Sonntag, 6. August 2023

Twilight Samurai


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Yoji Yamada

Seibei Iguchi, der Samurai der Dämmerung...

"Twilight Samurai" ist auch bekannt unter dem Titel "Samurai der Dämmerung" und entstand 2002 unter der Regie von Yoji Yamada. Der Samurai Film konnte 2004 eine der begehrten Oscarnominierungen für den besten ausländischen Film erlangen, musste sich aber am Ende durch "Die Invasion der Barbaren" geschlagen geben. Die Geschichte spielt Mitte des 19. Jahrhunderts, gegen Ende der Tokugawa Zeit, kurz bevor die Ära der Samurai durch die Meji Restauration ein Ende findet. Die Geschichte wird von Ito erzählt, die sich an die Kindertage und an ihren Vater, den Samurai Seibei Iguchi (Hiroyuki Sanada) erinenrt, der früh seine Frau verliert und nun alleine für seine beiden kleinen Töchter Kayano und Ito sorgen muss. Mit zur Familie gehört die senile Mutter von Seibei, die inzwischen ihren eigenen Sohn nicht mehr zu kennen scheint. Seibei ist ein niederrangiger Samurai, von seinen Kollegen beim Speicheramt des Fürsten wird er als viel zu ruhig und anständig gesehen. Er geht jeden Abend nach der Arbeit gleich heim, anstatt mal ein bisschen Vergnügen im Wirtshaus mit den Anderen zu suchen. Durch die Überforderung mit seiner Familie lässt er sich ein bisschen gehen und pflegt sich wenig. Das fälllt auch dem Fürsten auf, dre ihn wegen seinem strengen Körpergeruch rügt. Dies bekommt auch der Onkel, das Oberhaupt der Sippe, mit. Dieser wünscht, dass Seibei sehr schnell wieder heiratet, denn eine Frau für den Haushalt fehlt. Seibei lehnt ab.
Kurze Zeit später trifft er seinen alten Freund Michinojo Iinuma (Mitsuru Fukikoshi)  , der ihm erzählt, dass seine Schwester Tomoe (Rie Myazawa) als geschiedene Frau zur Familie zurückgekehrt ist, nachdem sich ihr Mann Toyotarou Kouda (Ren Osugi) als Säufer und Schläger herausgestellt hat.  Dieser stellt seiner geschiedenen Frau immer noch nach und bedroht Tomoes Bruder. Seibei greift ein und bietet Kouda ein Duell an, das dieser zu Seibeis Überraschung schon für den nächsten Tag ansetzt. Zur Überraschung aller macht der heruntergekommene Seibei beim Kampf eine gute Figur...





Mit "Samurai der Dämmerung" gelang dem Macher ein äusserst authentischer Samuraistreifen, der zu einer Zeit angesiedelt ist, als die große Ära dieser Ritter langsam ans Ende kam. Statt viel Action und Kampf zeigt Yoji Yamada in erlesenen Bildern viel vom normalen Leben und Alltag eines Samurai. Der Film wirkt gerade wegen seiner stillen, bescheidenen Struktur und beschreibt das Leben eines friedfertigen Mannes, der allerdings immer noch mit seinem Traditionen verzwurzelt ist. Besonders nachhaltig wirkt auch das Zusammentreffen Seibeis mit seinem Widersacher Zenemon Yogo (Min Tanaka) am Ende des Films.







Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

The Hidden Blade


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Yoji Yamada

Der befohlene Schwertkampf...

"The Hidden Blade" ist ein leider viel zu unbekannter Samuraifilm von Yoji Yamada aus dem Jahr 2004. Yamada begann als Drehbuchautor und Regieassistentbei der bekannten japanischen Filmgesellschaft Shöchiku. 1961 drehte er seinen ersten Spielfilm als Regisseur und wurde in der Heimat aufgrund der Comedy Reihe "Otoko wa tsurai yo" bekannt - die Filmreihe hatte stets den gleichen Hauptcharakter "Toran-san" und gehört immer noch zu den erfolgreichsten Kinofilmreihen Japans. Internationale Beachtung fanden seine zwischen 2002 und 2006 gedrehten drei Samurai Filme "Samurai in der Dämmerung", "Das verborgene Schwert" und "Love and Honor". Alle drei Filme nahmen am Wettbewerb der Berlinale teil, 2010 wurde er dort mit der "Berlinale Kamera" ausgezeichnet und alle drei Filme erhielten zahlreiche Preise. Mit "Samurai in der Dämmerung" wurde er sogar in der Kategorie "Bester fremdländischer Film" für einen Oscar nomniert.
Dennoch ist Yoji Yamada auf bei Filmfans weitestgehend unbekannt. Die drei Filme beleuchten die Zeit, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vieles im Land veränderte. Es war der Beginn der poliitschen Öffnung zum Westen, was nicht nur Wirtschafts- und Militärstrategien massgeblich beeinflusste. In vielen Bereichen des alltäglichen Lebens war für die Menschen eine Neuorientierung nötig, was insgesamt immer wieder zu Spannungen führte. Das festgefahrene Ständesystem und damit auch die feudale Oberschicht mussten immer mehr um den Verlust ihrer Rechte fürchten, auch die große traditionelle Ära der Samurai neigte sich dem Ende entgegen.
Der Film wurde von Yamada zusammen mit Yoshitaka Asama geschrieben und basiert, wie sein Vorgänger The Twilight Samurai (2002), auf einer Kurzgeschichte von Shūhei Fujisawa. Der Soundtrack ist eine Originalkomposition von Isao Tomita.
Zwei Samurai, Munezo Katagiri (Masatoshi Nagase) und Samon Shimada (Hidetaka Yoshioka), verabschieden sich von ihrem Freund Yaichiro Hazama (Yukiyoshi Ozawa), der in Edo (dem heutigen Tokio) unter dem Shogunat dieser Region dienen soll. Obwohl der Posten erstrebenswert ist, äußert Katagiri seine Bedenken, dass ein Mann mit Yaichiros Charakter in Schwierigkeiten geraten könnte. Seine Zweifel werden bestätigt, als der verheiratete Yaichiro die Absicht äußert, sich in Edo den Sinnesfreuden hinzugeben, während er dort stationiert ist.
Während des Abendessens erinnert Katagiris Mutter Samon an die finanziellen Nöte, die die Familie seit dem Tod ihres Mannes (der rituellen Selbstmord beging, nachdem finanzielle Unregelmäßigkeiten bei einem Bauprojekt aufgedeckt worden waren und er unschuldig die Verantwortung dafür übernahm) erlitten hat. Sie wünscht sich eine Verbindung zwischen Samon und Shino (Tomoko Tabata), Katagiris Schwester. Ebenfalls anwesend ist Kie (Takako Matsu), die Haushälterin von Katagiri, die des Lesens und Schreibens mächtig ist und in Umgangsformen geschult wurde. Munezo Katagiri mag Kie sehr, aber er will sich noch nicht binden und so kommt es, dass die Frau seines Herzens einen Mann aus der Kaufmannsschicht heiratet und den Haushalt der Katagiris verlässt. Drei Jahre vergehen: Katagiri trifft Kie zufällig im Ort und ist erschrocken, weil sie sehr krank und mitgenommen aussieht. Sie gibt aber an, dass alles in Ordnung ist. Einige Zeit später erfährt er, dass Kie tatsächlich krank ist, weil sie vom Ehemann und der dominanten Schwiegermutter wie eine Sklavin missbraucht wurde. Er greift beherzt ein und befreit sie aus ihrer "Gefangenschaft" ihrer neuen Familie. Er erzwingt die Scheidung, was ihm aber aufgrund seiner Stellung als Samurai eine gewisse Ächtung einbringt, denn er hat gegen den Kodex verstoßen. Ausserdem scheint eine Heirat mit Kie aufgrund des Standesunterschieds unmöglich.
Zur selben Zeit erfährt Munezo Katagiri, dass sein früherer Gefährte Hazama, der einst auszog Karriere zu machen, als vermeintlicher Verschwörer in der Hauptstadt verhaftet wurde. Seppuku wurde ihm verwehrt, er soll auf Befehl des zwielichtigen Lehnsherrn Hori (Ken Ogata) als Sträfling in seine Heimat zurückgebracht werden. Mit einer List gelingt Hazama die Flucht. Munezo Katagiri erhält von Hori den Befehl den Entflohnenen zu stellen und im Schwertkampf zu besiegen...





Am Ende der Ereignisse und im Anschluß an den Schwertkampf steht ein Racheakt mit einem Beimesser des Schwerts. "The Hidden Blade" ist ein großartiges Meisterwerk, dass es zu entdecken gilt. Der Film legt dabei den Fokus nicht auf den Heldenmut der Samurai, sondern gibt realistisch Einblicke in deren Leben in dieser Zeit des Umbruchts, dazu gehören schwere Schicksalsschläge, berufliche Stagnation und vor allem große Armut.







Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

 

Samstag, 5. August 2023

Der Kaiser und sein Attentäter

 

Girl

























 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Lukas Dhont

Aus dem Leben eines Mädchens...

Lukas Dhont ist ein belgischer Regisseur und Drehbuchautor, der nach zwei Kurzfilmen mit "Girl" seinen ersten Langfilm realisierte. Für dieses Debüt erhilet er den Europäischen Filmpreis 2018 fürs beste Erstlingswerk. Ausschlaggebend für diesen großen Erfolg ist aber vor allem der Hauptdarsteller Victor Polster, ein Schüler der Royal Ballet School in Antwerpen. Er war bei den Dreharbeiten erst 14 Jahre alt und überzeugte so sehr, dass er beim europäischen Filmpreis auch als bester Darsteller nominiert wurde.
Lara (Victor Polster) lebt mit ihrem Vater Mathias (Arie Worthalter) und ihrem kleineren Bruder Milo (Oliver Bodard) in der belgischen Provinz. Doch Lara strebt eine Ausbildung als professionelle Ballerina an und bewirbt sich bei einer renommierten Balletschule in Antwerpen. Ihr Casting war tatsächlich erfolgreich und so zieht die Familie in die Stadt. Lara ist ein Transgender Mädchen, die eine Geschlechtsumwandlung als Frau anstrebt. Die Hormonbehandlung läuft bereits, doch der Prozess, der behutsam und vorsichtig vollzogen wird, dauert ihr oft zu langsam. Sie fühlt sich oft wie ein seltsames Zwitterwesen zwischen den beiden Geschlechtern. Ungeduld herrscht vor, auch Ängste. Und dann wäre da noch die schwierige Zeit der Pubertät. Aber immerhin scheinen die Klassenkameraden und - kameradinnen Lara zu akzeptieren. Die Mädchen haben nichts dagegen, dass Lara den gleichen Umkleideraum benutzt. Auch trainiert sie hart und unerbittlich an sich und geht dabei an die Schmerzgrenze. Während die OP immer mehr naht, wird sie von Medizinern und Psychologen auf das Ereignis vorbereitet. Auch findet das Mädchen den Mut einen Nachbarjungen (Tijmen Govaerts) anzubaggern. Doch als es ans Ausziehen geht, zieht Lara die Notbremse...



Der Film hat natürlich ein offenes Ende. Aber er bietet einen sehr realistischen Einblick in die Gefühlswelt eines Mädchen, dass noch in einem männlichen Körper steckt. Natürlich erinnert Lukas Dhonts Film an den Oscarpreisträger "Eine fantastische Frau" von dem chilenischen Filmemacher Sebastian Lelio mit Daniela Vega in der Hauptrolle. Der chilenische Transgender Film siegte 2018 in der Kategorie des besten Auslandsfilm und interssanterweise finde ich "Girl" im Vergleich sogar eindringlicher und authentischer.
 


Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

 

Close


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Lucas Dhont

Die Zurückweisung...

Lukas Dhonts erster Spielfilm "Girl" wurde gleich ein internationaler Erfolg. Bei den Filmfestspielen in Cannes gab es drei Preise. Die Geschichte eines Transmädchens, das eine professionelle Balletkarriere machen möchte, wurde im Rahmen des Europäischen Filmpreises als "Bester Erstlingsfilm" prämiert. Hauptdarsteller Victor Polster bekam auch eine Nominierung als bester Schauspieler, musste sich jedoch von Marcello Fontes Leistung in Matteo Garrones "Dogman" geschlagen geben. Sein zweiter Film wurde ebenfalls bei den Filmfestspielen in Cannes prämiert, die Geschichte über die Freundschaft von zwei Jungs bekam den Großen Preis der Jury. Ausserdem wurde Dhonts Film - wie bereits zuvor "Close" von Belgien als Beitrag für die Oscarverleihung 2023 in der Kategorie "Bester internationaler Film" eingereicht und kam sogar in die Endrunde der fünf Filme, die eine Nominierung bekamen. Mit vier Nominierungen wurde "Close" auch bei der Vergabe der europäischen Filmpreise geehrt: Bester Film, beste Regie, Bestes Drehbuch und bester Darsteller Eden Dambrine. Leider ging der Film am 10. Dezember 2022 bei der Preisverleihung in Reykjavik leer aus. Dabei hätte es vor allemd er Jungdarsteller Eden Dambrine verdient als Sieger in der Hauptdarstellerkategorie hervorzugehen. Sein Spiel ist hervorragend, subtil und beängstigend fragil. Das gleiche trifft auch auf seinen gleichaltrigen Filmpartner Gustav de Waele zu, der sicherlich auch gute Chancen auf einen Preis gehabt hätte, wenn der Europäische Filmpreis auch Nebendarsteller honorieren würde.
Der Film ist extrem emotional und niederschmettert und hinterlässt den Zuschauer keineswegs mit einem guten Gefühl - thematisisert wird eine sehr intensive und extrem nahe Jugendfreundschaft zwischen zwei Jungs, die zerbricht, als die beiden von Mitschülern ständig verdächtigt werden schwul zu sein.
Léo (Eden Dambrine) ist ein Schüler, mit dem Rémi (Gustav de Waele)  eine sehr enge Freundschaft verbindet. Die beiden Jungen verbringen den größten Teil ihrer Freizeit zusammen, wobei Leo häufig bei Remi schläft, mit dem Wohlwollen von Sophie (Emilie Dequenne), dessen Mutter, die Leo als ihren eigenen Sohn betrachtet. Léo, extrovertierter als Rémi, fördert nachdrücklich die Leidenschaft seines Freundes für die Oboe und bewundert sein Talent. Léo und Rémi besuchen die örtliche weiterführende Schule. Beim Kennenlernen anderer Schüler wird Léo durch die Fragen seiner Klassenkameraden verunsichert, die sich, da sie die große Nähe zwischen Léo und Rémi bemerkt haben, fragen, ob sie in einer Beziehung sind. Leo bestreitet dies energisch und sagt, dass er und Remi nur so enge Freunde seien, dass sie sich gegenseitig als Brüder betrachteten, aber diese Diskussion verunsichert ihn. Obwohl er in den folgenden Tagen weiterhin Zeit mit Rémi verbrachte, distanziert sich Leo vermehrt, was bald zu einer Katastrophe führt....




Lea Drucker spielt Leos Mutter. Der Film stimmt traurig und fordert den Zuschauer mit einem sehr ernsten Thema. Dabei erinnert Lucas Dhont an seine Landmänner Jean Pierre und Luc Dardenne, die ebenfalls ähnliche Filme ("Das Kind", "Der Sohn", "Der Junge mit dem Fahrrad") realisierten. Dabei ist das Drehbuch eigentlich perfekt, die Dialoge hervorragend und jede Szene fügt sich in das große Ganze als weiterer Blickwinkel hinein. Eine anfangs schöne jugendliche Chronik, die durch gesellschaftliche Erwartungen und durch ein Schubladendenken zum Melodram wird. Die schönsten Momente werden abgelöst von einer brutalen Wirklichkeit, die nur noch Verdrängung und Schuldgefühl hinterlassen. Durch eine Aussprache gelingt zumindest eine kleine Erleichterung, die eine Trauerarbeit zulassen. Für mich ein sehr starker und zarter Film, der nachhaltige Wirkung hat.






Bewertung. 10 von 10 Punkten.