Montag, 14. November 2022

Straßen der Nacht (Hustle)


Regie: Robert Aldrich

Düstere Metropole...

Robert Aldrich drehte auch in den 70er Jahren einige großartige Kinofilme. Sein Western "Kein Gnade für Ulzana" ist inzwischen ein echter Klassiker. Er drehte in dieser Zeit zweimal mit Burt Reynolds. Im Jahr 1974 den unterschätzten "The Longest Yard" - ein Jahr darauf gelang ihm ein vortrefflicher Neo Noir. Neben Reynolds als Polizist beim LAPD wurde Catherine Denueve als seine Freundin verpflichtet. Ein Güücksfall, da die extrem attraktive Blondine bereits in Melville "Un Flic" als Femme Fatale überzeugen konnte. Dort spielte sie die Geliebte des Gangster, die auch eine Affäre mit dem Bullen hat und auch vor Mord nicht zurückschreckt. Aldrich besetzte sie als exklusvie Luxus-Prostituierte Lieutenant Phil Gaines (Burt Reynolds) und sein Partner Sergeant Louis Belgrave (Paul Winfield) sind seit ewigen Zeiten beim Los Angeles Police Departement und waren mal sowas wie Bullen aus Leidenschaft. Doch das berufliche Burnout ist anch den vielen Jahren kaum zu übersehen, das Privatleben kommt zu kurz und bei ihrem Ermittlungen und Verhören gehen sie auch nicht gerade zimperlich um.
Gaines träumt schon lange von einem besseren Leben, er schwärmt noch immer von seiner Zeit in Rom, wo ihn Chef Santuro (Ernest Borgnine) mal für längere Zeit hinschickte, um mit den europäischen Kollegen einen international agierenden Drogenring zu fassen.
Der Cop ist mit dem französischen Luxus Call Girl Nicole Britton (Catherine Deneuve) liiert, es ist eine sehr offene Beziehung. Der Schritt daraus mehr zu machen als die gemeinsamen Nächte scheuen beide ein bisschen.
Als die Leiche eines junges Mädchens an einem Strand in Los Angeles gefunden wird, wird diese als die junge Prostituierte Gloria Hollinger (Colleen Brennan) identifiziert. Die Gerichtsmedizin stellt eine Überdosis Drogen und eine Menge Sperma fest. Bei ihren Ermittlungen lernen die beiden Cops auch die Eltern Marty (Ben Johnson) und Paula Hollinger (Eileeen Brennan) kennen, mit denen das junge Mädchen brach und kurz darauf im Rotlichtmilieu und in der Pornoindustrie unterzutauchen.
Für die Cops wird sehr schnell klar, dass die junge Frau Selbstmord begangen hat. Mit dieser Erkenntnis will sich vor allem der Vater, ein Koreaveteran, nicht zufrieden geben, er glaubt, dass seine Tochter Opfer eines Gewaltverbrechens wurde.
Obwohl der Fall offziell ad acta gelegt wird, interessiert sich Gaines für den schwerreichen und zwielichten Anwalt Leo Sellers (Eddie Albert), der bekannt dafür ist wilde Partys mit minderjährigen Mädchen zu feiern, weil ein Foto mit ihm und dem toten Mädchen existiert.
Darüberhinaus ist Sellers auch ein Kunde von Gaines Herzensdame Nicole....






Robert Aldrich drehte "Straßen der Nacht" im Jahr 1975 nach dem Roman "City of Angels" von Steve Shagan, der sogar das Drehbuch zum Film schrieb. Im Original heisst der Neo-Noir "Hustle" und ist leider filmgeschichtlich etwas unterbewertet.
Denn Aldrich hat hier einen packenden und zynischen Beitrag des 70er Jahre Thrillers gedreht.
Es ist ein Film über gescheiterte Existenzen, die sich versuchen in der Metropole Los Angeles zu behaupten. Dabei haben sie noch Träume, die aber leider von der Realität eingeholt werden und sich auch nie erfüllen werden.
Erstaunlich ist auch die europäische Note, die der Polizeithriller aufweist, man wird etwas an die kühle Ästhetik der Jean Pierre Melville Filme erinnert.






Bewertung: 9 von 10 Punkten.

 

Getaway


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sam Peckinpah

Ab nach Mexico..

Carter "Doc" McCoy (Steve McQueen) sitzt eine Haftstraf  in Texas ab.
Einzig und allein der Einfluss des Lokalpolitikers Benyon (Ben Johnson) könnte ihn vorzeitig auf Bewährung herauskommen lassen.
Bei einem Besuch seiner schönen und attraktiven Frau Carol (Ali MacGraw) sagt er ihr, dass sie zu Benyon gehen soll, um den Deal perfekt zu machen. Tatsächlich kommt Doc McCoy auf freien Fuß . doch Benyon hat eine Bedingung daran geknüpft. McCoy soll mit zwei Handlangern Rudy (Al Lettiere) und Frank (Bo Hopkins) einen Banküberfall durchführen.
Das Geld braucht Benyon, um eine Veruntreuung von 250.000 Dollar zu verschleiern. Insgeheim beabsichtigt der korrupte Gesetzeshüer, den Gangster anschließend zu beseitigen. Die Probleme fangen auch schon bei der Vorbereitung des Coup an, es gibt erste Reibereien zwischen McCoy und Butler, bei den beiden stimmt die Chemie einfach nicht. McCoy misstraut auch den beiden Komplizen.
Auch der Banküberfall verläuft nicht nach Plan − das Geld wird zwar erbeutet, aber Jackson erschießt einen Wachmann.  Zwischenzeitlich trennen sich die Flüchtigen. Als McCoy und Carol zum vereinbarten Treffpunkt mit Rudy und Frank fahren, erwartet sie dort schon eine gefährliche Überraschung...




...und den Zuschauer der spannungsgeladene Hauptteil von Sam Peckinpahs Klassiker "The Getaway". Der Film selbst entstand 1972 nach einem Drehbuch von Walter Hill und zeigt einen Steve McQueen in Höchstform.
Das Roadmovie einer Flucht nach Mexico ist zu Recht einer der besten Filme des großartigen Regisseurs.
Der Thriller ist brilliant und großartig inszeniert und begeistert durch das perfekt zusammenpassende Paar Steve McQueen und Ali MacGraw, die sich während der Dreharbeiten kennen und lieben lernten.
Defintiv einer der ganz großen 70er Jahre Thriller. Einfach, schnörkellos und doch so effektiv und begeisternd. 






Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Der große Coup (Charley Varrick)















Regie: Don Siegel

Jäger und Gejagte in New Mexiko...

"Charly Varrick" wurde 1973 von Don Siegel gedreht und hat auffällig viele Ähnlichkeiten mit dem Coen Meisterwerk "No Country for old men" - in ähnlicher Umgebung treibt ein von der Mafia engagierter Auftragskiller sein Unwesen, er jagt dabei Gauner, die einen großen Coup landen wollen. In "No Country for old men" bekam Javier Bardem für seine Rolle als Killer mit dem Bolzenschußgerät und der schallgedämpften Selbstladeflinte den Oscar als bester Nebendarsteller. In "Charly Varrick" spielt Joe Don Baker diesen Verfolger.
Der Film entstand in einer sehr guten Schaffensphase des Filmemachers, der sich mit Genremeisterwerken wie "Terror in Block 11" oder "Die Dämonischen" bereits in den 50er Jahren einen Namen machen konnte und ab 1968 innert von 5 Jahren weitere Klassiker schuf. Der bekannteste ist sicherlich der unsterbliche "Dirty Harry" - aber auch "Nur 72 Stunden", ""Coogans großer Bluff", Betrogen" und vor allem dieser "Charly Varrick" müssen sich hinter seinen bekanntesten Filmen nicht verstecken.
Der Thriller über einen geglückten wie missglückten Banküberfall erinnert auch an "The Getaway" von Sam Peckinpah. Vom Stil her und auch von der Story - beides Filme über Bankräuber und deren Flucht.
Bereits das Intro lässt auf einen Topfilm schließen - dort hält der Cinematograph Michael Butler mit seiner Kamera schöne Morgenimpressionen fest. Er filmt das Erwachen einer Kleinstadt und der Zuschauer sieht einen Jungen, der vergeblich einen Stier satteln will - es ist Charles Matthau, der Sohn des genialen Hauptdarstellers Walter Matthaus. Das kleine Mädchen, dass von einem Rasensprenger nass gemacht wird ist Kit. Don Siegels adoptierte Tochter.
Die Geschichte nach dem Roman "The Looters" von John Reese beginnt mit dem Ablauf eines Bankraubs in der ländlichen Gemeinde Tres Cruces in New Mexiko. Drahtzieher der Aktion ist der gerissene als Schädlingsbekämpfer getarnte Erzgauner Charley Varrick (Walter Matthau), der mal Stuntpilot war. Seine Frau Nadine (Jacqueline Scott) wartet im Wagen, während in der Bank bereits Charleys zwei Komplizten Al Dutcher und der junge Harman Sullivan (Andrew Robinson) auf ihn warten. Dann muss alles schnell gehen. Denn der vorbeifahrende Polizeiwagen könnte wiederkommen. Nadine ist bereit zu schießen. Auch die Gangster im Bankraum sind zu allem entschlossen. Tatsächlich gehts nur mit Gewalt. Al Dutscher stirbt vor Ort, Nadine ist verletzt und kann in letzter Sekunde mit ihrem Mann und Harman entkommen. Doch sie ist schwer verletzt und stirbt kurze Zeit später auf der Flucht. Obwohl der Filialleiter Harold Young (Woodrof Parfey) erklärt, dass nur 20.000 Dollar gestohlen wurde, sind Varrick und sein junger Partner erstaunt, denn sie haben einen Geldbetrag von 765.118 Dollar erbeutet. Das kann nur Mafiageld sein. Nicht nur die Bankräuber geraten deshalb in die Schußlinie der Mafia, denen das Geld gehört. Auch der angesehene Geschäftsmann Maynard Boyle (John Vernon) wird vom Syndikat verdächtigt, dass er das Geld unterschlagen hat. Denn ausser ihm und dem Filialleiter wusste keiner etwas davon, dass in dieser kleinen Bankfiliale soviel Geld lagerte. Daher kommt der Killer Molly (Joe Don Baker) ins Spiel, der sehr schnell Ergebnisse liefern kann. Eine Fotografin (Sheree North) führt ihn zum Wohnwagen der Verfolgten. Doch Charly Varrick bereitet sich ebenfalls darauf vor, dass die Mafia oder deren Killer bald vor der Tür stehen. Er nimmt Kontakt zu Sybil Fort (Felicia Farr), der Sekretärin von Boyle auf...



Es ist tatsächlich eine Freunde der Geschichte aufmerksam zu folgen. Am Ende ist klasse Action angesagt, doch es sind vor allem die großartigen Darstellerleistungen die den Film zu einem kleinen Meisterwerk machen und ihn auch in die Nähe von Coen Filmen wie "Blood Simple" oder auch an Arbeiten von Tarantino und Peckinpah erinnern lässt. Nicht umsonst erhielt Walter Matthau im Jahr 1974 den BAFTA Award als bester Darsteller des Jahres und die Warnung von Boyle an den Bank-Filialleiter, er würde nackt ausgezogen und mit Drahtzange und Lötlampe bearbeitet, wird von Tarantino in "Pulp Fiction" leicht abgewandelt wieder benutzt. Leider gelang Don Siegel damals mit diesem Spitzenfilm kein Kassenerfolg. Trotz dieser Enttäuschung hat sich der Film natürlich als Klassiker seiner Sparte etabliert und kann als intelligentes Action-Melodram noch heute gut begeistern. Dabei gelingt es Siegel von Anfang an, dass der Zuschauer mit einem Gangster wie Varrick mitfiebert.  Siegels Stil ist zwar nüchtern, aber er skizziert seine Figuren sehr genau fast schon beiläufig eingebettet in dem spannenden Handlungsablauf. Und der Zuschauer ist gespannt wie diese Charaktere reagieren werden. Trockener und schwarzer Humor ist eine zusätzliche Würze in Siegels Film, der am Ende noch Varricks Flugkünste feiert.




Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Donnerstag, 10. November 2022

Clockers




 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Spike Lee

Auf den Straßen von Brooklyn....

"Clockers" aus dem Jahr 1995 war kein Riesenerfolg für Spike Lee, obwohl der Film immerhin ca. 13 Millionen Dollar in den US-Kinos einspielte. Der Ghetto-Film wurde in nur 12 Wochen in Brooklyn gedreht. Bei den Wohnblöcken, die im Zentrum der Handlung stehen, entschieden die Macher sich für die Gowanus Houses im Viertel Boerum Hill in Brooklyn.
Ein idealer Drehort - diese Location mit ihren vielen Sitzbänken, dort von diesen Bänken aus erledigen die "Clockers" ihr 24 Stunden Geschäft: Stoff verckecken.
Der Film basiert auf dem Bestseller von Richard Price. Dieser schrieb auch gemeinsam mit Spike Lee das Drehbuch. Ursprünglich wollte sogar Martin Scorsese die Geschichte verfilmen, aber er übergab den Regiestuhl an Spike Lee, fungierte aber als Produzent.
Kleine Drogendealer, die auf der untersten Stufe der Hierarchie stehen, werden "Clockers" genannt. "Clockers" weil die Jungs rund um die Uhr draußen sind und ihre Deals erledigen.
Einer davon ist der junge Ronald Dunham (Mekhi Phifer), den alle nur "Strike" nennen. Er arbeitet für den brutalen Drogenboss Rodney Little (Delroy Lindo), der seine Jungs gut im Griff hat. Er gaukelt ihnen eine "Vaterrolle" vor, die es gut meint und er verspricht den Aufstieg auf der Leiter - allerdings müssen seine Schützlinge auch bereit sein kleine Gefallen für ihn zu tun. So beauftragt er den naiven Teenager mit dem Auftragsmord an seinem Mitarbeiter Darryl Adams (Steve White) - damit würde er auch auf der Karriereleiter hochsteigen. Doch Strike hat Skrupel und versucht seinen älteren Bruder Viktor (Isaiah Washington) davon zu überzeugen, dass dieser Daryl Adams den Tod verdient hat. Dabei tischt er dem die Lüge auf, dass er junge Mädchen verprügelt. Tatsächlich vergehen nur wenige Stunden und die Mordkommission unter der Führung der beiden Detectives Rocco Klein (Harvey Keitel) und Larry Mazilli (John Turturro) müssen schon im Mordfall Adams ermitteln. Bald darauf erfolgt aber das Geständnis des bisher rechtschaffenen Victor - er gibt an, dass er Adams aus Notwehr erschossen hat. Für Mazilli sehr glaubhaft, aber Klein hat berechtigte Zweifel an der Geschichte. Er glaubt vielmehr, dass Victor die Schuld seines jüngeren Bruders auf sich nimmt. Denn dieser hat mit seiner bisherigen Akte keine große Chance für mildernde Umstände.
Im Wohnblock selbst sieht der Zwölfjährige Tyrone "Shorty" Jeeter (Pee Wee Love) in Strike ein großes Vorbild - sehr zum Ärger seiner Mutter Iris (Regina Taylor) und Pflegevater Andre "The Giant" (Keith David), die nicht wollen, dass der kleine Junge ins kriminelle Milieu abrutscht. Irgendwann gerät Strike zwischen die Fronten: Auf der einen Seite ist da ein Polizist, der auf einer verbissenen Suche nach Wahrheiten nicht locker lässt und auf der anderen Seite ein Drogenboss, der seine Interessen um jeden Preis schützen wird. Bald wird die Lage für Strike dramatisch...



"Clockers" ist ein extrem unterbewerteter Klassiker des 90er Jahre Kinos und zählt zu den besten Filmen von Spike Lee. Dabei ist die Geschichte mehr als ungewöhnlich - vor allem darf man über die Handlungsweisen des Detectives Klein rätseln. Denn er wird auf dem Weg zur Wahrheit die Wahrheit vertuschen. Dabei umgeht er das Recht, verhilft aber drei Figuren in diesem Mordfall zu einer zweiten Chance. Diese Dynamik in der Geschichte ist überraschend, zumal Klein - hervorragend dargestellt von Harvey Keitel - eigentlich eher ein harter Cop ist, der nicht locker lässt. Ein großartige Leistung bringt auch Youngster Mekhi Phifer und Delroy Lindo, der einen herrlichen Bösewicht abgibt.
"Clockers" wirkt sehr realistisch und trotz Brutalität und Härte schimmern auch immer wieder die Sehnsüchte der Protagonisten durch. Herzstück des Films ist nicht nur dieser Cop, der zum Sozialarbeiter mutiert, sondern die authentische Location mit Blick auf das alltägliche Leben vieler schwarzamerikanischern Jugendlichen. Visuell ebenfalls beeindruckend - angefangen von der grandiosen Titelsequenz mit Fpotos von Mordopfern aus der Drogenszene - dazwischen wurden Nachrufe von Graffiti Zeichnungen auf Häuserwänden in Brooklyn gezeigt. Es sind beunruhigende Zeugnisse von diesem harten Krieg auf der Straße - "Clockers" ein Gruß aus den Parallelgesellschaften Amerikas - man kann diese Spirale inzwischen auch auf europäische Verhältnisse übertragen.





Bewertung: 9 von 10 Punkten.

 

Der Mann, der lacht


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Paul Leni

Gwynplaines tragische Geschichte...

Die Hollywoodkarriere des deutschen Filmregisseurs und Szenebildners Paul Leni war leider nur von kurzer Dauer. Leni starb bereits im Jahr 1929 im Alter von 44 Jahren an einer Blutvergiftung. Im Jahr 1927 fuhr er nach Hollywood, da ihn der Filmproduzent Carl Laemmle engagiert hatte. Die Kunst des Filmemachers bestand darin optische und inszenatorische Innovationen des deutschen expressionistischen Filmstils in seine dortigen Arbeiten einzupflegen. So wurde auch "The Cat and the Canary" ein guter Erfolg. Da die Universal Pictures mit Filmen wie "Der Glöckner von Notre Dame" oder "Phantom der Oper" ebenfalls gute Kasse machte, ermutigte das Studio Carl Laemmle dazu, ein Projekt mit ähnlichem Ambiente zu produzieren. Laemmle entschied sich für Victor Hugos Roman "L´Homme qui rit". Als Regisseur wurde Leni verpflichtet und auch die Hauptrolle in "The Man who laughs" ging an einen Deutschen: Conrad Veidt, der bereits durch "Das Cabinet des Dr. Caligari" und Paul Lenis "Wachsfigurenkabinett" internationale Berühmtheit erlangte, bekam die Hauptrolle als immer lachender Gwynplaine. Hugos Roman - eher eine tragische und romantische Geschichte - wurde durch den stark expressionistisch geprägten Filmstil so durchtrungen, dass er phasenweise wie ein Horrorfilm wirkt. Aufgrund der tragischen Hauptfigur sind Filmverwandte schnell gefunden. Man wird an Cocteaus "Die Schöne und das Biest" erinnert, auch Ähnlichkeiten mit der Figur des buckligen Quasimodo aus "Der Glöckner von Notre Dame" (ebenfalls ein Roman von Victor Hugo) sind schnell zu erkennen. Bereits im Juni 1927 fertiggestellt, kam er erst im Oktober 1928 in die Kinos. Die Geschichte beginnt in England im Jahr 1690. Es ist die Regierungszeit von König James II (Sam de Grasse), der von seinem hinterhältigen Hofnarren Barkilphedro (Brandon Hurst) in Kentniss gesetzt wird, dass sein Untertan Lord Clancharlie (ebenfalls Conrad Veidt) ihn beleidigt hat und nun endlich gefangen genommen wurde. Der Mann wird zum Tod in der eisernen Jungfrau verurteilt und sein kleiner Junge Gwynplaine (Julius Molnar Jr) wird von einen Chirurgen ein fieses Grinsen ins Gesicht geschnitzt. Der Junge soll sich durch sein entstelltes Aussehen ewig über seinen törichten Vater lustig machen. Allein auf sich gestellt kämpft der Junge im Schneesturm ums Überleben und rettet ein kleines Baby, dessen Mutter durch die Kälte erfroren ist. Die beiden kInder werden von Ursus (Cesare Gravina), einem gütigen Schausteller aufgenommen. Gemeinsam mit dem Hauswolf Hom ist nun so etwas wie eine echte Familie entstanden. Das kleine Mädchen nennt er Dea, sie ist blind. Jahre später ziehen die erwachsenen Gwynplaine (Conrad Veidt) und Dea (Mary Philbin) durch die Lande und führen die stücke von Ursus auf, die so ähnlich sind wie die von Shakespeare - nur besser. So zumindest kündigt Ursus sein Schauspiel immer an. Gwynplaines eingefrorenes Lächeln hat ihn auf der Bühne zum Publikumliebling gemacht und er hat auch das Herz der blinden Dea längst erobert. Doch innerlich schämt sich der Mann für sein entstelltes Aussehen. Anstelle von James II regiert nun Königin Anne (Josephine Crowell) das Land. Als sie erfährt, dass dieser Sohn des hingerichteten Adligen noch lebt, will sie das Unrecht von damals wieder gut machen. Da sein rechtmäßiger Besitz und Erbe sich aber mittlerweile im Besitz der attraktiven Herzogin Josiana (Olga Baclanova) befindet, soll durch eine Heirat der beiden alle Parteien zufriedengestellt werden. Josiana besucht eine Aufführung von Ursus und tatsächlich ist sie von Gwynplaine sehr beeindruckt - einerseits regelrecht abgestoßen, andererseits aber sexuell angezogen. Gwynplaine bemerkt die Gefühle der Besucherin und scheint nun ebenfalls Feuer und Flamme für die schöne Frau zu sein...






Am Ende gibts im Film ein HappyEnd - Hugos Roman endet leider tragisch. Obwohl in den USA gedreht, wird "Der Mann, der lacht" zu den wichtigen Werken des deutschen Expressionismus gezählt. Die Stimmung ist beinahe schon morbide und die Geschichte gewinnt auch durch die starken Bilder (Kameramann: Gilbert Warrenton). Die Atmosphäre reduziert die melodramatischen Überzeichnungen der Akteure, was aber damals an Gesten sehr üblich war. Conrad Veidt zeigt einmal mehr seine Wandlungsfähigkeit.





Bewertung: 8 von 10 Punkten.