Samstag, 17. August 2024

Oben


Regie: Pete Docter und Bob Petersen

Die Reise des alten Herrn Fredericksen...

"Oben" aus dem Jahr 2009 ist der zehnte computeranimierte Film der Pixar Studios und Walt Disney und war der Eröffnungfilm der Filmfestspiele 2009 in Cannes. Der Umsatz in den Kinos war hervorragend bei einem Einspielergebnis von 735 Millionen Dollar, was im Jahresranking der erfolgreichsten Kinofilme zu einem 6. Rang führte. Insgesamt hat die Geschichte des 78 jährigen Carl Fredericksen einen starken melancholischen Einschlag und sein Gesicht hat gewollte Ähnlichkeit mit der großen Kinolegende Spencer Tracy. Auf eine ganz moderne Ausrichtung in Story und Optik verzichteten der Regisseur Pete Docter und Co-Regisseur Bob Petersen. Stattdessen setzten sie auf die klassische Struktur alter Abenteuerfilme aus der Zeit des alten Hollywoods. Der zehnjährige Carl Fredricksen vergöttert den berühmten Entdecker Charles Muntz, der in Verruf gerät, als sich ein riesiges Vogelskelett, das er von Paradise Falls in Südamerika mitgebracht hat, als Fälschung entpuppt. Muntz reist zurück zu den Wasserfällen und schwört, nicht zurückzukehren, bis er ein lebendes Exemplar mitbringen kann. Carl freundet sich mit Ellie an, einer weiteren jungen Muntz-Anhängerin, die ein Sammelalbum über ihre Abenteuer führt und davon träumt, ihr „Clubhaus“ (ein verlassenes Haus) nach Paradise Falls zu verlegen. Carl und Ellie heiraten schließlich, renovieren das Clubhaus und ziehen ein. Sie arbeiten im Stadtzoo als Ballonverkäufer bzw. Tierpfleger. Ellie erleidet eine Fehlgeburt und es wird angedeutet, dass sie keine Kinder bekommen kann. Obwohl das Paar Geld für eine Reise nach Paradise Falls spart, müssen sie ihre Ersparnisse immer wieder für dringendere Dinge wie Reparaturen an ihrem Haus und Auto ausgeben. Viele Jahre später beschließt der inzwischen betagte Carl, Ellie mit Tickets nach Südamerika zu überraschen, aber sie wird krank und muss ins Krankenhaus. Ellie gibt Carl ihr Sammelalbum, bevor sie stirbt. Carl, jetzt Ende 70 ist ein einsamer Mann, während die Häuser in der Nachbarschaft um ihn herum saniert werden. Nachdem er einen Bauarbeiter unbeabsichtigt verletzt hat, wird Carl vom Gericht als öffentliche Bedrohung eingestuft und muss in eine Pflegeeinrichtung ziehen. Carl beschließt jedoch, sein Versprechen gegenüber Ellie zu halten und ihr Haus nach Paradise Falls zu verlegen, und befestigt Tausende von Ballons daran, um dorthin zu fliegen. Russell, ein junger Pfadfinder, der versucht, sein letztes Verdienstabzeichen für die Unterstützung älterer Menschen zu verdienen, wird versehentlich zum blinden Passagier. Bevor Carl landen und Russell nach Hause schicken kann, treibt ein Sturm das Haus bis nach Südamerika. Dort begegnen sie einem riesigen, flugunfähigen Vogel, den Russell Kevin nennt (von dem sie aber später erfahren, dass es sich um ein Weibchen handelt), und Dug, einem Golden Retriever, dessen Halsband ein Gerät hat, das seine Gedanken in menschliche Sprache übersetzt. Nach gescheiterten Versuchen, die Tiere loszuwerden, nimmt Carl beide widerwillig auf. Sie werden von einem Rudel Hunde umringt, die alle Übersetzerhalsbänder tragen. Der Herr der Hunde ist der 92-jährige Charles Muntz. Muntz lädt Carl und Russell an Bord seines Luftschiffs ein und erzählt von seiner Mission, einen Vogel zu fangen. Carls anfängliche Freude über das Treffen mit seinem Helden schwindet, als ihm klar wird, dass Muntz' Besessenheit ihn in den Wahnsinn getrieben hat. Nachdem Muntz ihnen ein Skelett des Vogels gezeigt hat, bemerkt Russell dessen Ähnlichkeit mit Kevin. Muntz wird feindselig und deutet an, dass er andere Reisende ermordet hat, von denen er vermutet, dass sie ebenfalls auf der Suche nach dem Vogel waren. Damit heißt es für die vier: Sofortige Flucht... 









"Oben" ist ein sehr origineller und eigenständiger Animationsfilm, der einen epischen Geist mit sich führt. Er ist berührend, wird jedoch nie kitschig und auch optisch ist alles perfekt umgesetzt. Wer Oben mit einiger Aufmerksamkeit ansieht, wird bewegt und erstaunt sein von der Sparsamkeit, mit der bestimmte visuelle Elemente im gesamten Film mit Emotionen aufgeladen werden. Bei den 82. Academy Awards wurde "Oben" fünfmal nominiert (Bester Film, Bestes Drehbuch, bester Tonschnitt, Bester Animationsfilm, beste Filmmusik) und davon wurde in den Kategorien Bester Animationsfilm und beste Filmmusik ein Sieg eingefahren. 







Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Pinocchio


Regie: Ben Sharpesteen und Hamilton Luske

Lebendige Holzmarionette...

Es gab schon sehr viele Verfilmungen von "Pinocchio", der Autor Carlo Collodi (1826 bis 1890) schuf die Figur der hölzernen Figur, die durch eine Fee zum Leben erweckt wird. Erst nach seinem Tod wurden die Geschichten veröffentlicht. In den letzten Jahren wagten sich Regisseure wie Guillermo del Toro oder Matteo Garrone an diesen Stoff, bei beiden Filmemacher war die Neuverfilmung sehr geglückt. Die bekannteste Filmadaption ist jedoch immer noch die Disney Zeichentrickverfilmung aus dem Jahr 1940, dem zunächst kein riesiger Erfolg an der Kasse beschieden war. Die Enttäuschung lag aber eher an dem Vergleich mit dem beispiellosen Erfolg von "Schneewittchen und die 7 Zwerge".
Die Studioberichte über die endgültigen Einspielergebnisse des Films schwanken zwischen 1,4 und 1,9 Millionen Dollar. Der Animationshistoriker Michael Barrier weist darauf hin, dass Pinocchio bis September 1940 weniger als eine Million Dollar an Verleiheinnahmen einbrachte, und in seinem ersten öffentlichen Jahresbericht machte Walt Disney Productions dem Film einen Verlust von 1 Million Dollar aus. Im Laufe der weiteren Jahre und durch diverse Wiederaufführungen kam insgesamt 164 Millionen Dollar an Umsatz heraus.
Ausserdem listet das American Film Institute "Pinocchio" in der Liste der besten Zeichentrickfilme auf Platz 2 noch vor "Bambi" . Auf Platz 1 wurde das bereits erwähnte Märchen von "Schneewitchen und die 7 Zwerge" gewählt
Im Italien des späten 19. Jahrhunderts kommt Jiminy Cricket in die Werkstatt eines Schreiners und Spielzeugmachers namens Geppetto, der eine Puppe herstellt, die er Pinocchio nennt. Als er einschläft, wünscht sich Geppetto von einem Stern, dass Pinocchio ein richtiger Junge wäre. Er sagt seiner Katze Figaro und seinem Goldfisch Cleo Gute Nacht. Spät in der Nacht besucht die Blaue Fee die Werkstatt und erweckt Pinocchio zum Leben, obwohl er eine Puppe bleibt. Sie teilt ihm mit, dass er ein richtiger Junge werden wird, wenn er sich als mutig, ehrlich und selbstlos erweist. Als Jiminy sich zu erkennen gibt, bestimmt ihn die Blaue Fee zu Pinocchios Gewissen. Geppetto erwacht, als er den Lärm hört, der durch Pinocchios Sturz entsteht, und ist überglücklich, als er entdeckt, dass er lebt und ein richtiger Junge werden wird. Am nächsten Morgen wird Pinocchio auf dem Weg zur Schule von dem Betrügerfuchs Honest John und seinem Kumpanen Gideon the Cat in die Irre geführt. Honest John überredet ihn, trotz Jiminys Protesten bei Strombolis Puppentheater mitzumachen und die Schule zu schwänzen. Pinocchio wird Strombolis größte Attraktion, doch als er versucht, nach Hause zu gehen, sperrt Stromboli ihn in einen Vogelkäfig und hat den Plan mit Pinocchio um die Welt zu reisen. Nachdem Jiminy vergeblich versucht, seinen Freund zu befreien, erscheint die Blaue Fee und ein besorgter Pinocchio lügt über das Geschehene, woraufhin seine Nase wächst. Die Blaue Fee stellt seine Nase wieder her und befreit Pinocchio, als er verspricht, Wiedergutmachung zu leisten, warnt ihn jedoch, dass sie ihm nicht weiter helfen könne. In der Zwischenzeit beauftragt ein geheimnisvoller Kutscher Honest John, ungehorsame und unartige Jungen zu finden, die er nach Pleasure Island bringen soll, einem berüchtigten und ruchlosen Ort. Honest John überredet Pinocchio trotz der rechtlichen Risiken erneut und so geht er nichtsahnend mit anderen Jungs an diesen bösen Ort...








Am Ende wird natürlich alles gut, aber zuerst muß ein richtiger Junge noch seinen Mut beweisen, indem er seinen Vater, den Kater und den Goldfisch aus dem Bauch des Wals befreit. Natürlich ist Grille Jimini stets mit an seiner Seite. Der Film erhielt 1940 zwei Oscars. Einmal für den besten Musikscore und auch der Filmsong "When you wish upon a star" wurde ausgezeichnet.
"Pinocchio" gehört sicherlich zu den ganz großen Filmen der Disney Studios, auch wenn das Studio weiterhin mit sehr guten, moderneren und zeitgemässeren Zeichentrick- und Animationsfilme riesige Erfolge feiert. Die ganz großen Highlights entstanden jedoch in den 30er und 40er Jahren.











Bewertung: 9,5 von 10 Punkten. 

A Silent Voice


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Naoko Yamada

Täter und Opfer...

Anfang Oktober 2015, wurde bekannt, dass Kyoto Animation einen Anime-Film basierend auf der Manga Serie produzieren würde, der von Naoko Yamada gedreht und von Shochiku vertrieben werden würde. Ein Jahr später wurde dieses Anime-Drama gedreht. Er enthält neben der "Coming of Age" Geschichte schwere Themen wie Mobbing aufgrund von Behinderung an der Schule und Selbstmord von Jugendlichen.
Er erzählt die Geschichte eines ehemaligen Mobbers, der zum sozialen Außenseiter wurde und sich entscheidet, wieder Kontakt zu dem tauben Mädchen aufzunehmen, das er Jahre zuvor gemobbt hatte, und sich mit ihm anzufreunden. Auch der Umgang mit Schuldgefühlen wird durch diese thematische Konstellation sichtbar. Der Verlauf des Mobbings wird präzise und intuitiv in schnellen Sequenzen dargestellt. Es wird als kollektives Versagen dargestellt, vor allem durch die Klassengemeinschaft selbst, unter denen sich Mitläufer und Schweiger befinden. Die Regisseurin Naoko Yamada erklärte aber, dass Mobbing gar nicht unbedingt das zentrale Thema ihres Filmes "A Silent Voice" sei, sondern das Hauptaugenmerk gehört dem Schüler Shoya und dessen Persönlichkeit, der sich natürlich in der Entwicklung befindet und der sich verändert.
In Japan löste der Film zunächst eine kontroverse Debatte über Mobbing und Gehörlosigkeit bzw. Schwerhörigkeit aus
Hauptfigur Shoya Ishida ist die Hauptfigur und er ist auch der Erste in seiner Klasse der die gehörlose Shoko, die neu in die Klasse kommt, wegen ihrer Taubheit langsam immer mehr schikaniert. Es kommt soweit, dass Shoko die Schule verlässt. In einer Nachbetrachtung wird Shoya nicht nur von der Schule sondern auch von seinen Freunden als der alleinige Aggressor dargestellt. Shoya behält das Notizbuch von Shoko mit dem sie sich bei ihren Mitschülern immer bemerkbar machen wollte und kommunizieren wollte.
Sein Ruf als Tyrann verfolgt Shoya durch die Mittelschule und er wird in der Highschool zu einem depressiven Einzelgänger, der glaubt, Selbstmord sei seine einzige Erlösung. Er beschließt jedoch, zuerst Wiedergutmachung bei denen zu leisten, denen er Unrecht getan hat, bevor er seinem Leben ein Ende setzt. Shōya versöhnt sich mit Shōko, als sie ihr Notizbuch in dem Gebärdensprachzentrum zurückgibt, das sie besucht, und erkennt, dass sie aufgrund ihrer Schüchternheit immer noch einsam ist. Außerdem freundet er sich mit Tomohiro Nagatsuka an, einem ebenso freundlosen Klassenkameraden, der sich Shōya verpflichtet fühlt, weil dieser ihn vor einem Tyrannen gerettet hat. Shōya versucht, sich mit Shōko zu treffen, um ihr zu helfen, Kois im Fluss zu füttern, sehr zum Ärger ihrer jüngeren Schwester Yuzuru. Als Shōya illegal in den Fluss springt, um Shōkos Notizbuch zu holen, macht Yuzuru ein Foto von dem Vorfall und stellt es online, um ihn von der Schule zu suspendieren. Yuzuru rennt von zu Hause weg, nachdem sie sich mit Shōko über den Vorfall gestritten hat. Shōya bietet Yuzuru an, bei ihm zu bleiben, und die beiden beginnen, eine Bindung aufzubauen. Shōya hilft Shōko wieder Kontakt zu Miyoko Sahara aufzunehmen, einer netten Klassenkameradin, die sich in der Grundschule aufrichtig mit Shōko angefreundet hat und derzeit auf dieselbe Schule geht wie Naoka Ueno, das Mädchen, dass Shōko ebenfalls tyrannisiert hat und sich wieder in Shōyas Leben einschleicht. Shōko lernt auch Miki Kawai kennen, die Klassensprecherin ihrer Grundschule, die jetzt dieselbe Schule besucht wie Shōya und eine Beziehung mit Satoshi Mashiba hat. Später macht Shōko Shōya ein Geschenk und gesteht ihm ihre tieferen Gefühle, rennt aber verärgert davon, als Shōya sie falsch oder überhaupt nicht versteht. Shōya lädt Shōko zu einem Vergnügungspark mit Tomohiro, Miyoko, Miki und Satoshi ein. Zu ihnen gesellt sich Naoka, die in Shōya vernarrt ist und versucht, ihn wieder mit ihren alten Freunden zusammenzubringen. Während eines Feuerwerksfestivals bahnt sich ein Unglück an...







Es gibt einen großen Unterschied zwischen den US-Zeichentrickfilmen von Disney, Pixar oder Dreamworks und den japanischen Animes. Während die US-Filme Vertreter eines kindgerechten Wohlfühlfilms sind, befassen sich die japanischen Verwandten mit ernsteren, realistischeren und erwachsenen Themen. 2016 war "A Silent Voice" einer der 20 erfolgreichsten japanischen Kinofilme. Er wurde auch ins Oscarrennen um den besten Animationsfilm geschickt, erreichte aber nur die Short List, was für starke Kritik sorgte. Denn "A Silent Voice" ist durchaus mitreissend und die Lebenswirklichkeit aller Charaktere wird ernst genommen, sorgfältig entschlüsselt und abschließend behutsam entwirrt. Dieser Film hat durch seinen Tiefgang und der Sicht von Täter und Opfer das Potential Betroffenen Mut zu machen das Leben neu zu ordnen.










Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.