinavischen Topfilms nicht zu versemmeln, sondern ein gleichwertige Neufauflage zu schaffen. Dies gelingt deshalb, weil er das meiste an Inhalt so belässt wie im Original und zum Glück keine Ambitionen an den Tag legt den Stoff für US-Verhältnisse glattzubügeln.
Auch die Darsteller sind perfekt ausgewählt. Al Pacino in einer seiner besten Rollen des letzten Filmjahrzehnts, dann eine Hilary Swank, die ein bissel an den Clarice Starling Typ von "Schweigen der Lämmer" erinnert und durchaus ebenbürtig agiert. Mit Robin Williams ist dann der perfekte Psychopath gefunden, der sich hinter einer bürgerlichen Fassade und einer empathischen Sensibilität verbirgt und es schafft, dass man beinahe Gänsehaut vor Furcht bekommt, so gelungen ist der reißende Wolf unter dem Deckmantel des biederen Bildungsbürger.


Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Training Day







































Regie: Antoine Fuqua

Der Probetag...

Ich mag nicht alle Filme von Antoine Fuqua, aber sein 2001 entstandener "Training Day" ist für mich trotz der an einigen Stellen zu affektierten Darstellung von Denzel Washington, in seiner ersten "Bösewicht" Rolle , einer der Thriller Klassiker des vergangenen Jahrzehnts. Washington erhielt für seine markante Performance als korrupter Boss des Drogendezernats auch prompt einen Oscar als bester Hauptdarsteller 2002. Trotz der bereits erwähnten Kritik war dieser Erfolg nicht unverdient, denn Washington trägt einerseits fast im Alleingang den Film, hat aber auf der anderen Seite mit seinem Co-Star Ethan Hawke einen genauso gut agierenden Gegenpart als Partner. Ein Teil der Spannung geht einzig und allein auf das gute Spiel des ungleichen Duos. Beide Männer treffen sich am besagten "Training Day". Für den jungen und ehrgeizigen Officer Jack Hoyt (Ethan Hawke) geht es dabei um sehr viel. Denn er wird von Detective Alonso Harris (Denzel Washington) daraufhin geprüft und gemustert, ob er in dessen kleine 6 Mann starke Drogenabteilung passt. Dieser Probetag entscheidet insofern über die weitere Zukunft von Hoyt, dessen ehrgeizige Pläne eine große Nummer beim Drogendezernat des LAPD zu werden. Alonso Harris gilt als schwierig und egozentrisch und alles hängt nun davon ab, ob Hoyts Nase passt und er angenommen wird. Tatsächlich setzt er sich auch am Anfang des Probetages ins Fettnäpfchen, dass in einem Restaurant beginnt. Harris nutzt dabei die Fahrt mit dem Youngster durch die Straßen von Los Angeles sich selbst effektiv in Szene zu setzen als der Mann, der alles unter Kontrolle hat. Der Mann, der die ganz großen Fische fängt, weil er auf viele kleine Fische als Informanten bauen kann, da er immer mal wieder ein Auge bei deren Verfehlungen zugedrückt hat. Alonso Harris behauptet auch, dass nur der ein guter Drogenbulle sein kann, der die Droge auch kennt und schon ausprobiert hat. So setzt er sogar auf seinen Untergebenen Druck aus sich was reinzupfeifen, ansonsten - so Harris - könne er den Job eh vergessen. So steht Hoyt sozusagen für einige Stunden dieses Arbeitstages unter Drogen, alles gedeckt und gutgeheißen vom Boss, der den Neuling auch in die korrupten Geheimnisse der Abteilung einweiht. Gemeinsam besuchen sie einen gewissen Roger (Scott Glen), nach Aussagen von Harris, einer der mächtigsten Drogenbosse der Stadt. Der Kontakt zu dem Kriminellen ist äusserst freundschaftlich....




Die erste Stunde des Films behandelt dieses Abtasten der beiden ungleichen Männer. Auf der einen Seite der selbstsichere, aber korrupte Harris - auf der anderen der ehrgeizige, aber engagierte und ehrliche Hoyt, dem durch die Erlebnisse des Probetages bewusst gemacht wird, dass er - sollte er am anderen Tag zum Team gehören - sehr viel seiner Ideale aufgeben muss, denn  die Methoden der Verbrechensbekämpfung sind denen der kriminellen Gegner sehr ähnlich. Nach einer Stunde Spannungsaufbau kommt dann mit aller Wucht die Schlüsselszene des Films und plötzlich sind die Karten dramatisch neu gemischt und mit dieser emotionalen Dynamik lassen sich auch die weiteren Aktionen ableiten. Immer mehr gerät Hoyt dabei in eine akute Lebensgefahr, die nur deshalb eine rettende Wendung erfährt, weil er im Laufe des ereignisreichen Tages die Cousine eines Gangmitglieds vor einer drohenden Vergewaltigung gerettet hat. Ansonsten ist die Story von David Ayer sehr geschickt aufgebaut und gibt mit einem Paukenschlag den doppelten Boden der Geschichte frei. Hinter der Kamera stand mit Mauro Fiore ebenfalls ein Könner seiner Zunft. Selbst der etwas zu überladene Schlußpart kann dem Film nicht mehr seinen Klassikerstatus absprechen. Diesen hat sich Antoine Fuguas Film schon mit der ersten ruhigen Hälfte und dem unvergessenen Hauptteil mehr als verdient. Die Handlung spielt sich im Wagen von Alonso sowie an zahlreichen Brennpunkten der Millionenmetropole ab, Schauplätze sind die Elendsviertel der Stadt, die von Drogendealern und Gangs beherrscht wird. Über allem steht dieser selbstherrliche Cop, der glaubt eine Art "Gott" zu sein, doch auch er ist bereits ein Gejagter.



Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Die Wütenden - Les Miserables







































Regie: Ladj Ly

Das Viertel brennt...

Im Nachbarland Frankreich wurde "Les Miserables" mit fast 1,7 Millionen Kinozuschauern ein großer Erfolg. Der Film des französischen Filmemachers Ladj Ly, der in Mali geboren wurde, wurde mit 4 Cesars ausgezeichnet. Er bekam den Preis als Bester Film, Alexis Djebril gewann in der Kategorie "Bester Nebendarsteller" und ausserdem gewann "Die Wütenden" (so der deutsche Verleihtitel) den Preis für den besten Schnitt und erhielt den Publikumspreis.
Dem Regisseur Ladj Ly liegen die Probleme der Banlieues am Herzen. Ly hatte 2005 während der Unruhen in seinem Viertel begonnen, die Doku "365 Tage in Clichy-Montfermeil" zu drehen. Er zeigte die Gewalt, die sich damals in den Vororten entlud.
Sein Kinodebüt hat das selbe Thema und wurde erstmalig in Cannes bei den Filmfestspielen dem Publikum vorgestellt. Es folgte eine Nomierung bei den Oscars als "Bester ausländischer Film" sowie zwei Nomierungen für den Europäischen Filmpreis 2019.
Dabei erinnert die Geschichte des jungen Polizisten Stephane (Damien Bonnard), der den ersten Tag bei einer neuen Einheit absolviert, etwas an Antoine Fuquas "Training Day". In Lys Film sind es zwei erfahrene Polizisten und ein Neuling, die im Problemviertel Montfermeil für Recht und Ordnung sorgen sollen. Wie in Fuquas Film ist der Neue irritiert von den zweifelhaften Methoden seiner Kollegen.
Inhaltlich wird aus "Die Wütenden" aber sehr schnell ein französischer Verwandter von Fernando Meirelles "City of God", der über das von Gewalt geprägte Leben der Jugendlichen in den Armenvierteln von Rio de Janeiro berichtete. 
"Die Wütenden" beginnt mit Bildern der Champs-Elysees, in denen das Publikum den Sieg der franzöischen Mannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland feiert. Zu den Stars der Equipe Tricolore gehören auch Franzosen mit fremdländischen Wurzeln wie  Kylian Mbappe (Sohn eines Kameruners und einer Algerierin) oder Paul Bogba (dessen Eltern stammen aus Guinea). In diesem Moment des sportlichen Triumphs scheint man aber vereint zu sein. Der Jubel zeigt oberflächlich ein harmonisches Bild von Multi Kulti, doch die Wahrheit sieht anders aus. In den Vorstädten der großen Städte haben sich Parallelgesellschaften entwickelt, die ihren eigenen Gesetzen folgen und in diesem Gegenden ist die Polizei fast machtlos. Die Beamten müssen sich mit den Gegebenheiten dort irgendwie arrangieren und nach Meinung von Stephanes erfahrenem Kollegen Chris (Alexis Manenti) müssen die Menschen in diesem Quartier nicht nur Respekt vor der Polizei haben, sondern auch Angst. Ein System, in dem der Stärkere gewinnt und der Schwache verliert. Stephane, der seine Dienststelle in Cherbourg aus privaten Gründen verließ, sieht dies ganz anders. Er ist mit den Methoden seines Kollegen gar nicht einverstanden. Der dritte Mann im Wagen ist Gwada (Djebril Zonga), der selbst in solch einem Vorort groß wurde. Gwada verhält sich eher neutral, er ist gespannter Zuschauer in den Diskussionen seiner beiden Kollegen.
Die Jugendkriminaliät ist sehr hoch. Auch der Jugendliche Issa (Issa Perica) ist kein ungeschriebenes Blatt, er hat bereits eine dicke Polizeiakte und nun hat er den Gipsys von Zirkus ein junges Löwenbaby gestohlen. Das könnte richtig Ärger geben. Das wissen auch der selbsternannte Boss des Viertels (Steve Tientcheu), der einflussreiche Kneipenwirt und Muslimbruder Salah (Almamy Kanoute). Auf den Dächern steht der junge Buzz (Al Hassan Ly), der seine Drohne fliegen lässt und so zum Beobachter der Geschehnisse im Viertel wird. Als die Polizisten erfahren, dass Issa den Löwen entwendet hat, ist es Priorität ihn so schnell wie möglich zu finden...




Doch an diesem Tag wird es eine beängstigende Eskalation im Banlieu geben. Denn die Jugendlichen gehen auf die Barrikaden und die Einheit der Verbrechensbekämpfung in Montfermeil, dieser französischen Gemeinde im Departement Seine-Saint-Denis, kommt extrem unter Druck. Nicht nur durch die Anarchie, sondern auch durch ihre ganz verschiedene Haltungen.
Das Ende deutet darauf hin, dass die empathische Art von Stephane, lebensrettend war. Inspiriert von Victor Hugos bekanntem Roman "Die Miserablen" steht auch am Ende ein Zitat des großen Werkes der Weltliteratur "Es gibt kein Unkraut, es gibt keine schlechten Menschen - es gibt nur schlechte Gärtner". Die Geschichte geht auf die verheerenden Unruhen des Jahres 2005 in diesem Viertel zurück.





Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

120 BpM







































Regie: Robin Campillo

Act up...

Einen Europäischen Filmpreis konnte Robin Campillos Aids-Doku "120 Bpm" bereits in der Kategorie "Bester Schnitt" gewinnen.  In zwei weiteren Kategorien - Bester Schauspieler Nahuel Pérez Biscayart und Bester Film - war er immerhin nominiert und bei der kommenden Verleihung des Cesars für insgesamt 12 Preise nominiert.  "120 Bpm" wurde von Frankreich in die Oscarwahl für den besten fremdsprachigen Film geschickt, er kam jedoch - genau wie Deutschlands "Aus dem Nichts" - nicht unter die fünf Nominierten.
Der 144 Minuten lange Film setzt dabei dem Interessenverband "Act up" ein Denkmal. Abgeleitet wurde der Name von "Aids Coalition to Unleash Power", was soviel heißt wie die entfesselte Kraft von Aids-Verbündeten. Ursprünglich in New York begonnen, breiteten sich auf der ganzen Welt diese Interessenverbände aus. So auch in Frankreich - dort will die Gruppe, zu der sowohl HIV-Positive als auch HIV-Negative Mitglieder gehören, durch öffentlichkeitswirksame Aktionen mehr Dynamik und Poliitsierung in die Aids-Thematik bringen. Vor allem soll auf die Pharmakonzerne und auf die Politik mehr Druck ausgeübt werden, denn die Zeit drängt. Viele Mitglieder sind in den frühen 90er Jahren, in denen der Film spielt, nicht nur infiziert, sondern auch Krank.
Von der Regierung Mitterands wird immer wieder Unterstützung erklärt und zugesagt, aber für die Betroffenen geht dies alles zu langsam. Das Pharmaunternehmen Melton Pharm will beispielsweise neue HIV-Studienergebnisse erst im darauffolgenden Jahr auf einer Pharmakonferenz in Berlin bekannt geben. Dies wirkt wie ein Schlag in die Fresse.  Und es sterben auch viele Gruppenmitglieder. So auch Jeremie (Ariel Borenstein), der an der Immunkrankreich stirbt. Mit seinem Foto auf den Plakaten protestiert die Gruppe angeführt von ihrem Sprecher Thibault (Antoine Reinartz) . Mit dabei die couragierte Sophie (Adele Haenel), de etwas aufbrausende Sean Dalmazo (Nahuel Perez Biscayart), ein Mitglied der ersten Stunde und auch Neuling Nathan (Arnaud Valois), der HIV-negativ ist. Eine weitere Aktion ist sehr effektiv, weil die Act Up mit gefälschtem Blut in die Büros des Pharamkonzerns eindringt und dort das Kunstblut in den ganzen Büroräumen verteilt. Auch die kommende Gay Pride soll durch Publicity für das Thema genutzt werden. Neben diesen Aktionen flammt aber auch ein kleines privates Glück auf. Nathan und Sean kommen sich näher....



Damit wird auch der zweite Teil des Film eingeläutet, der in der ersten Hälfte einen ganz stark dokumentarischen Charakter aufwies und nun seine Geschichte in den persönlichen Bereich der Figuren verlagert. Sehr subtil wird die aufkeimende Beziehung zwischen Nathan und Sean geschildert, für die es aber kein HappyEnd gibt. Am Ende dringt die Gruppe in eine Krankenversicherungskonferenz ein und streut die Asche von Sean - er wollte es so - über die Besucher und ihr Essen. Neben einer sehr lebensbejahenden Atmosphäre schont der Regisseur seine Zuschauer aber nicht - er sieht zu beim langsamen Sterben des jungen Sean und agiert in diesen intimen Minuten überhaupt nicht politisch korrekt, was dem Film einen Widerhaken gibt, der mir aber dennoch imponiert. Einige Schlüsselszenen wirken nachhaltig. So ist einige Augenblicke die Seine bei Nacht plötzlich voller Blut und dieses markante Rot wirkt richtig unheimlich und verstörend, ähnlich wie manchmal unser Leben. "120 BPM" heißt übersetzt 120 Schläge pro Minute und meint die Geschwindigkeit der Clubmusik. In diesem Titel steckt natürlich auch etwas Symbolik bezogen auf das schnelle Leben dieser Menschen, die voller Angst mit ihrer Zeitbombe leben und andererseits auch ihre Zeit nutzen wollen um für ihr Anliegen zu kämpfen. In diesen frühen 90ern war dies oft ein Wettlauf mit der Zeit, am Ende stand der Tod. Regisseur Robin Campillos "120 Bpm" setzt die gute Qualität seines bisherigen Filmschaffens fort. Er schrieb Drehbücher für die Filme "Wer tötete Bambi ?" und "Die Klasse". Auch seine vorherige Regiearbeit "Eastern Boys" konnte schon voll überzeugen.



Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 13. Mai 2020

Abgerechnet wird zum Schluß







































Regie: Sam Peckinpah

Cable Hogue...

Im Jahr 1970 drehte Sam Peckinpah als Nachfolger von "The Wild Bunch" den extrem eigenwilligen Western "Abgerechnet wird zum Schluß", der im Original "The Ballad of Cable Hogue" heißt. Er war natürlich mit nur 5,5 Millionen Dollar Einspielergbnis in den Kinos weit weniger erfolgreich als der Vorgänger. Aber wie alle seiner Western ist auch "Cable Hogue" dem Regisseur sehr gut geglückt, ausserdem gibt es im Westerngenre keine Filme, die ihm ähnlich sind.
Dennoch ist das Thema ähnlich wie in Peckinpahs erstem Western "Sacramento" - der alte Wilde Westen ist im Begriff zu sterben, eine neue Ära leutet sich ein. Die Geschichte spielt auch bereits irgendwann um 1900. In der Wüste von Arizona sind drei Goldsucher gescheitert. Die Männer heißen Cable Hogue (Jason Robards), Bowen (Strother Martin) und Taggart (L.Q.Jones) und nun ist auch noch das Wasser knapp geworden: Zu wenig für Drei, aber gerade noch genug für Zwei. Daher haben die Kumpels Bowen und Taggert beschlossen Cable ohne Wasser oder Pferd in der Wüste seinem Schicksal zu überlassen. Soll er doch versuchen sich selbst zu retten. Cable denkt an Rache, aber er wird die Wüste nicht überleben, denn weit und breit gibt es keine Wasserstelle. Da geschieht so etwas wie ein Wunder, denn im sprichwörtlich letzter Sekunde entdeckt der Mann, der gerade verdurstet, eine Wasserstelle. Dies rettet ihm das Leben und in der Stadt kauft er dieses Stück Land. Damit lässt sich viel Geld machen, denn die Postkutschen fahren noch durch dieses Wüstengebiet und somit wäre eine Station mitten im Wüstenland mit Wasser und Verpflegung eine echte Geldquelle.
Der Bankier Ben Fairchild (Slim Pickens) ist interessiert und so kommt Cable mit der Bank ins Geschäft, erhält einen Vorschuß von 100 Dollar. Ein bisschen davon investiert der Mann aber für die Gesellschaft einer Frau, denn die Prostituierte Hildy (Stella Stevens) findet er äusserst attraktiv. Bei den Arbeiten für seine Station ist ihm der junge Reverend Joshua (David Warner) behilflich, der aber eine Schwäche für die Fleischeslust offenbart. Doch Cables Geschäft floriert und irgendwann - das hat er immer gehofft - wird er wieder auf seine beiden Kumpels treffen, die ihn in der Wüste zurückließen. Mit Hildy wird aus einer Geschäftsbeziehung so etwas wie Zuneigung, obwohl Hildy andere Pläne hat: Sie möchte in San Francisco einen reichen Mann kennenlernen und diesen auch heiraten. Das Geschäft von Cable Hogue läuft sehr gut, dann steigen tatsächlich Bowen und Taggart aus einer der Postkutschen, die dort bei Cable Rast machen...




Das Ende bereitet dann eines der neuen Automobile, die den Mensch in dieser Zeit immer wieder in Erstaunen versetzt und eines dieser neuen Fortbewegungsmittel wird auch zu Cables privatem Schicksal, denn am Ende taucht Hildy mit einem dieser Automobile mit Chauffeur auf - die Frau ist reich geworden und sie will Cable mitnehmen. Einem Happyend steht also nichts mehr im Wege - aber wer ahnt, dass Cable von diesem Auto überrollt wird und am Ende des Films seine Sterbeszene platziert ist. Grandios wie so oft ist die Kameraarbeit von Lucien Ballard, der in seiner Karriere leider nur einmal für einen Oscar nominiert wurde. 1964 für seine Arbeit in "Frauen, die nicht lieben dürfen".
Insgesamt ist "Cable Hogue" ein wunderbar komischer Abgesang auf den Western. Die Rachegeschichte läuft eher im Hintergrund mit und sie wird nur halbherzig ausgeführt. In zweiter Hälfte gibt es gar eine Belohnung. So ist in Peckinpahs Film die Brutalität nur selten sichtbar, stattdessen setzt der Regisseur auf Versöhnung und eine starke Zärtlichkeit zwischen zwei Aussenseitern der Gesellschaft.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.