Samstag, 25. November 2017

Der Dämon und die Jungfrau







































Regie: Mario Bava

Abhängige Hassliebe in Technicolor....

In der Zeit seiner Entstehung (1963) kam Mario Bavas "Der Dämon und die Jungfrau" in die Schublade primitiver Horrorfilme, die katholische Kirche empörte sich etwas über das Sado/Maso Thema und der Film lief dann im Kinonachtprogramm wie alle anderen B-Movies. Erst viele Jahre später wurde Bava ja als Kino-Magier entdeckt und heute hat er nicht nur berühmte Fans wie Tarantino, Burton oder Scorsese, sondern eine grosse weltweite Fangemeinde. Damals hatte er aber noch keinen grossen Namen, aber einen Ruf zu verlieren, das Thema war brisant und so erscheint als Name des Regisseurs sein Pseudonym John M.Old.
Tatsächlich wurde der Film dann auch noch für die Kinoauswertung geschnitten. Vor allem die Reaktionen des Opfers auf die Peitsche, so entstand der Eindruck, dass die Züchtigung nur dem Täter Befriedigung verschaffte.
Somit wurde die besonders fatale Konstellation nicht nur entschärft, sondern eliminiert.
Nun, der Titel ist irreführend, auch wenn die schöne und geheimnisvolle Nevenka (Daliah Lavi) tatsächlich von einem Dämon in der Gestalt von Kurt Menliff (Christopher Lee) heimgesucht wird, eine Jungfrau ist sie keineswegs. Sie ist mit kurts Bruder Christian (Tony Kendall) verheiratet, hatte vorher ein Verhältnis mit dem Scheusal Kurt, der sie immer lustvoll mit der Peitsche bearbeitete und sie den Schmerz liebte. Daher auch der sinnvollere Originaltitel "La frusta e il corpo" (Die Peitsche und der Körper). Die ungewöhnliche Mischung aus Gothic, Expressionismus und Cinemascope-artiger Wucht der Bilder zählt für mich neben "Stunde, wenn Dracula kommt", "Blutige seide", "Lisa und der Teufel" und "Blutrausch des Satans" zu den besten Filmen des Regisseurs, der inzwischen als der italienische Hitchcock bezeichnet wird.






Als Location dient ein Schloss am Meer, das Anwesen der Menliffs. Düster, mit langen Gängen, ebenso dunklen Verliessen, eine unheimliche Familiengruft.
Kurt Menliff kehrt auf das Schloß seiner Familie zurück, er wurde vom Vater (Gustavo de Nardo) verstossen. Als Vorwand der Rückkehr gibt er die Hochzeit seines bruders an und bittet wegen der Vergangenheit um Verzeihung. In Wirklichkeit ist er gekommen wieder als Erbe des Menliff-Vermögens eingesetzt zu werden. Kurt ist ein selbstsüchtiger Egoist, die Haushälterin Giorgia (Herrit Medin) wünscht ihm den Tod, weil ihre Tochter dem Schuft ebenfalls verfallen war und als er sie verliess Selbstmord begangen hat. Und da wären noch der Hausdiener Losat (Luciano Pigozzi) und Giorgias zweite Tochter Katia (Isli Oberon)...dann verschwindet Nevenka und gleichzeitig geschieht ein Mord....
Magische Technicolorfarben, so opulent wie bei Visconti und essentielle Stilmittel des klassischen Gothic Horror dominieren die Szenerie absolut. Bava schwelgt in dieser traumhaften, gotischen Atmosphäre, fügt virtuose Beleuchtungstricks hinzu, Farben erhalten eine eigene Ausdruckskraft und diese dominante Bildsprache der Kamera (David Hamilton) wird zusätzlich durch einen Score von Carlo Rustichelli intensiviert.
Keine Frage: Ein wunderbarer Bilderfilm...






Bewertung: 10 von 10 Punkten

Das Kind


 





































Regie: Jean Pierre und Luc Dardenne

Ein Kind...

Filme wie "l`enfant" haben im europäischen Kino eine lange Tradition, die jedoch leider immer seltener geworden ist. Vor Jahrzehnten haben diese Geschichten über soziale Aussenseiter, fernab von allen Hollywood-Klischees, ein Millionenpublikum gerührt und vielleicht sogar im besten Fall die Sichtweisen verändert.
In Sicas Meisterwerks des Neorealismus "Fahrraddiebe" beispielsweise sucht der arme Arbeiter Antonio Ricci mit seinem kleinen Sohn Bruno das gestohlene Fahrrad, ohne das er aufgeschmissen ist und wieder arbeitslos sein muss. Diese Kinobilder verfolgten Ende der 40er Jahre Millionen Zuschauer auf der ganzen Welt....doch die Sehgewohnheiten im Kino ändern sich. Immer seltener hat diese Art von Film noch einen lohnenswerten kommerziellen Erfolg. Immerhin gelingt einigen solcher Filme wie "Tee im Harem des Archimedes", "Hass" oder "Gestohlene Kinder" immer mal wieder ein schöner Achtungserfolg und genau diese extrem realistische, allerdings auch schöne und poetische Annährung der Tristesse vermittelt wie seine Vorbilder der belgische Film der beiden Dardenne Brüder.
Schauplatz ist die Kleinstadt Seraing, wo die dort einmal dominierende Industrie mit vielen Arbeitern immer mehr an Bedeutung verliert - dadurch eine grosse Arbeitslosigkeit verursacht, wie fast überall in der Wallonie.
Seraing ist grau, kühl bis kalt und nicht anders als die heute diskutierten und brisanten Trabantensiedlungen in anderen europäischen Ländern.
Und in solch einer Umgebung lebt der junge Kleinkriminelle und Hehler Bruno. Einen geregelten Job will er schon gar nicht mehr haben, stattdessen lebt er in den Tag hinein - macht Diebestouren mit einer Bande von Minderjährigen und verkauft dann. In diesem Metier kennt er sich aus, muss er auch: Denn es ist sein Zubrot zur minimalen Stütze durch den Staat.
Nun ist Bruno Vater geworden. Seine Freundin Sonia schleppt den Kleinen die ganze Zeit mit sich rum, er soll das Baby anfassen, hochheben...scheut aber diese Berührungen, solche Gefühle sind ihm fremd.
So denkt er sich gar nicht so viel dabei, als Sonia ihn mit dem Kleinen im Kinderwagen für kurze Zeit alleine auf den Strassen spazieren fahren lässt, das Baby ganz spontan möglichst gewinnbringend an eine Bande von Kinderhändlern zu verkaufen. In dem Moment verändert sich alles, das bisherige Leben läuft aus dem Ruder, die Situation eskaliert...




"L`enfant" wurde in Cannes mit der goldenen Palme ausgezeichnet. Einen Preis, den die belgischen Regisseure bereits 1999 mit einem weiteren, ähnlichen Film "Rosetta" erringen konnten.
Bei der Vergabe der Cesars 2006 wurde er in den Kategorien "Bester Film", "Beste Regie" und "Bestes Originaldrehbuch" nominiert. Mit einer weiteren Nominierung wurde auch die Darstellerin der Sonia - Déborah François bedacht.
Auch bei der Felix Verleihung war der Film mehrmals nominiert. Unter anderem wurde die eindrucksvolle Darstellung des Bruno von Newcomer Jérémie Renier gewürdigt. Bei der Wahl zum besten Film unterlag "LŽenfant" dem Haneke Meistwerk "Cache".
Der sehr traurige, fast sprachlos machende, aber vor allem wunderbar poetische Film mit diesen beiden neuen Gesichtern ist eine echte Kaufempfehlung an Leute, die solche Gegenwartsthemen inkl. moralischen und emotionalen Reifeprozess im heutigen Kino vermissen.
Im Grunde ist der Film eine Studie über heute fast schon kollektiv verloren gegangene Werte und dies zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten.




Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Z







































Regie: Costa Gavras

Das politische Attentat..

Der Ort der Handlung wird zwar ausdrücklich nie genannt, aber alle Indizien sprechen für Griechenland.
"Z" gilt als DER Klassiker des politisch engagierten Fims und der aus Griechenland stammende Regisseur Constantin Costa-Gavras beleuchtet die Hintergründe der Errichtung der griechischen Militärdiktatur unter dem Obristenregime in den 60er Jahren.
"Z" (griechisch: Ζεί) bedeutet  "er lebt" und meint damit den Oppositionspolitiker (Yves Montand), der vielleicht einem politischen Attentat zum Opfer gefallen ist.
Der französisch-algerischer Spielfilm entstand im Jahr 1969 nach der gleichnamigen Romanvorlage von Vassilis Vassilikos und wurde ein riesiger Kinoerfolg.
Es laufen in der Stadt die letzten Vorbereitungen für eine Kundgebung der oppositionellen Fraktion, wo der kommunistisch orientierte Chef der pazifistischen Oppositionsgruppe (Montand) eine Rede über Abrüstung halten will. Das Staat, in dem das Militär und das Königshaus das Sagen hat, sieht in dem charismatischen Politiker und populären Universitätsprofessor eine große Gefahr für die innere Sicherheit.
Genauso wie eine aufkeimende Opposition, die von den führenden Staatskräften als "Mehltau" bezeichnet wird.
Die engsten Vertrauten (Charles Denner, Jean Bouise, Bernard Fresson) holen den Mann der Stunde vom Flughafen ab, doch sie haben schlechte Nachrichten: Die Polizei und das Militär, repräsentiert durch den Polizeioberst (Julien Guiomar) und den General (Pierre Dux) haben dafür gesorgt, die Veranstaltung nicht nur zu boykottieren, sondern zu sabotieren, damit sie erst gar nicht durchführbar ist.
Der große Saal, indem die Rede gehalten werden soll, entspricht plötzlich nicht mehr den Sicherheitsstandarts und die Männer müssen auf eine andere, wesentlich kleinere Lokalität ausweichen.
Dort ist zwar die Polizei präsent, aber es scheint so, dass sie eher die aggressiven Kräfte in Form einer gewaltbereiten Schlägertruppe, zumindest schweigend duldend und gar nicht helfend eingreift, wenn die gehassten Oppositionellen beschimpft oder gar körperlichen Angriffen ausgesetzt ist.
In dieser aufgeheizten Stimmung, bei dem auch der General anwesend ist und extra auf das Gastpiel des Bolschoi-Balletts verzichtet hat, wird der Politiker mit einem Schlagstock am Kopf verletzt.
Trotzdem hält er seine Rede.
Weil in dem Saal nur ein paar hundert Zuhörerinnen und Zuhörer Platz gefunden haben, wird die Rede über Lautsprecher auf den Platz vor dem Gewerkschaftshaus übertragen, wo sich mehrere tausend Anhänger der Oppositionspartei und genauso viele Gegner versammelt haben. Ein größeres Polizeiaufgebot steht bereit. Der Pressefotograf (Jacques Perrin) wird festgenommen. Nach der Rede schlägt die Stunde für zwei Mitglieder der Royalistisch Christlichen Union (Renato Salvatori/Marcel Bozzuffi), die den Politker, der die Straße überqueren will, noch einmal von einem dreirädigen Lieferwagen aus, mit einem Schlagstock schwer verlezten, so schwer, dass er zusammenbricht und ins Krankenhaus muss.
Während seine Frau (Irene Papas) benachrichtigt wird, kämpfen die Ärzte verzweifelt um das Leben des Mannes, dessen Gehirn schwer verletzt ist, der aber ein kräftiges Herz hat.
Währenddessen wird der junge, aufstrebende Ermittlungsrichter (Jean Louis Trintignant) vom Staatsanwalt (Francois Perrier) beauftragt die Ermittlungen in diesem Fall aufzunehmen. Die Vorgaben sind klar: Keine schlechte Presse dem Ausland liefern, alles wird gut, wenn man den Mordanschlag als bedauerlichen Unfall zweier Betrunkener darstellen könnte, die aus Versehen den Politiker überfahren haben...




Als sich Constantin Costa-Gavras, bewegt von dem menschlichen und politischen Skandal in seinem Heimatland, an die Arbeit zu seinem Film machte, wollte aus Angst zunächst niemand dieses gewagte Projekt unterstützen. Schließlich gründeten Eric Schlumberger und Jacques Perrin eine eigene Produktionsfirma, um die Entstehung des Films zu ermöglichen. Weitere Unterstützung fanden sie bei Costa-Gavras, Yves Montand, Jean-Louis Trintignant, Irène Papas und anderen hochkarätigen Schauspielern, die für die Umsetzung des wichtigen Filmstoffs auf den Großteil ihrer Gage verzichteten. Eine ausschlaggebende Rolle in dem Film spielte auch die Musik von Mikis Theodorakis, der im übrigen 1963 die Lambrakis-Jugendbewegung gegründet hatte und deren Vorsitzender war.
Es gelang ihm ein packender und politisch engagierter Film, dessen bewegende Bilder des Attentats und dessen Tatorts im Gedächtnis bleiben.
Die Schauspieler vollbringen eine klasse Ensembleleistung.
Bewusst bleiben die Hauptfiguren namenlos, denn die Scheindemokratie in "Z" steht nicht nur für die damaligen griechischen Verhältnisse, sondern für alle ähnlichen Regime.





Bewertung: 10 von 10 Punkten.

I... wie Ikarus

Regie: Henri Verneuil

Die tiefsten Abgründe im politischen System...

Der amtierende Staatspräsident Jary (Gabriel Cattand) hat die Wahl gewonnen und steht unmittelbar vor seiner zweiten Amtsperiode, die gebührend gefeiert werden soll. Eine riesige Menschenmenge hat sich vor dem Regierungspalast versammelt, um dem Wiedergewählten zuzujubeln, der jeden Moment mit seinem Tross in einer offenen Limousine der Menge immer näher kommt. Begeisterte Zuschauer stürzen auf den Wagen, wollen ihren beliebten Präsidenten feiern, doch dann fallen plötzlich Schüsse. Der Präsident ist getroffen, was eine sofortige Massenpanik auslöst. Einer der Zuschauer will einen Schützen auf dem Dach des Hochhauses entdeckt haben.
Tatsächlich wollte der Einzelgänger Karl Eric Daslow (Didier Sauvegrain) das Attentat ausführen, aber er musste feststellen, dass er betrogen wurde und nur als Strohmann fungieren sollte. Er wird auf seiner Flucht von einem unbekannten Mann hingerichtet, aber es sieht eindeutig danach aus, dass der Psychopath Daslow sich selbst nach der Ausführung des Attentats suizidiert hat, um der Festnahme zu entgehen.
So jedenfalls sieht es ein Jahr später die extra ins Leben gerufene Heiniger Kommission unter der Leitung von Frederic Heiniger (Michel Etcheverry), seines Zeichens Justizminister in diesen fiktven westlichen Staat.
Diese Untersuchungskommission bestand aus 6 Leuten, einer davon ist der Staatsanwalt Henri Volney (Ives Montand), der als einziger Zweifel an den Schlussfolgerungen des Reports anmeldet und somit laut Reglement den Fall Jary neu aufrollen muss.
Dabei wird bei der Sichtung von privaten Filmaufnahmen, die er zugeschickt bekommt, dass ein Amateurfilmer wahrscheinlich sehr aufschlussreiches Filmmaterial anzubieten hat. Dies kostet Geld, aber auch die Erkenntniss, dass die neun Zeugen auf den Aufnahmen alle - bis auf einen - aufgrund tragischer Unfälle bereits verstorben sind.
Die allen gefällige Theorie des geistesgestörten Einzeltäters kommt damit ins Wanken, es wird Zeit sich damit auseinanderzusetzen, dass der Präsident einer Verschwörung zum Opfer fiel...




Henri Verneuils "I wie Ikarus" aus dem Jahr 1979 orientiert sich etwas an der Ermordung Kennedys und stellt Fragen wie  "Für welche Politik stand der ermordete Präsident ein?"  "Wem hätte diese Politik Schaden oder Nachteile bringen können?"
Darüberhinaus gibt er in der berühmten Sequenz, die das Milgram Experiment vorstellt, Aufschluss darüber, wie ein Mensch zu einer bestimmten Tat angestift werden kann. Es braucht laut diesem Experiment eine Autorität, die der Betreffende als solche anerkennt und dann Befehle bis zum Äussersten ausführen kann.
Und genau dieser Autorität kommt der Staatsanwalt in seinen Ermittlungen sehr nahe, keine Frage, dass dies sehr gefährlich werden kann.
1980 war I wie Ikarus in den Kategorien bester Film, Hauptdarsteller (Yves Montand), Drehbuch, Filmmusik (Morricone) und Szenenbild für den César nominiert, konnte sich aber damals nicht gegen die harte Konkurrenz wie Polanskis "Tess" durchsetzen.
Heute zählt "I wie Ikarus" unbestritten zu den ganz großen Beiträgen des Politthrillers und weist eine ähnlich hervorragende Qualität wie Costa Gavras "Z" aus.




Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

Freitag, 24. November 2017

Pickpocket







































Regie: Robert Bresson

Der Taschendieb...

Robert Bresson hat in seiner langen Karriere beim Film zwar nur 13 Spielfilme gedreht, dennoch gehört er zu den einflussreichsten Regisseuren Frankreichs und seine Filme werden auf der ganzen Welt sehr geschätzt und geliebt.
Hierzulande gibt es allerdings nur die wenigsten seiner Filme auf DVD, viele seine Meisterwerke wie "Zum Beispiel Bathasar", "Ein zum Tode Verurteilter ist entflohen" oder "Tagebuch eines Landpfarrers" sucht man vergebens.
Einer seiner bekanntesten Filme ist sicherlich der 1959 gedrehte "Pickpocket" - die Geschichte eines Taschendiebs, wie immer holte er sich nichtprofessionelle Gesichter für die Verkörperung der Figuren. Ein echter Taschendieb-Profi war auch im Team: Kassagi, ein Pariser Meister des Diebstahls, der den Akteuren die Bewegungen und Tricks seiner Zunft beibrachte und den genialen Raubzug in der Gare de Lyon cheoreografierte. Bresson ist wie der Russe Tarkowski ein sehr religiöser und christlicher Filmemacher. Sein Stil ist minimalistisch und aksetisch. In allen seinen  Filmen geht es um die Selbstverwirklichung des Menschen aus dem Glauben und um die Bewahrung bzw. Gewinnung seiner Freiheit. Seine Filmbilder sind streng durchkalkuliert, aber nüchtern - so wirkt die Geschichte vor allem durch die Bezüge von Bildern. Er wählt diese Einfachheit, um jegliche Manipulation des Zuschauers zu vermeiden. Der muss sich selbst bemühen zu deuten.
"Pickpocket" erzählt die Geschichte des jungen Intellektuellen Michel (Martin Lasalle), der keiner geregelten Arbeit nachgeht, obwohl sich sein bester Freund Jacques (Pierre Leymarie) immer wieder bemüht, dass er einen Job bekommt. Doch das Nichtstun ist ihm lieber, da er die Freiheit schätzt und die These vertrtt, dass bestimmte Menschen das Recht haben sich über die Gesetze hinwegzusetzen. Dies bringt ihn auch auf die Idee sein Glück als Taschendieb zu versuchen. Seine bettlägerige Mutter (Dolly Scal) besucht er auch seit längerer Zeit nicht mehr. Bei einem Pferderennen stiehlt er einem Zuschauer etwas Geld. Als er die Rennstrecke verlässt, wird er von einem Kriminalkommissar (Jean Pelegri) verhaftet. Doch er wird wieder frei gelassen, da die Beweise gegen ihn nicht ausreichend sind.  Mit dem gestohlenen Geld will er zu seiner Mutter, um ihr einen Teil davon zu geben. Doch im Treppenhaus lernt er Jeanne (Marika Green),  die neue Nachbarin der Mutter kennen.  Diese bittet ihn darum, dass er doch öfters die Mutter besuchen soll - doch er scheut sich nun die Mutter sehen zu wollen und gibt Jeanne das Geld mit der Bitte den Betrag der Mutter zu übergeben.
Immerhin verabredet er sich in der Folgezeit mit Jeanne, auch sein Freund Jacques ist dabei. Dieser verliebt sich in Jeanne. Michel lernt auf seinen Beutezügen einen anderen Taschendieb (Kassagi) kennen, bald arbeitet er mit einem weiteren Komplizen (Pierre Etaix) im Trio. Dabei wird die Bande immer versierter und aus dem Zweck für den Lebensunterhalt zu sorgen wird eine echte Besessenheit. Doch der Kommissar taucht immer mal wieder auf....




Regisseur Paul Schrader bekannte "Bresson zeigte mir, dass man einen Film machen kann, wo die Hauptfiguren ein Mann und sein Zimmer sind" - tatsächlich lebt der hochmütige Michel trotz erfolgreicher Diebestouren in einem Loch von Zimmer. Seine Beute hat er im Zimmer versteckt, er benutzt nicht viel zum Ausgeben. Keine Statussymbole, noch will er das Mädchen Jeanne damit beeindrucken. Das Diebstahl-Handwerk inszenierte Bresson immer wieder als ein Ballet geschmeidiger Finger. Der Dieb hat für einen Moment das Gefühl einer Besitzergreifung des Anderen, ohne das dieser etwas von der Macht bemerkt. Dabei ist die Hauptfigur immer auf der Suche nach der Freiheit - aber interessanterweise findet er diese dann erst am Ende als Gefangener in einer Gefängniszelle. Von großer Suggestivkraft ist die Handlung des Taschendiebs, er wandelt durch die Straßen von Paris wie ein Somnambuler, der sich in einem tiefen Schlaf befindet. Am Ende steht die Liebe und der Satz aus dem Off "Was für einen merkwürdigen Weg musste ich gehen, um zu dir zu kommen".




Bewertung: 9 von 10 Punkten.