Samstag, 11. August 2018

Der Tod kennt keine Wiederkehr







































Regie: Robert Altman

Die Nacht, in der Philipp Marlowes Katze auscheckte...

Robert Altman macht in "Der Tod kennt keine Wiederkehr" aus dem Jahr 1973 etwas sehr gewagtes: Er transportiert den hardboiled Detective der 40er Jahre Philip Marlowe in die progressiven 70er Jahre und dementsprechend ist auch auch die Gesamtstimmung dieses eher unterbewerteten Neo Noirs. Denn Altman erfüllt sein Ziel perfekt und belebt die Romanfigur von Raymond Chandler mit satirischen Unterton und originellen Überraschungen.
Die 70er Jahre waren sicherlich Altmans kreativsten Jahre, dort entstanden seine Meisterwerke wie "Mash" (1970), "McCabe & Mrs. Miller" (1971), "Diebe wie wir" (1974), "California Split" (1974) oder "Nashville" (1975).
 Auch Altmans Philip Marlowe (Ellliott Gould) ist Kettenraucher und schätzt hochprozentige Getränke. Sein Verhältnis zum anderen Geschlecht ist etwas komplex oder ambivalent. Als Mann ist er durchaus an Frauenbekanntschaften und sexuellen Abenteuern interessiert, zeigt jedoch zumeist eine frauenfeindliche Einstellung - daher ist seine Mitbewohnerin auch vierbeinig und Katze. Sie hört auf den Namen Kittie und ist Fan einer bestimmten Futtersorte, die Marlowe eines Nachts nicht in Reserve hat und da die Katze nicht locker lässt macht er noch einen Mitternachtseinkauf im Supermarkt um die Ecke. Den vier halbnackten Nachbarinnen bringt er noch Schokoladenpudding mit. Kitties Sorte ist ausverkauft, was die kluge Katze natürlich merkt und ihm davon läuft. Davon laufen wird in dieser Nacht auch noch Marlowes Freund Terry Lennox (Jim Bouton), der mit seiner Frau wieder mal Ärger hat und Marlowe bittet ihn noch in der Nacht über die Grenze nach Tijuana zu fahren. Am anderen Tag steht die Polizei vor der Tür und sucht nach Lennox, denn dessen Frau wurde brutal ermordet. Doch die Ereignisse überschlagen sich noch mehr. Die reiche Eileen Wade (Nina von Pallandt), die ebenso wie Lennox in der exklusiven Malibu Colony lebt,  beauftragt den Privatdetektiv ihren Mann, den alkoholabhängigen Schriftsteller und Künstler Roger Wade (Sterling Hayden) zu suchen und nach Hause zu bringen. Derweil erfährt Marlowe, dass sich sein Freund in Mexiko suizidiert haben soll. Fall also erledigt oder doch nicht ? Jedenfalls taucht bald auch der dubiose Arzt Dr. verringer (Henry Gibson) auf und auch der brutale Gangster Marty Augustine (Mark Rydell) tritt ein ins Geschehen, denn er wurde um 350.000 Dollar erleichtert....





Wie die Originale aus den 40er Jahren ist auch Altmans Film sehr verzwickt und die Drehbuchautorin Leigh Brackett, die bereits am Drehbuch zu Hawks "Tote schlafen fest" beteiligt war, hat einige Änderungen von der Vorlage Raymond Chandlers vorgenommen. Für die optimale 70er Jahre Optik sorgt Kameramann Vilmos Zsigmond. Das Schlußbild ist Altman ebenso genial gelungen wie der ganze Film, der mit einigen Besonderheiten aufwartet. Zum einen entpuppt sich Altmans Marlowe als eitler Narzist, der am Ende sprichwörtlich die Katze aus dem Sack lässt. Rache ist ein Gericht, dass er eiskalt in Mexiko serviert. Und alles vielleicht wegen dem ausverkauften Katzenfutter.






Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Spiel mit dem Tode







































Regie: John Farrow

Den Hals in der Schlinge...

Aufregender Film Noir in Rückblenden, von einem Mann, der sich hinter der großen, imposanten Uhr des Verlagshauses Janoth versteckt: Unser Held heisst George Stroud (Ray Milland) und ist ein exzellenter Journalist, der für ein riesiges Medienunternehmen, der Janoth Publications in New York, arbeitet.
Dort ist er der Abteilungsleiter für das "Crimeways" Magazin, mit dem Verbrecher noch schneller als die Polizei entlarvt und gefasst werden soll. Der engagierte Stroud hat dazu ein System entwickelt, in dem auch noch so kleine und bedeutungslose Fakten über die gesuchte Person auf einem großen schwarzen Brett zusammengetragen werden und diese sorgsame Recherche als eine Art Profilertätigkeit fungiert.
Demenstprechend populär ist das Magazin auch bei den Lesern.
Die Janoth Publication gehört dem allmächtigen und tyrannsichen Boss Earl Janoth (Charles Laughton), der von seinen Mitarbeitern regelrecht gefürchtet wird, denn selbst Kleinigkeiten haben die fristlose Kündigung zur Folge.
Bereits 7 Jahre ist George Stroud mehr als engagiert tätig und sehr oft hatte das Privatleben mit seiner Frau Georgette (Maureen O´Sullivan) und dem kleine Sohn das Nachsehen.
Doch diesen Sommer sollte alles anders werden, er schon lang beantragte und auch genehmigte Urlaub in eine einsame Hütte ist zur gleichen Zeit die immer wieder verschobene Hochzeitsreise.
Natürlich cancelt der tyrannische Mogul in letzter Sekunde die wohlverdienten Ferien, was George Stroud so wütend macht, dass er selbst die Kündigung hinnimmt.
Doch diese neue Situation hat zur Folge, dass er in einigen Bars so manchen Drink zu sich nimmt, in seiner Begleitung findet sich auch noch zufällig Strouds Geliebte Pauline (Rita Johnson).
Er verpasst den gemeinsamen Zug mit seiner Frau, stattdessen wird in Paulines Appartment gefrustet weitergefeiert. Bis zu dem Zeitpunkt als Janoth auftaucht. Nun heisst es für Stround verschwinden bevor er gesehen wird.
Am anderen Tag wird er in seinem Ferienort von Steve Hagen (George MacReady), der rechten Hand von Janoth angerufen, mit der lukrativen Bitte einen Mann zu suchen, bei dem George Stroud sofort merkt, dass der Gesuchte niemand anderer sein kann als er selbst...



John Farrow drehte "Spiel mit dem Tode" im Jahr 1948, in den 80er Jahren wurde davon sogar ein Remake "No way out" mit Kevin Costner gedreht.
Das Original ist ein sehr eigenständiger Film Noir, der im Zeitungsmilieu spielt und als Höhepunkt eine Verbrecherhatz in den Gebäuden des Verlagshauses bietet. Die Ausgänge sind verriegelt, die Zeugen, die den Gesuchten identifizieren können und sollen, sind alle im Gebäude und George muss einerseits vor diesen lästigen Augenzeugen sein Gesicht verbergen und andererseits eigene Ideen suchen, die ihn als möglichen Täter in einem Mordfall entlasten. Aber sein Gegner ist raffiniert und hat eigentlich gewaltige Vorteile in diesem Spiel.
Wie immer ist Charles Laughton hervorzuheben, der den Medienmogul fies und böse spielt, aber andererseits auch die Schwächen dieser Persönlichkeit aufzudecken vermag, so dass darunter eigentlich eine traurige Gestalt zum Vorschein kommt.
Erstaunlich sind auch so manche humorvolle Einlagen in sehr ernsten Momenten. So wird die Schreckhaftigkeit eines der Zeugen ein bisschen slapstickmässig gezeigt und Elsa Lanchester als Malerin Patterson bringt wie so oft als Nebendarstellerin viel Farbe ins Spiel...




Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.

Als wir träumten







































Regie: Andreas Dresen

Große Sehnsucht am Stadtrand von Leipzig...

Der 1963 in Gera geborene Andreas Dresen ist sicherlich einer der interessantesten deutschen Regisseure der Gegenwart. Sehr oft setzt er auf einen improvisierten Touch, er verschmäht auch die Handkamera nicht. Dazu erzählt er Geschichten, die das Leben schreibt....das Ganze verpackt in einem sehr realistischen und beinahe schon halbdokumentarischen Stil. Seine "Nachtgestalten" und "Sommer vorm Balkon" haben mir sehr imponiert, die Kritik lobte ihn für "Halbe Treppe" oder "Wolke 9" und seine Filme erhielten schon viele Preise.
Sein neuer Film ist im Leipzig nach der Wende angesiedelt, heißt "Als wir träumten" und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Clemens Meyer. "Als wir träumten" ist die Geschichte einer Jugendclique aus Leipzig. Diese Jugendjahre erleben sie in der neuen Zeit nach der Wende und dem Ende der DDR. Dani (Merlin Rose) ist in "Sternchen" (Ruby O. Fee) verliebt, die aber den Ruf hat mit jedem Kerl schon was gehabt zu haben. Rico (Julius Nitschkoff) träumt vom Durchbruch als Boxer. Paul (Frederic Haselon) hat von einer 28jährigen Asiatin, in die er sich verguckt hat, einen Korb bekommen. Mark (Joel Basman) ist anfällig für Drogen und Pitbull (Marcel Heuperman) liefert ihm den Stoff, denn er braucht Kohle und macht den Dealer. Die Jugendlichen haben kein besonderes Ziel und leben irgendwie in den Tag hinein. Die Träume bleiben irgendwie abstrakt, vielleicht ist es ja der Traum vom schwerelosen Leben, vom Festhalten der schönsten Momente, die die Teenager erleben. Neben Alkohol und Drogen, Schlägereien mit Nazis, Kleindiebstählen und Zerstörungswut ist es auch der eigene Technoclub "Eastside", dem sie ihre Begeisterung widmen. Dieser Club wird von den Jungs natürlich illegal in einem alten leerstehenden Fabrikgebäude illegal betrieben, dort am Stadtrand von Leipzig lassen sie es ordentlich krachen. Jung sein, saufen, Pillen einwerfen, Autos knacken oder grölend und besoffen durch die Nacht rasen – das ist Freiheit. Der Weg zum Erwachsenwerden fällt schwer, genauso wie die Umstellung des Wirtschaftssystems. Dabei waren sie noch alle vor kurzem Jungpioniere im Arbeiter- und Bauernstaat (Chiron Elias Krase, Tom von Heymann, Kilian Enzweiler, Nico Ramon Kleemann, Henning Tadäus Beeck und Luna Rösner spielen in Rückblenden die Cliquenmitglieder im Alter von 13 Jahren, als die Mauer noch stand). Am Ende sind die Träume einer desillusionierten Jugend alle geplatzt...



Andreas Dresen inszeniert die Figuren immer wieder zwischen dem Drahtseilakt einerseits die anarchische Jugend mit allen Exzessen auszuleben, andererseits sehnen sie sich nach den Vorzügen des braven Bürgertums. Sie sind einerseits von der kriminellen Energie fasziniert, andererseits helfen sie auch mal einer Frau aus der Nachbarschaft, die von ihrem betrunkenen Mann geprügelt wird. Einer Rentnerin, die die Jungen in ihre Wohnung einlädt helfen sie, klauen aber auch Geld. Aber eben nicht alles, sondern nur ein bisschen. Es sind diese kleinen Szenen, die vielleicht für etwas Irritation sorgen, aber nahe dran sind am Leben. Dresen zeigt die raue Schale seiner Figuren, aber auch den weichen Kern. Wenn sie beispielsweise bei der Rentnerin Punsch trinken und die scheinbar heile Welt genießen. Alles ist atmosphärisch dicht inszeniert, die Macher haben sehr viel Wert auf die perfekte Ausstattung und stimmige Schaupläzte gewählt. Kraftvoller Film mit kraftvollen, jungen Charakteren, die immer wieder spontan destruktiv reagieren. Unterlegt wird das etwas bittere Coming of Age Geschichte mit Techno Tracks von Marusha, aber auch die Berliner Band Moderat als neuen Vertreter guter elektronischer Musik. Für die Unterteilung der Kapitel hat Andreas Dresen knallig eingeblendete Überschriften gewählt, diesem coolen Style dieser neuen TekknoÄra steht das dreckige und verschwitzte Leben der Protagonisten im alten, zerfallenen Hinterhofmief gegenüber. So ist "Als wir träumten" auch eine Story vom Scheitern. Zu undifferenziert sind die Versuche dem Leben eine neue konstruktive Richtung zu geben.



Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Absolute Giganten







































Regie: Sebastian Schipper

Abschied von der Jugend...


Sebastian Schippers 1999 entstandener Film "Absolute Giganten" ist ein kleiner, feiner Film und noch viel mehr, denn ich zähle ihn zu den besten deutschen Filmen der letzten 20 Jahre. Er schafft das schwierige Spagat zwischen Optimismus und Melancholie, ist einerseits sehr traurig und dennoch in seiner Aussage wunderschön. Es geht dabei um Freundschaft, um das Ende eines Abschnitts, um Abschied und die wirklich wichtigen Dinge im Leben: Freundschaft und ums Kämpfen für das eigene momentane Glück, auch wenn der Alltag viel Tristesse bietet und wenig Perspektive offenbart.
Denn die drei Helden und Freunde des Films sind rein oberfläächlich gesehen zuerst einmal typische Verlierer. Aber Floyd (Frank Giering), Ricco (Florian Lucas) und Walter (Antoine Monot jr) sind auch Hamburger Jungs und die lassen sich nicht so leicht unterkriegen. Sie sind zwar sozial nicht unbedingt begünstigt. Walter ist Lackierer in einer schäbigen HInterhofwerkstatt. Ricco rappt was das Zeug hält und arbeitet im Schnellimbiss. Floyd, der eigentliche Anführer der drei Freunde, hat als Bewährungsstrafe in einem Krankenhaus gearbeitet, jetzt wo die Strafe abgebüßt ist, hat er spontan - ohne seinen Freunden was zu sagen - auf einem Containerschiff in Richtung Kapstadt angeheuert. Somit wird der heutige Tag auch der Tag der Wahrheit und des Abschieds. Zuerst scheint alles noch ausgelassen, man trifft sich zum Fußballspielen und anschliessend kommt das Geständnis, dass die Stimmung deutlich herabsenkt. Die drei Freunde beschliessen aber den letzten Abend noch einmal gemeinsam zu feiern. So fahren sie im friesierten Fort Granada von Walter durch die nächtliche Metropole, sie entdecken eine Stunt Show und bestreiten auch in dieser Nacht das Tischkicker Turnier ihres Lebens. Sie treffen auf Tesla (Julia Hummer), einem jungen Mädchen aus Floyds Wohnsiedlung und besuchen einen Nachtclub. Dort wird heftlig getrunken. Es kommt zu einem Notfall, anschliessend betrachten die vier gemeinsam den Sonnenaufgang am Hafen. Während die Freunde schlafen, nimmt Floyd seine Reisetasche und schaut noch einmal kurz seine Freunde an...


 Sebastian Schipper gelang ein großartiger Coming of Age Film, der auch einen weiteren Hauptdarsteller hat: Die Stadt Hamburg. Sie wird auch etwas grau und trist dargestellt, aber wenn man näher hinsieht tauchen immer wieder hoffnungsvolle Farbtupfer auf, die Menschen füllen die Umgebung und geben ihr Wärme. Die vier jugendlichen Darsteller spielen ihre Rollen hervorragend und jede Figur bekommt mehr und mehr an Tiefe, je länger man sie auf dieser nächtlichen Tour begleitet. Man wünscht ihnen das Beste, dass sie in eine glückliche Zukunft führt. Noch ist alles wunderbar in der Schwebe, wie im richtigen Leben halt. Ein großartiger Film.



Bewertung: 9,5 von 10 Punkten. 

Das Ende des Regenbogens







































Regie: Uwe Friesner

Kein Ausweg aus dem Teufelskreis ?

Der 17jährige Jimmi (Thomas Kufahl) lebt schon seit einger Zeit auf der Straße und geht in West-Berlin auf den Strich. Um zu überleben, muss er sich auch mal durchschnorren, denn soviel Kohle verdient er nicht, wenn er seinen Körper verkauft. Immer wieder gibts dort an den Ecken, wo sich Jimmi aufhält und seine Freier sucht, auch Polizeirazzien und er muss ständig die Festnahme und die Überstellung ans Jugendamt fürchten. Von zu Hause ist er abgehauen. Der Vater ist ein aggressiver Schläger, das Milieu war asozial. Doch das Leben vom Strich und vom Kleinklau ist mager, Jimmi redet öfters davon sich Arbeit zu suchen. Aber zwischen der theoretischen Willenserklärung und der Praxis liegen Welten.
Es fehlen dafür sämtliche Voraussetzungen. Nicht mal einen Pass besitzt der junge Herumtreiber. Ohne Lehre und ohne Arbeit befindet er sich weit von den Spielregeln entfernt, nach denen ein bürgerliches Leben funktionieren würde.
Als er nur durch Zufall einer Polizeirazzia entkommt, trifft er in der Stadt die flüchtige Bekannte Monika (Sabine Beck-Baruth). Er weiß, dass Monika in einer Studenten-Wohngemeinschaft lebt und fragt ob er dort übernachten kann. Aus der einen Nacht wird ein längerer Aufenthalt - mehr und mehr hat sich Jimmy in die WG engenistet. Dabei ist Jörg (Heinz Hoenig) eher misstrauisch und von den ständig wiederholten Sprüchen wie "Geil wa" oder "Scheiße" genervt, der gutmütige Dieter (Udo Samel) empfindet aber etwas für Jimmy und übernimmt ein bisschen die Vater- und Mutterrolle. Er versucht ihm beizubringen wie man sich auf Stellenangebot bewirbt. Jimmy nimmt die Bemühungen aber nicht so ernst, wie er sollte. Immer wieder streift er durch die nächtlichen Straßen von Berlin, geht in Musikkneipen, schlägert sich und lebt so in den Tag hinein. Eines Nachts lernt er die junge Gabi (Slavica Rancovi) kennen, die ebenfalls problembeladen ist und bei ihrer Großmutter wohnt. Gemeinsam keimt ein bisschen Hoffnung auf. Für kurze Zeit bekommt Jimmi sogar einen Job, den er aber schon nach wenigen Tagen wieder verliert, weil er unfähig ist sich dort anzupassen. Was bleibt ist die Rückkehr in die Gosse. Gemeinsam mit seinem Kumpel Bernie (Henry Lutze) fängt er wieder an zu klauen...mit katastrophalen Folgen...



Uwe Friesners Jugendportrait "Das Ende des Regenbogens" ist die Geschichte eines jungen Verlierers in unserer Gesellschaft. Der Regisseur nimmt dabei Bezug auf einen gewissen Andy, der 1976 in der WG des Regisseurs wohnte und irgendwann freiwillig aus dem Leben schied. Der atmosphärisch dichte Coming of Age Film kann auch heute noch genauso wie damals überzeugen. 1980 gewann "Das Ende des Regenbogens" den deutschen Filmpreis in Silber (der Hauptpreis in Gold ging ebenfalls an einen Jugendfilm - ab Norbert Kückelmanns "Die letzten Jahre der Kindheit"). Der junge Laiendarsteller Thomas Kufahl gewann sogar für seine Rolle als Jimmi den Deutschen Filmpreis in Gold als bester Darsteller.  Der Film ist durchweg intensiv und erinnert nicht nur wegen seiner starken Melancholie auch sehr stark an die Geschichten der 70er Kino-Klassiker des neuen deutschen Films wie etwa "Nordsee ist Mordsee" oder "Supermarkt". Ausserdem kann man "Das Ende des Regenbogens" auch als eine Art Vorläuferfilm des populären Kinoerfolgs "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" begreifen. Er funktioniert aber besser, weil er die Tristesse niemals faszinierend einfängt, sondern kalt und ernüchternd. Am Ende des Regenbogens stehen nämlich die Hochhäuser der Trabantenstadt und jede Einstellung von Friesners Film hat eine destruktive Aura. Dabei gelingt ihm ein total gutes Portrait dieses Jugendlichen, der keine Moral kennt, ungebildet ist und im Grunde keine Lust hat sich bürgerlichen Normen zu unterwerfen. Er trödelt lieber herum, lebt in den Tag hinein und ist auch gewissen Launen unterworfen, die er selbst nicht erklären kann. Jimmi ist regelrecht entwurzelt, eine Zukunft gibt es nicht. Der Blick in die Welt eines Jugendlichen, der durch das soziale Netz der Gesellschaft fällt, ist heute so aktuell wie nie. Eine Integration ist utopisch...zu sehr hat der Alltag von Gewalt und Alkohol der Unterschichtfamilie den Jungen geprägt, er kann kaum lesen und schreiben. Ein schonungsloser Blick auf eine kalte, unwirtliche Gesellschaft, in der sich die Kälte irgendwie auch in den Menschen festgesetzt zu haben scheint. Ein echter Glücksgriff ist Laiendarsteller Kufahl, der mit seiner Berliner Gossensprache und seinem ganzen Verhalten sehr authentisch ist. Die Bildästhetik ist typisch 70er Jahre, beim Soundtrack dominiert New Wave wie etwa Lene Lovichs damals populärer Indenpendent- Hit "Home". Ein radikaler, ungehobelter Film aus den ausgehenden 70er Jahren, der durch Vitalität und authentische Dichte überzeugt. Gedreht an Originalschauplätzen mit Laiendarstellern direkt aus der Szene.



Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Die Abfahrer







































Regie: Adolf Winkelmann

Einfach mal abhauen...


Adolf Winkelmanns erster Spielfilm "Die Abfahrer" entstand 1978 und wurde vom WDR finanziert, die Kosten beliefen sich auf sparsame 200.000 DM. Was beweist, dass es nicht Unsummen von Geld braucht, um einen guten Film zu realisieren. "Die Abfahrer" ist eine Mischung aus Roadmovie, Sozialstudie und Komödie und wurde völlig zu Recht im Jahr 1979 mit dem Filmband in Silber ausgezeichnet.
Bereits in seinem Debütfilm erweist sich Winkelmann als ausgesprochener Kenner des Ruhrgebiets. Er kennt Land und Leute und skizziert dabei das Milieu total perfekt. Der Humor ist eher leise, aber sehr gelungen und seine Figuren leben und sind einfach echt. Die Hauptrollen wurden auch mit Laiendarstellern besetzt, was besonders zum Gelingen dieses auf eigene Art sehr poetischen Films beitrug.
Heute würde man sagen "Sie chillen" - Ende der 70er Jahre hängen sie rum und haben leider nichts zu tun. Atze (Detlev Quandt), der seit einiger Zeit arbeitslos ist. Genauso wie sein Freund Sulli (Anastasios Avgeris), der aus Griechenland stammt. Neuerdings hat es auch den jungen Lutz (Ludger Schnieder) erwischt. Nach der Lehre hat man ihn nicht mehr übernommen, doch der Junge hat noch nicht den Mut gefunden es seiner besorgten Mutter (Tana Schanzara) zu sagen. So hängt er nun die letzten 6 Wochen im Hinterhof eines Arbeiterviertels herum. Er geht am Morgen aus dem Haus, als würde er zur Arbeit gehen und kommt Abends wieder heim. Gelegentlich werden die drei Freunde von den Brüdern Lolli (Freddy Garber) und Jürgen (Gerd Weiss) wegen ihrem Nichtstun aufgezogen.
Doch die Zeiten werden sicherlich nicht besser: Ende der 70er Jahre zieht sich die Schwerindustrie aus dem Ruhrgebiet immer mehr zurück, auch die Heimatstadt Dortmund ist betroffen.
Die Nachbarschaft hat viel Zeit zum Quasseln und vom Fenster aus die Straße zu beobachten. So tauchen die drei Müßiggänger auch immer wieder in den Gesprächen ihres Umfelds auf.
Die Weltmeisterschaft ist am Laufen und die Leute sitzen gebannt in den Kneipen oder Zuhause vor der Klotze. Einer der Nachbarn plant seinen Umzug nach Lübeck und so steht der LKW einer Möbelspedition vorübergehend in der Einfahrt zum besagten Hinterhof. Und so kommen die drei Jungs auf die Idee mit dem Lastwagen eine Spritztour zu übernehmen. Es ist auch alles easy: Reserveschlüssel wird gefunden, Atze hat eine Fahrerlaubnis bei seiner Bundeswehrzeit erworben. Und schon kanns losgehen. Was zuerst lediglich als eine Rundfahrt im Viertel geplant ist, weitet sich bald aus. An einer Tankstelle nehmen sie die junge Svea (Beate Brockstedt) mit, die von ihrem Freund sitzen gelassen wurde. Zu Viert peilt man das Ziel "Siegen" an, dort sollen die Möbel hin, wie die vier annehmen. Sie wissen nicht, dass die Feststellbremse kaputt ist. Aber das ist nur eines der Probleme. Inzwischen wurde auch die Polizei von dem Diebstahl in Kentniss gesetzt...


Aber keine Sorge - "Die Abfahrer" ist trotz des realistischen pessimistisch geprägten Ansatzes ein Wohlfühlfilm und vermittelt ein bisschen was von "gemeinsam sind wir stark". Die Szene wurde von Adolf Winkelmann mit ein bisschen Freiheit und Romantik angereichert, so dass der Mensch im Mittelpunkt steht. Seine Sorgen, seine Probleme und auch seine Sehnsüchte.


Bewertung. 9 von 10 Punkten.