Dienstag, 24. Juli 2018
Die Abenteuer des Prinzen Achmed
Regie: Lotte Reiniger
Schattentanz aus Tausendundeiner Nacht...
"Die Abenteuer des Prinzen Achmed" aus dem jahr 1926 gilt als erster abendfüllender Animationsfilm der Filmgeschichte. Der Silhouettenfilm von Lotte Reiniger erzählt mit viel Phantasie und poetischen Szenen den Kampf zwischen Gut und Böse nach den bekannten Märchengeschichten aus "Tausendundeiner Nacht". Wobei im besonderen Elemente von "Aladin und die Wunderlampe" in die Handlung eingeflochten wurden. Die Arbeit am Film dauerte 3 Jahre lang. In den Jahren 1923 bis 1926 entstanden dabei etwa 250.000 Einzelaufnahmen auf einem Tricktisch, fast 96.000 Frames fanden dann für den Film eine endgültige Verwendung. Lotte Reiniger erdachte sich die Geschichte, zeichnete zunächst die Figuren, entwarf die Szenarien. Dann wurden Figuren, Hintergründe und Landschaften hergestellt. Es waren Figuren aus schwarzem Photokarton, die mit einer Schere ausgeschnitten wurden und danach mit wurden die einzelnen Glieder mit Draht verbunden, um sei für die Aufnahmen animieren zu können. Als Hintergrund wurden transparente Lagen aus Butterbrotpapier verwendet. Die Landschaften, Städte und die orientalischen Interieurs wurden kunstvoll mit der Schere gestaltet. Dann wurde alles auf einem von unten beleuchteten Tricktisch positioniert, über dem sich die fest installierte Kamera befand. Die Figuren wurden von Hand Aufnahme für Aufnahme bewegt. Lotte Reinigers Mann Carl Koch überwachte die Technik und Organisation Der Filmpionier Walther Ruttmann (Berlin - Die Symphonie einer Großstadt) zeichnete für die Gestaltung der Hintergründe. Berthold Bartosch imaginierte die Wellenbewegungen des Seesturms. Für die Musik war Wolfgang Zeller zuständig. Zum ersten Mal wandte sich der Musiker der Komposition für einen Film zu und die Voraussetzungen konnten idealer nicht sein, denn er schuf den Score frei von zeitlichem Druck und in künsterischer Freiheit. Ein böser afrikanischer Zauberer hat einen noch böseren Zauber ersonnen. Die Gelegenheit ist günstig: Ein Fest zu Ehren des Kalifen findet statt. Er bietet dem Kalifen bei dessen Geburtstag ein Zauberpferd an... als Tausch für seine Tochter Dinarsade. Es gelingt dem Zauberer den misstrauischen Prinz Achmed, Bruder von Dinarsade, auf das fliegende Pferd zu locken. Das wird dann auch zum Beginn einer langen abenteuerlichen Reise für den Prinzen, denn das Pferd reitet immer weiter auf in die Lüfte und gerät schließlich über die Wolken und außer Sicht. Daraufhin wird der Zauberer festgenommen und gibt zu erkennen, dass er dem Prinzen nicht mitgeteilt hatte, wie er das Pferd wieder zu Boden bringen kann. Der Prinz landet schließlich auf der Insel Wak Wak und verliebt sich dort in die Fee Pari Banu, die er mit auf die Reise nimmt. Doch der Zauberer ist nicht weit. Er entführt die Schönheit und schenkt sie dem Kaiser von China als Sklavin. Prinz Achmed wird vom Zauberer gefangengenommen. Doch Hilfe naht in der Gestalt einer guten Hexe vom Flammenberg, die Achmed befreit. Nun muss er nur noch Pari Banu retten. Dazu braucht er aber unbedingt Aladin und seine Wunderlampe. Dieser erzählt Achmed seine Schicksalsgeschichte, die sich mit dem Schicksal von Achmed kreuzen soll...
Lotte Reinigers Figuren tauchen mittels dieses Stop-Motion-Verfahrens aus den Schatten auf und verschwinden wieder wie durch Magie. Häufig ändern sie auch ihre Gestalt. Ein eindrucksvoller Tanz der Schatten ist gegenwärtig. Schwindelerregende Action-Sequenzen wechseln sich mit einer märchenhaften Romantik ab, der Wechsel beider Komponenten bestimmt auch den Rhythmus des gesamten Films. Seine Poesie und die bezaubernden Figuren machen den Film auch heute noch immer zu einem Erlebnis. Die Scherenschnitte sind genial. Sie strahlen jede Menge Zartheit und Anmut aus.
Bewertung: 8 von 10 Punkten.
Mädchen in Uniform
Regie: Leontine Sagan
Schwärmerische Gefühle...
Leontine Sagan wurde als Leontine Schlesinger 1889 in Budapest geboren. Die österreichisch-ungarische Filmemacherin und Bühnenregisseurin war jüdischer Abstammung und verließ daher nach ihrem 1931er Welterfolg "Mädchen in Uniform" Deutschland und arbeitete in London für Alexander Korda Produktiongsgesellschaft. Es entstand der Film "Men of Tommorrow" - anschließend kehrte die Künsterlin zur Bühnenarbeit zurück und wanderte im Jahr 1948 nach Südafrika aus. 1974 verstarb Leontine Sagan, die in die Filmgeschichte als eine der ersten Regisseure, die ein lesbisches Thema behandelte.
Wobei
die Geschichte natürlich etwas versteckt bleibt und die Erzieherinnen
rein oberflächlich betrachtet doch etwas machtlos erscheinen angesichts
dieser vielen für sie schwärmerischen Mädchen.
Dennoch wurde "Mädchen in Uniform" von
der Filmprüfstelle am 1. Oktober 1931 mit einem Jugendverbot belegt. Im
Ausland lief der Film sehr gut. Bis Anfang 1934 spielte er 6 Millionen
Reichsmark ein - demgegenüber stand das relativ geringe Budget von
55.000 Reichsmark. Ein echter Frauenfilm: Unter weiblicher Regie spielen
nur Frauen mit. Und das Drehbuch wurde von Christa Winsloe verfasst.
Der einzige Mann, den man in der Geschichte sehen kann, ist der
Filmschauspieler Hans Albers, dessen Poser eines der Mädchen, die
aufmüpfige Ilse von Westhagen (Ellen Schwanneke) aufgehängt hat.
Ganz
klar begreift sich "Mädchen in Uniform" als Plädoyer für Menschlichkeit
und auch für die vielen Facetten der Liebe. Dies wird von der modernen
Erzieherin Fräulein von Bernburg (Dorothea Wieck) auch einmal vor der
strengen Obein (Emilia Unda) ausgeprochen, die die preußischen Tugenden
hochhält: Zucht und Ordnung. Eiserne Disziplin und Strammstehen vor der
Obrigkeit. So hat die strenge Erziehungsanstalt auch etwas von einer
Kaserne. Selbstzucht und Disziplin sind dort zu unmenschlichem Drill
pervertiert wurden. In einer Passage des Films wird bitter erwähnt, dass
genau diese Eigenschaften nötig sind für das Heimatland.
In
vielen Filmen der Weimarer Republik lassen sich die zukünftigen
Strömungen schon erahnen und eine gespenstische Aura scheint in der Luft
zu liegen. So auch hier beim Treiben im Mädchenstift für verarmte
höhere Töchter in Potsdam. In der Küche wird gespart, die Kinder haben
oft Hunger.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Sagans
Film dann auch verboten und nur zur Vorführung im Ausland zugelassen.
Wahrscheinlich ging es gar nicht mal so sehr um die subtile Verarbeitung
des lesbischen Themas, schwer wog die Darstellung der preußischen
Unbarmherzigkeit und die damit verbundene starke Kritik an Autorität,
Obrigkeit und eiserner Disziplin.
Nach dem Tod ihrer Mutter
wächst die junge Manuela von Meinhardis (Hertha Thiele) zunächst bei
ihrer Tante Exzellenz von Ehrenhardt (Gertrud de Lalsky) auf. Doch die
bringt die Tochter eines Offiziers nun in einer Erziehungsanstalt unter,
die nach außen einen guten Ruf hat.
Kein Wunder, denn
kritische Briefe der Zöglinge nach draußen werden einer strengen
Kontrolle unterzogen und von der Oberin gelesen. Negative Passagen über
die Anstalt sind nicht erlaubt und führen zu harten Strafen. Die jungen
Mädchen sind im schwärmerischen Alter und so ist es nicht ganz
verwunderlich, daß besonders die hübsche Erzieherin Fräulein von
Bernburg von den pubertierenden Teens schwärmerisch verehrt wird. Bei
Manuela könnte vielleicht auch noch die fehlende Mutter eine Rolle
spielen, jedenfalls fühlt sich die 14jährige sehr stark zu ihrer
Lehrerin hingezogen und wartet auf jede Gelegenheit bei ihrem Schwarm zu
sein. Im Unterricht versagt sie gerade bei ihrer Angebeteten, es ist
die Aufregung. Sie wartet schon sehnsüchtig auf den Gute Nacht Kuß vor
dem Schlafengehen, der allen Mädels zuteil wird. Fräulein von Bernburg
ist die modernste Erzieherin, sie setzt bei ihren Methoden auf die
"Liebe" - während andere Erzieherin von diesen neuen Strömungen
sichtlich irritiert sind. So werden zwar deren Erfolge bei den Teeangers
durchaus gewürdigt, aber immer wieder wird sie von ihren Kolleginnen
wie Fräulein von Kesten (Hedwig Schlichter) kritisch beäugt. Als
Fräulein von Bernburg Manuela einen Ersatz für ihre zerschlissenen
Sachen eines ihrer eigenen Unterhemden schenkt, führt dies zu einer
Verstärkung der Gefühle. Als Manuela dieser Verehrung bei einer
Schulfeier allzu offen Ausdruck gibt, da sie auch etwas getrunken hat.,
kommt es sofort zu Mißdeutungen und natürlich zum ulltimativen Skandal.
Das verdorbene Kind wird auf Geheiß der reaktionären Oberin von den
anderen isoliert und eingesperrt....
"Mädchen in Uniform" wirkt
vielleicht heute etwas harmloser als zu seiner Entstehung. In der
damaligen Zeit muss so ein Stoff aber regelrecht mutig gewesen sein,
selbst wenn er sich versteckt darbietet. Aber die unterschiedlichsten
Interpretierungsmöglichkeiten waren gegeben. Was empfindet Fräulein von
Bernburg tatsächlich ? Ist es nur Fürsorge ? Und ist Manuelas
Schwärmerei nur eine vorübergehende Phase, die vergeht ? Eine Phase
irritierender jugendlicher Gefühle ?
Darüberhinaus wirkt die
Milieu- und Charakterschilderung doch unvermndert stark. Alle
Schauspielerinnen sind sehr gut in ihren Rollen. Stark auch das Ende,
bei dem die junge Erzieherin die Sicherheit ihrer Position verlassen
muss. Ein Risiko, dass sie allerdings ihrem Gewissen schuldig ist und
durch das Eingreifen doch noch in letzter Sekunde die Katastrophe
verhindert, die eine Schuld bis zum Lebensende zur Folge gehabt hätte.
Leontine Sagan hat diesen einen Moment des Schwankens sehr kraftvoll
eingefangen und so wurde der Film ein großartiger Klassiker des
deutschen 30er Jahre Kinos.
Bewertung: 9 von 10 Punkten.
Winchester 73
Regie: Anthony Mann
Eine unter Tausend...
Das Unternehmen Winchester Repeating Arms Company entwickelt und baut seit 1860 in den USA Gewehre. Seit 1866 werden diese Repetiergewehre unter dem bekannten Markennamen Winchester vertrieben und verkauft. Schon in den Anfangsjahren wurden die vielen Modelle immer wieder mit dem Jahr der Entstehung gekennzeichnet: Winchester 66, Winchester 76, Winchester 86...die berühmteste von allen war die Winchester 73. Um dieses legendäre Gewehr geht es im gleichnamigen Film "Winchester 73" von Anthony Mann aus dem Jahr 1950. Mit diesem Western begann auch gleichzeitig die sehr konstruktive Zusammenarbeit des Regisseurs mit seinem Hauptdarsteller James Stewart. Nach dem Erfolgsfilm wurden vier weitere ähnlich konzipierte Western inszeniert. 1952 entstand "Meuterei am Schlangenfluß", es folgte ein Jahr später "Nackte Gewalt". Danach "Über dem Todespaß", den Schlußpunkt setzte "Der Mann aus Laremie". Dabei spielte Stewart eigentlich immer den Westerner, der bereits ein Bruch mit er Gesellschaft hinter sich hat und im Grunde nicht den typischen "guten Kerl" präsentiert, sondern einen Mann, der entweder von Rache oder Enttäuschung getrieben und emotionale, zum Teil auch materielle Anreize (Nackte Gewalt) für sein Handeln braucht. So gesehen hat dieses Western-Quintett auch einen gewissen Einfluss auf die Antihelden und Inhalte des Italo Western. Im Jahr 1876 verfolgen die beiden Freunde Lin McAdam (James Stewart) und High Spade Frankie Wilson (Millard Mitchell) einen Mann, mit dem Lin noch eine Rechnung offen hat. Dieser Mann hat allerdings als Dutch Henry Brown (Stephen McNally) einen anderen Namen angenommen und hält sich seit kurzem in Dodge City, Kansas auf. Dort hat Wyatt Earp (Wll Geer) das Zepter in der Hand und sorgt mit strenger Hand für Gesetz und Ordnung. Anlässlich des 100sten amerikanischen Unabhängigkeitstags findet dort ein attraktives Wettschießen statt. Als Siegerprämie erwartet den Gewinner das legendäre Präzsisionsgewehr, die Winchester 73. Dementsprechend groß ist der Andrang der Teilnehmer. Lin trifft an diesem Tag seinen Todfeind, doch der Sheriff hat vorher allen Besuchern der Stadt die Waffen abgenommen. So muss die unvermeidliche Konfrontation warten. Lin gewinnt zwar das Schießen, doch er ist nicht lange Eigentümer der Waffe. Der Besitz der Waffe wechselt. Er fällt irgendwann auch einem Waffenhändler (John McIntire) in die Hände, später einem jungen Indianderhäuptling auf Kriegspfad (Rock Hudson) und für einige Minuten einem namenlosen jungen Soldaten (Tony Curtis). Lin macht derweil Bekanntschaft mit Lola Manners (Shelley Winters), deren Verlobten Steve Miller (Charles Drage) und dem Outlaw Waco Johnny Dean (Dan Duryea). In einer atmosphärischen Felsenlandschaft entscheidet sich das Schicksal...
"Winchester 73" gehört zweifelsohne zu den ganz großen Western der Filmgeschichte. Die Kamera von Wiiliam H. Daniels ist sowohl dicht bei den Akteuren als auch der Präsentator eines weiten Landes, dass langsam von den Weißen erschlossen wird. Ebenfalls massgeblich am Erfolg beteiligt war der Drehbuchautor Borden Chase, der kurz vorher mit "Red River" eine hervorragende Drehbucharbeit ablieferte und später auch für "Meuterei am Schlangenfluß" und "Über dem Todespaß" verpflichtet wurde. Der ausgezeichnete Film über Rache und Gier ist bestens durchkomponiert, neben reichlich Spannung und Action kommen auch nicht die leisen Töne und eine differenzierte Charakterzeichnung zu kurz.
Bewertung: 10 von 10 Punkten.
Die Ratte von Soho
Regie: Jules Dassin
Die Nacht des Verlierers...
Jules Dassin war eines der bekannten Opfer der McCarthy Kommunistenjagd. Edward Dmytryk denunzierte ihn 1951 vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe. Den für Fox-Produktionschef Darryl F. Zanuck in London gedrehten Film "Die Ratte von Soho" (Original: Night and the City) konnte er daher auch nicht mehr selbst schneiden, weil ihm der Zutritt auf das Studiogelände in Hollywood verwehrt wurde. Dassin gab die Schnittanweisungen per Telefon weiter. Beim Kinostart verrissen die Kritiker den Unterweltthriller, heute gilt er nicht nur als einer von Dassins stärksten Filmen, sondern er ist anerkannt als einer der ganz großen Film Noir Beiträge.
Dassin ging nach Europa, konnte aber auch dort erst nach fünf Jahren wieder einen Film drehen, da europäische Produzenten befürchteten, dass seine Filme in den USA nicht vertrieben würden.
In der Eröffnungssequenz flüchtet der junge Kleinganove Harry Fabian (Richard Widmark) vor seinem Verfolger, dem er Geld schuldet. Er hält sich mit Gaunereien über Wasser, seine Freundin Mary Bristol (Gene Tierney) ist Clubsängerin und hat etwas Geld für eine gemeinsame bürgerliche Zukunft gespart. Doch harte Arbeit ist nicht so das Ding von Harry, er träumte schon immer von der zündenden Idee und der damit beginnenden Karriere.
Mal will er einen kukrativen Nachtclub eröffnen, ein anderes Mal Hunderennen gewinnbringend veranstalten.
Doch real muss er kleinere Brötchen backen. Für den gewieften Nachtclubbesitzer Phil Nosseross (Francis L. Sullivan) schleppt er gerne mal unbedarfte amerikanische Touristen ins dortige Etablissement, die sollen dann von den Mädels und von Nosseross´ jüngerer Frau Helen (Googie Withers) wie Weihnachtsgänse ausgenommen werden.
Wenn gar kein Geld aufzutreiben ist, geht Harry auch schon mal an die Geldbörse seiner Freundin.
Als er den griechischen Ringer-Altstar Georgius (Stanislaus Zbyszko) und dessen Schützling Nikolas von Athen (Ken Richmond) in der Boxarena von Georgius´Sohn Kristo (Herbert Lom) kennenlernt, scheint seine große Stunde gekommen zu sein.
Mit raffiniertem Eifer kann er es so einfädeln, dass die große Ringerlegende ihn zum exklusivem Manager für den aufstrebenden Nikolas macht, der noch den klassischen griechisch-römischen Kampfstil zelebriert. Doch um den lukrativen Kampf zu organisieren und damit ganz vorne als Nr. 1 in der Wrestlingszene zu stehen, braucht er Geld. Und davon hat er leider nie genug...
"Die Ratte von Soho" ist vor allem ein packendes Portrait über einen großen Verlierer, der immer noch ganz hoch hinaus will und der bereits in der Anfangssequenz auch seine Verletzlichkeit preisgibt, auch wenn er vordergründig das Großmaul abgibt. Eine wie immer sehr gute Performance von Richard Widmark.
Gene Tierney als Freundin geht etwas unter, ist aber dennoch eine Schlüsselfigur. Sehr gut getroffen sind die Nachtclubbesitzer Nosseross, Googie Withers und Francis L. Sullivan verleihen ihren schrägen Figuren viel Leben und Authentizität.
Sehr schön eingefangen die Hektik der Metropole und das schnelle Leben. Alles gipfelt dann in einer Jagd durch die Docks und Werften des Hafen.
Verfolgt
Regie: Raoul Walsh
Film Noir des Westens...
Raoul Walsh wurde eine Regielegende aufgrund seines handwerklichen Könnens in den Sparten des Gangster- und Westernfilms. Er schuf Vorläufer undKlassiker des Film Noirs wie "Die wilden Zwanziger", "Entscheidung in der Sierra" oder "Sprung in den Tod". Seine Western wie "Sein letztes Kommando", "Herr der Silberminen" oder "Vogelfrei" zählen zu den wichtigsten Filmen des Genres. 1947 kreuzte er beide Genres in "Verfolgt" (Original: Pursued) und schuf sogar einen seiner besten Filme überhaupt.
Das lag vor allem an der klasse Besetzung mit Robert Mitchum als
Aussenseiter Jeb Rand. Die damals frischgebackene Oscar-Gewinnerin
Teresa Wright spielt die weibliche Hauptrolle und die als Miss Danvers
in "Rebecca" berühmt gewordene Judith Anderson die tragende Nebenrolle
und Schlüsselfigur der Geschichte.
Der Film spielt bereits am Ende des Wilden Westens, der bald ganz
verschwunden sein wird. Aber immer noch zählt das Recht des Stärkeren.
Der 11jährige Jeb Rand (Ernest Severn) erlebt etwas sehr schreckliches.
In der Zukunft wird er sich nicht mehr ganz an das traumatische Erlebnis
erinnern können, er weiß nur, dass er Angst hat und er sieht
Cowboystiefel mit Sporen in seinen Alpträumen und wird von diesen immer
wieder verfolgt. Es war die Nacht als sein Vater zu Tode kam. Die
Nachbarin Mrs. Callum (Judith Anderson) holte ihn aus seinem dunklen
Versteck in diesem Haus heraus und nahm ihn mit auf ihre Ranch. So wuchs
er gemeinsam mit Mrs. Callums Kinder Adam (Charles Bates) und Thor
(Peggy Miller) auf. Zwischen den beiden Jungs kam es aber immer wieder
zum Streit, da der kleine Adam sehr eifersüchtig war.
Als Erwachsene kümmert sich Adam (John Rodney) um die Ranch, während Jeb
(Robert Mitchum) nicht so interessiert daran ist. Er liebt aber Thor
(Teresa Wright) und die erwidert seine Gefühle. Als der
spanisch-amerikanische Krieg ausbricht, muß einer der Jungs zur Armee.
Eine Münze wird geworfen und Jeb zieht in den Krieg. Er kehrt als
Kriegsheld zurück. Nun wird Adams Eifersucht wieder wach und
aufgestachelt von einem Grand Callum (Dean Jagger), der sich als
Verwandter der Familie zu erkennen gibt, lauert Adam Jeb auf und schießt
von einem Hinterhalt auf ihn. Jeb wehrt sich und trifft seinen "Bruder"
tödlich. Damit wird er zur Hassfigur von Mutter Callum und von Thor....
Die Geschichte der Familienfehde Callum und Rand wird etwas
vernachlässigt, man erfährt nicht ganz soviel. Dafür werden aber die
Geheimnisse und Neurosen der Figuren sehr gut herausgearbeitet und die
Geschichte steht unter den starken Emotionen - besonders Thor schwankt
hin und her zwischen Liebe und Haß. Erst am Ende kann sie sich für eine
Seite entscheiden. Vielleicht zu spät ? Das Showdown findet in der
verfallenen Ranch der Rands statt - damit ist auch ein Platz gewählt, wo
sich Jeb endlich wieder an das schreckliche Ereignis von damals
erinnern kann. Und nicht weit von ihm steht auch schon sein größter
Feind...bereit ihn zu töten, wie er es schon vor vielen Jahren wollte,
aber damals daran gehindert wurde.
Der Mann mit dem weißen Anzug
Regie: Alexander MacKendrick
Unzerstörbare Kunstfaser...
Seit mehr als 100 Jahren gibt es die Ealing Filmproduktionsgesellschaft in London. Das Filmstudio hat vor allem in den 40er und 50er Jahren zahlreiche Kinohits hervorgebracht, die heute zu den großen Klassikern des britischen Films zählen. Das Studio versuchte es nach dem Krieg mit verschiendenen Genre. So entstanden Horrorfilme wie "Traum ohne Ende" oder Abenteuerfilme wie "Scotts letzte Fahrt". Den größten Erfolg hatte das Studio aber mit seinen damaligen Komödien, Werke wie "Die kleinen Detektive", "Whisky Galore", "Einmal Millionär sein", "Adel verpflichtet" oder "Der Mann im weißen Anzug" wurden zum Inbegriff des britischen, scharz angehauchten Humor.
Die Ealing Studios förderten auch die Riesenkarriere von Alec Guinness, der bereits durch die Lean Verfilmungen "Geheimnisvolle Erbschaft" und "Oliver Twist" auf sich aufmerksam machte - mit der 8fach Rolle in "Adel verpflichtet" gelang ihm dann der weltweite Durchbruch. Auch in Alexander MacKendricks superber Komödie "Der Mann mit dem weißen Anzug" liefert der Schauspieler natürlich ebenfalls eine Performance vom Feinsten.
Der 1951 entstandene Film hat als Grundgerüst sogar einen stark sozialkritischen Hintergrund und übt pointiert Kritik an der immer stärker werdenden Industrialisierung - er zeigt die Wirtschaftsbosse auf der einen Seite und die Arbeiterschaft auf der anderen Seite, die durch eine Gewerkschaft etwas mehr Rechte eingeräumt bekommen. Die Klassengesellschaft ist aber immer präsent in "Der Mann mit dem weißen Anzug", der Sidney Stratton (Alec Guinness) heißt und als kleiner Angestellter in der aufstreibenden Textil Firma von Michael Corland (Michael Gough) arbeitet. Der Fabrikant neue Geldgeber und was liegt da näher als den noch mächtigeren Textilhersteller Alex Birnley (Cecil Parker) als Investor zu gewinnen, zumal Corland ja mit Birnleys Tochter Daphne (Joan Greenwood) verlobt ist. Stratton ist ein schlauer Kopf, der in Corlands Firma heimlich an einer bahnbrechenden Erfindung arbeitet: Die absolut reißfeste Kunstfaser, die auch noch schmutzabweisend ist. Doch seine verbotenen Versuche fallen auf, er wird bei Corland entlassen. Eine neue Anstellung findet er bei Birnley und Stratton arbeitet zunächst im Lager, lernt dabei auch die resolute Bertha (Vida Hope) kennen. Doch Stratton wäre nicht Stratton, wenn er nicht wieder alles versuchen würde, um seine Experimente voranzutreiben, von denen er glaubt, dass sie ihn ans gewünschte Ziel bringen. Doch wieder fliegt er auf. Er wird entlassen, doch als Birnley von Strattons fixer Idee hört und auch dass dieser beinahe am Ziel war, stellt er ihn zu viel besseren Bedingungen wieder ein. Und tatsächlich gelingt es Stratton den perfekten Anzug herzustellen, der unzerstörbar ist. Mit fatalen Folgen für den Erfinder. Das wirtschaftliche und politische Establishment sieht die Wirtschaftskraft in höchster Gefahr und die Arbeiter bangen um ihre Arbeitsplätze...
Diese ernsthafte Komponente hat Alexander Mackendrick mit viel Augenzwinkern in Szene gesetzt und dabei gelang ihm einer seiner besten Filme, der qualitativ seinem bekanntesten Film "Ladykillers" aus dem Jahr 1955 in nichts nachsteht. Wann immer Sidney Strattons Experimentierapparat blubbert oder wann immer er an seine rostfreie Faser denkt, setzt im Movie die Musik von Benjamin Frankel ein. Der liefert einen sehr obskuren Samba ab, der aus Blasen, Gurgeln und viel Wuffs besteht. Dieser Sound wurde nicht mit traditionellen Musikinstrumenten eingespielt, sondern mit Laborgeräten und einem Glas- und einem Messingrohr. Dies passt perfekt zu der dynamisch angelegten Handlung, die das unzerstörbare Gewebe preist und auch aus ganz menschlichen Gesichtspunkten wieder verteufeln muss. Am Ende steht ein neuer Anfang, was dem Zuschauer auch durch das Schlußbild wieder in gute Laune versetzt. Douglas Slocombe war für die realistischen Schwarz-Weiß Aufnahmen in den Fabriken verantwortlich - der Film wurde vor kurzem in der Umfrage vom British film Institute über die 100 besten britischen Filme auf den respektablen 58. Rang gewählt.
Bewertung: 9 von 10 Punkten.
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