Samstag, 18. Januar 2020

David Copperfield


































Regie: George Cukor
Als Hollywood Charles Dickens verfilmte...

Für Regisseur George Cukor war "David Copperfield" aus dem Jahr 1935 ein riesiger Erfolg. Die Verfilmung des bekannten Romans von Charles Dickens spielte über 3,5 Millionen Dollar ein und erhielt überragende Kritiken. Manche sprachen damals sogar von der besten Literaturverfilmung überhaupt. Tatsächlich wirkt seine Verfilmung auch heute noch sehr authentisch und man fühlt sich tatsächlich in die viktorianische Epoche hineinversetzt. Die Besetzung sämtlicher Romanfiguren ist im jedenfalls prächtig gelungen und auch Auge fürs Detail war sicherlich vom Vorteil. Erst im folgenden Jahrzehnt gelang es dem Briten David Lean mit "Geheimnisvolle Erbschaft" und "Oliver Twist" diese Leistung zu übertrumpfen. Seine Dickens Filme sind noch ein bisschen düsterer und sind bis heute unübertroffen.
"David Copperfield" entführt seine Zuschauer ins England des 19ten Jahrhunderts und auch für Produzent David O. Selznick wurde in seinem Vorhaben bestärkt große Weltliteratur als Kinofilm zum Erfolg zu bringen.
Bei der nachfolgenden Oscarverleihung wurde Cukors Film in den Kategorien "Bester Film", "Bester Schnitt" und "Beste Regieassistenz" (Joseph M. Newman) nominiert. Kinderdarsteller Freddie Bartholomew schaffte damit seinen Durchbruch zu einem der größten Kinderstars der Dekade. 
Die junge Clara Copperfield (Elizabeth Allan) ist Witwe und 6 Monate nach dem Tod ihres Mannes wird der kleine David (Freddie Bartholomew) geboren. Der wächst zwar ohne Papa, aber in liebevoller Umgebung bei seiner Mutter und der Dienerin Peggotty (Jessie Ralph) auf. Die Idylle bröckelt allerdings, als der charmante Mr. Murdstone (Basil Rathbone) auftaucht, der um Clara wirbt. Es kommt zur Vermählung, dann zeigt der Mann aber sein wahres Gesicht, das sehr hartherzig und brutal ist. Mit ihm zieht auch seine strenge Schwester Jane (Violet Kemble Cooper) ins Haus und gibt den Ton an. Der Junge bekommt von seinem Stiefvater Prügel, weil der bemerkt, dass er von David nicht akzeptiert wird. Dann wird Clara schwanger und bei der Geburt stirbt sie und das Neugeborene. Ab diesem Zeitpunkt wird es für den kleinen David immer schlimmer. Er wird von Murdstone nach London zum Arbeiten geschickt. Immerhin findet er bei dem gutherzigen Wilkins Micawber (W. C. Fields) nicht nur Kost und Logis, sondern einen väterlichen Freund. Doch Micawber hat immer mal wieder Probleme mit seinen Gläubigern und wird verhaftet. David flüchtet von London nach Dover zu seiner Großtante Betsey (Edna May Oliver), die es verhindert, dass der Junge wieder zum sadistischen Stiefvater leben muss. David wird für seine Schulzeit von der gut betuchten Familie Wickfield (Lewis Stone) aufgenommen. Mr. Wickfields Tochter Agnes (Marilyn Knowlden, als Erwachsene Madge Evans) ist schon als Kind in David verliebt und das ändert sich auch nicht als sie bereits erwachsen ist. David (Frank Lawton) ist nun ein junger Mann, der sein Studium in Canterbury beginnt und sich mit seinem Studienkollegen James Steerforth (Hugh Williams) anfreundet. Beim Besuch einer Ballettaufführung sieht er Dora Spenlow (Maureen O´Sullivan) zum ersten Mal und verliebt sich in sie...



Lionel Barrymore ist als Dan Pegoddy zu sehen und mit Elsa Lanchester und Una 0`Connor sind weitere bekannte Nebendarsteller mit von der Partie. Nicht unerwähnt darf auch Roland Young bleiben, der den verschlagenen Uriah Heep spielt. Cedric Gibbons entwarf eine Nachbildung des London des 19. Jahrhundert auf dem MGM-Gelände. Die Szenen vor Tante Beseys Haus auf den weißen Klippen von Dover wurden in Malibu gedreht.




Bewertung: 8 von 10 Punkten. 
 

Der Dieb von Badgdad








































Regie: Ludwig Berger, Michael Powell & Tim Wheelan

Die unvergessenen Abenteuer von Ahmad und Abu...

Als die Dreharbeiten zu "Der Dieb von Bagdad" im Frühling 1939 in den Denham Studios der Korda Gebrüder beginnen sollten, war alles noch ziemlich chaotisch. Es gab kein Drehbuch, dass Alexander Korda wirklich gut fand. So bat er seinen Darsteller Miles Malleson, der den Sultan spielte, mitzuhelfen einiges umzuschreiben. Der hatte bereits einige Erfahrungen als Drehbuchautor und die Veränderungen gelangen ihm vorzüglich, wie sich zeigen sollte. Als Regisseur wurde zunächst der renommierte deutsche Ludwig Berger engagiert. Doch es gab zwischen dem Regisseur und dem Produzenten grundlegende Meinungsverschiedenheiten. Während Berger eine kammerspielartige, dichte Atmosphäre anstrebte, wünschte sich Korda einen episch breit angelegten und total spektakulären Film. Aus diesem Grund wurden Michael Powell und Tim Whelan als Co-Regisseure verpflichtet. Dadurch verzögerten sich die Dreharbeiten und das Budget wurde immer höher. Am Ende mussten die Dreharbeiten durch Großbritanniens Eintritt in den 2. Weltkrieg wieder unterbrochen werden. Erst am 5. Dezember 1940 kam es in der Radio City Music Hall zur Weltpremiere. Diese wurde von der Kritik und vom Publikum begeistert aufgenommen. "Der Dieb von Badgad" wurde ein großer Kassenerfolg und ist bis heute ein überragender Klassiker. Die Spezialeffekte wurden nach den Ideen Kordas von Lawrence Butler und Jack Whitney eingesetzt. Berühmt sind die Szenen mit dem fliegenden Pferd, dem fliegenden Teppich sowie die Gestaltung des riesenhaften Djinns, der durch geschickte Überblendungen in Szene gesetzt wird. Legendär ist die Szene mit dem Dieb Abu, der vom Riesenfuß des mächtigen Djinns beinahe totgetrampelt wird. Nicht zu vergessen die böse "Silver Maid" - gespielt von Mary Morris, die im Film auch Jaffars Agentin Halima spielt.
Bei der Oscarverleihung konnte der britische Fantasystreifen gleich dreimal triumphieren: Es gab Oscar füf die beste Kameraarbeit in Farbe (Georges Perinal), für die beste Art Directon (Vincent Korda) und für die Spezialeffekte. Eine weitere Nominierung erhielt Miklos Rosza für die Filmmusik. Obwohl der Film ein Remake der Version von 1924 ist, weisen beide Filme Unterschiede auf vor allem sind Dieb und Prinz in der Korda Produktion zwei unterschiedliche Charaktere. Der erste Teil der Geschcihte wird in einem Rückblick erzählt, der dem Stil der arabischen Nächte ähnelt.
Hier erzählt der blinde Ahmad (John Justin) von seinem Schicksal. Denn noch vor kurzem war er der Sultan von Bagdad. Vom Volk gehasst, weil der böse Großwesir Jaffar (Conrad Veidt) viel mehr Einfluss als der junge Sultan hat und das Volk wird durch den Wesir gnadenlos unterdrückt. Jeden Tag gibts Hinrichtungen. Jaffar überzeugt den Sultan, dass er als armer junger Mann in die Stadt gehen soll, dort kann er seine Untertanen am besten kennenlernen. Doch Jaffar lässt ihn in den Kerker werfen, keiner glaubt dem "Bettler", dass er Sultan ist. Am nächsten Tag soll er geköpft werden - auch der raffinierte, sehr junge Dieb Abu (Sabu), der beim Klauen erwischt wurde. Der erweist sich aber als Meisterdieb, weil er den Kerkerschlüssel bereits gestohlen hat und so gelingt dem Duo die Flucht aus Bagdad. Der Weg führt sie nach Basra, dort sieht Ahmad zum ersten Mal die schöne Prinzessin (June Duprez) des dortigen Sultans (Miles Walleson). Der hat ein riesiges Faible für Spielzeug. Und Ahmed und die Prinzessin verlieben sich natürlich. Was durch die grausamen Pläne von Jaffar nicht ganz einfach sein wird, denn auch der Großwesir ist der schönen Prinzessin verfallen. Zum Glück kommt der kleine Abu, der von Jaffar zeitweise in einen Hund verwandelt wird, in den Besitz einer Flasche. In diesem Gefäß befindet sich natürlich ein übermächtiger Flaschengeist (Rex Ingram), denn wir sind ja im Orient und in 1001 Nacht...







Conrad Veidt ist ein grandioser Jaffar, schon alleine seine Präsenz reicht aus für einen echten Bösewicht, der darüberhinaus noch ein Hexer und Magier ist. Sabu spielt auch herrlich. Der junge Inder hatte bereits mit "Elefanten Boy" einen Erfolg vorzuweisen und spielte ein Jahr später in Zoltan Kordas Realverfilmung von "Das Dschungelbuch". Der in Karnataka, Indien geborene Schauspieler wurde leider nur 39 Jahre alt - Sabu starb 1963 im Alter von 39 Jahren überraschend an einem Herzinfarkt. "Der Dieb von Bagdad" glänzt heute noch in herrlichem Technicolor und gilt auch heute noch als Meilenstein des Genre und vor allem erhöht er immer noch das Herz. Obwohl der Film von drei Regisseuren gestaltet wurde, ist es ein durch und durch visionäres Werk. Höchstwahrscheinlich durch seinen Macher Alexander Korda geprägt. Natürlich nicht zu vergleichen mit dem heutigen CGI-Effekten und den vielen hektischen Schnittfolgen in Dauerschleife - aber gerade deshalb umso schöner und wertvoller.







Bewertung: 9,5 von 10 Punkten. 

Der Tiger von New York







































Regie: Stanley Kubrick

Kalte Großstadt...

Wie auch für sein Filmdebüt "Fear and Desire" ließ Regisseur Stanley Kubrick auch für seinen zweiten Film "Killers Kiss" (Deutscher Titel: Der Tiger von New York) kein gutes Haar. "Fear and Desire" zog er sogar zeitlebens aus dem Verkehr, erst nach seinem Tod konnte sich der Zuschauer selbst ein Bild machen. Und die Ablehnung des Machers an seine beiden ersten Filme war wohl seinem Perfektionismus zuzuschreiben. Denn beide Filme zeigen bereits das große Talent des Ausnahme-Regisseurs, der später nur noch Meisterwerke ablieferte.
Kubricks Onkel Martin Perveler steckte 40.000 Dollar in den Erstling, aber da der Film nicht mal das Produtionsbudget einspielte, wollte der Onkel nicht mehr weiter in seinen filmverrückten Neffen investieren. Für ihn und für die Realisierung von "Tiger von New York" sprang mit Morris Bousel, ein Apothker aus der Bronx ein.
"Killers Kiss" ist ein Film Noir, der in den Straßen von New York gedreht wurde, in billigen Pensionen, auf der Straße, in schummrigen Clubs - er drehte in der alten Penn Station, die 1963 abgerissen wurde sowie mitten auf dem Times Square und in den heruntergekommenen Seitenstraßen der Brooklyn Waterfront und der Soho Loft Area. Dies gibt dem Film eine hohe Authentizität. In seinen besten Momenten strahlt "Killers Kiss" eine gewisse Melancholie aus, die von der Einsamkeit der Menschen im Dschungel der Großstadt vermittelt - als Gegengewicht fungiert die brodelnde, aufgeheitzte Atmosphäre der Stadt, die niemals schläft und daher wirkt die manchmal abstoßende Oberflächlichkeit dieses Treibens sogar sexy und erotisch. Dies braucht es auch, damit die Lovestory zweier Menschen sich ereignet. Gloria Price (Irene Kane) arbeitet als Taxigirl im schäbigen Tanzclub von Vinent Rapallo (Frank Silvera), einem Geschäftsmann und Gangster. Der hat Angestellte, die auch vor Verbrechen nicht zurückschrecken. Der alte Gangster hat sich in sein Girl verliebt. Sie will zwar nichts von ihm, doch sie geht mit ihm aus. Als er zu aufdringlich wird, gibt sie ihm einen brutalen Korb. Der Boxer Davy Gordon (Jamie Smith) wohnt Tür an Tür mit Irene, er sieht in ihr Zimmer von seinem Fenster aus. Davey war mal richtig gut im Boxsport, doch er steht mit seinen 29 Jahren eher am Ende seiner Karriere. Sein Kampf mit dem viel jüngeren Kid Rodriguez wird zum Desaster. Irene und ihr aufdringlicher Arbeitgeber sehen sich diesen Kampf noch im TV an. Nach dem k.o. im Ring kehrt der Boxer in seine Wohnung zurück und sieht in der Wohnung nebenan wie Rapallo immer zudringlicher wird. Er kann den Mann verjagen und so lernen sich die Nachbarn kennen. Irgendwie funkt es zwischen den Beiden. Davy wurde kurz vorher von seinem Onkel aufs Land eingeladen, dort will er nun Irene mitnehmen. Er verabredet sich mit seinem Manager (Jerry Jarret) am Eingang von Rapallos Nachtclub. Dort soll Davy die Gage bekommen, Irene hat sich entschlossen bei Rapallo zu kündigen und den Restlohn abzuholen. Während Irene in Rapallos Büro geht, wird Davys Schal von zwei betrunkenen Artisten auf der Straße gestohlen. Er rennt ihnen nach und verpasst so seinen Manager. Der wartet vor dem Club und wird von Rapallo versehentlich für den Boxer gehalten und deren Chef hat ihnen den Auftrag gegeben seinen Nebenbuhler zu erledigen...




Kubricks damalige Frau Ruth Sobotka war Ballerina und steuerte ein langes Tanzsolo für den Film bei. Die blonde Irene hat ihrem neuen Freund von ihrer Begeisterung fürs Ballet erzählt, so passt diese Szene auch perfekt als Vision für Sehnsucht und Traum der einsamen Frau. Auch das Ende zeigt schon viele Anteile der großen Könnerschaft von Kubrick - der Showdown zwischen Boxer und Gangster findet ganz atmosphärisch in einem Raum voller Modellpuppen statt.




Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Shanghai Express







































Regie: Josef von Sternberg

Marlene im Zug...

Marlene Dietrichs erster Hollywoodfilm hieß "Marocco", den Regisseur Josef von Sternberg 1930 einige Monate nach dem gemeinsamen Welterfolg "Der blaue Engel" drehte. Insgesamt realisierte das Duo 7 Spielfilme, der erfolgreichste an der US-Kinokasse war zweifelsohne "Shanghai Express" der mit einem Einspielergebnis von 3,7 Millionen Dollar zum erfolgreichsten Blockbuster des Jahres 1932 wurde. Und tatsächlich ist "Shanghai Express" ein echter Kultfilm geworden und einer der besten Movies, die im Zug spielen und durchaus dem besten des Genres wie "Mord im Orient Express" von Sidney Lumet oder "Eine Dame verschwindet" von Alfred Hitchcock durchaus ebenbürtig.
Zur damaligen Zeit waren China und Südasien sehr beliebte Regionen für romantischen Hollywood Abenteuerfilme oder orientalische, etwas morbide Liebesgeachichten. So spielte Greta Garbos 1928er Film "Wilde Orchideen" auf Bali, Olga Baclanova war ein Jahr später "A Dangerous Woman" in Burma und das Duo Harlow und Gable verliebten sich auf einer Plantage - irgendwo in Südostasien in "Dschungel im Sturm". Auch die Filmdiven Carole Lombard, Joan Crawford, Hedy Lamarr oder Barbara Stanwyk konnten Filme in dieser Region nachweisen.
Schauplatz des Geschehens ist natürlich der Schnellzug "Shanghai Express", der die Metropolen Peking und Shanghai miteinander verbindet und in China ist Bürgerkrieg. Unter den Reisenden sind auch viele Ausländer. Der britische Kapitän Donald "Doc" Harvey (Clive Brook) trifft dort auf seine frühere Geliebte Madeline (Marlene Dietrich), die sich inzwischen unter Shanghai Lilly  einen Namen als Kurtisane und Abenteurerin gemacht hat. In ihrer Begleitung reist auch die attraktive Chinesin Hu Fei (Anna May Wong) mit. Die beiden Frauen werden von den anderen Reisenden nicht nur misstrauisch beäugt, sondern auch man begegnet den Damen feindselig - solche lastenhaften Frauen sind nichts für die feine Gesellschaft. Vor allem Mrs. Haggerty (Louise Glosser Hale), die mit ihrem Hund reist und der Reverend (Lawrence Grant) sind empört. Unter den anderen Reisenden befindet sich der französische Major Lenard (Emile Chautard), der lungenkranke Eric Baum aus Deutschland (Gustav von Seyfertitz), der US-Geschäftsmann Sam Salt (Eugene Pallette) und der undurchsichtige Mr. Chang (Warner Oland). Die Reise im Zug dauert 5 Tage und wird irgendwann von Regierungstruppen angehalten. Einer der Reisenden wird verhaftet, da er mit den Rebellen paktiert. Wenig später halten die Rebellen den Zug an und einer der Fahrgäste lässt seine Maske fallen...




"Shanghai Express" ist vor allem ein Film von Marlene Dietrich, die wunderbar eingefangen wird und die Kameramänner Lee Garmes und James Wong Howe (der ungenannt blieb) lassen die Diva im strahlenden Licht glänzen. Sie zeigen auch ihr Können durch ungewöhnliche Kameraeinstellungen, dafür kassierte Garmes zu Recht den Oscar. Auch die Montagearbeiten sind äusserst effektvoll, sie erinnern an den Stil deutscher Stummfilmklassiker. Nicht nur Marlene wird geheimnisumwittert inszeniert....auch viele andere Mitreissende nehmen in von Sternbergs grandioser Zugfahrt eine bedeutende Schlüsselrolle ein. Ein Meisterwerk mit perfekter Auslotung von Licht und Schatten. Dazu eine wunderschöne Marlene Dietrich im Pelz oder mit Federn beschmückt - mal verschleiert, mal verschattet, dann wieder rauchumnebelt. Nie wurde eine Filmgöttin obsessiver gezeigt.





Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

Geheimbund "Schwarze Legion"








































Regie: Archie Mayo

Der Pakt mit dem Teufel...

Einige Zeit vor seinem Status als Superstar - entscheidend waren da sicherlich die Filme "Entscheidung in der Sierra" von Raoul Walsh und Hustons "Spur des Falken" - überzeugte Humphrey Bogart in einigen 30er Jahre Klassiker. So begeisterte er als Baby Face Martin in William Wylers "Sackgasse", er spielte auch eine Nebenrolle in Michael Curtiz "Engel mit den schmutzigen Gesichtern". Mit Regisseur Archie Mayo gelang ihm nicht nur in "Der versteinerte Wald" der Durchbruch. Ein Jahr später arbeiteten die beiden erneut zusammen. Gemeinsam gelang ihnen mit "Geheimbund Schwarze Legion" ein äusserst düsterer und sozialkritischer Film.
Robert Lords ursprüngliches Drehbuch erhielt 1937 sogar eine Oscar-Nominierung, verlor allerdings gegen William Wellman und Robert Carson für "A Star is Born". Das National Board of Review wählte "Black Legion" - so der Originaltitel des Films - zu den besten Filmen 1937 und Humphrey Bogarts Rolle als Arbeiter Frank Taylor wurde von der Kritik ebenfalls stark gelobt. "Geheimbund Schwarze Legion" ist sehr brisant, gehört er doch zu einer Reihe von antifaschistischen Filmen, die sich mit den Gefahren von Faschismus und Rassismus auseinandersetzen. Ein Thema, dass heute wieder aktueller denn je erscheint - und der Zuschauer erkennt, dass damals schon die Einwanderer, Juden, Dunkelhäutige für die Misere des kleinen Mannes verantwortlich gemacht wurden. Der weiße Arier wollte gegen diese Eindringlinge vorgehen und so bekam die "Black Legion" großen Zulauf, eine Organisation, die sich vom Ku Klux Klan abspalteten und im östlichen Ohio gegründet wurde - in den 30er Jahren breitete sich die politische Organisation im ganzen Land aus und hatte in seinen Spitzenzeiten bis zu 30.000 Mitglieder. Die Faschisten errichteten vor allem in Detroit ein starkes Machtzentrum.
"Black Legion" erzählt die Geschichte von Frank Taylor (Humphrey Bogart), ein Fabrikarbeiter aus dem Mittleren Westen, der fest davon ausgeht, dass er Nachfolger des derzeitigen Vorarbeiters wird. Auch Franks bester Freund und Arbeitskollege Ed Jackson (Dick Foran) , der in Franks Nachbarschaft wohnt, kann sich keinen besseren Chef als Frank vorstellen. Doch als der junge Joe Dombrowski (Henry Brandon) aus Polen den vakanten Posten erhält, sitzt die Enttäuschung und Kränkung bei Frank sehr tief. Dies merkt Cliff Summers (Joe Sawyer), ein anderer Arbeitskollege. Der schlägt ihm auch vor der "Black Legion" beizutreten. Diese geheime Organisation will die "Ungerechtigkeiten" an den Einheimischen mit Gewalt beantworten. Sie tragen schwarze Roben und Kapuzen und so besuchen sie ihre Feinde. Frank tritt der Organisation bei und muss ein Gelübde der Treue schwören. Dann gehts gemeinsam zum neuen Vorabeiter, der bei seinem Vater lebt und deren Hühnerfarm wird abgebrannt. So bekommt Frank den Job. Doch nicht lange. Er leistet sich Fehler und wird wieder als normaler Arbeiter herabgestuft. Stattdessen bekommt Franks Nachbar Mike Grogan (Clifford Soubier) den Job. Erneut werden Maßnahmen gegen den Feind ergriffen und Franks Frau Ruth (Erin O´Brien-Moore) muss hilflos mit ansehen, wie ihr Mann immer mehr auf die schiefe Bahn gerät...




Als Freundin von Ed ist Anne Sheridan zu sehen. Helen Flint spielt Pearl Davis, die bei der Gerichtsverhandlung im Film als Zeugin auftritt. Bereits bei der ersten Aktion gegen den Polen Dombrowski wird klar, dass Frank bereits zu tief in der Organisation sitzt. Am Ende kann es nur den ganz großen Absturz geben. Dabei hadert der Protagonist irgendwann mit den Methoden, sie scheinen ihm zu heftig und zu kriminell zu sein. Ab an diesem Zeitpunkt ist es aber schon zu spät. Mayo ist ein starker Film gelungen, der die Strukturen des Ku Klux Clan aös faschistischer Terror klar und deutlich offenlegt.



Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.