Montag, 2. April 2018

Stromboli







































Regie: Roberto Rossellini

Auf der Feuerinsel...

Vor allem wegen seiner in der Zeit von 1945 bis 1948 entstandenen neorealistischen Trilogie ("Paisa", Rom, offene Stadt", "Deutschland im Jahre Null") gilt Roberto Rossellini als einer der ganz großen Filmregisseure aller Zeiten.
"Stromboli" ist der Nachfolger und ist Beginn seiner Zusammenarbeit mit der weltbekannten Leinwandgöttin Ingrid Bergman, die bereits in Hollywood einen Oscar erringen konnte und mit Klassikern wie "Casablanca" oder "Berüchtigt" Superstar-Status hatte. Es war die Schwedin selbst, die einen Brief an Rossellini schrieb, nachdem sie von seinen Filmen so begeistert war, und um eine Rolle in einem seiner Filme bat.
Mit "Stromboli" begann auch die private Affäre zwischen der Schauspielerin und dem italienischen Filmemacher. Ein Skandal seinerzeit, denn beide waren schon verheiratet. Vor allem Ehebrecherin Ingrid Bergman wurde in den USA geächtet und gar als "mächtiige Kraft des Bösen" und als "entartet" bezeichnet. Die Folge war ein Aufruf zum Boykott des gemeinsamen Films. Dadurch hatte der Film bei seinem Erscheinen eher eine geringe Wertschätzung und ist im Lauf der Zeit auch arg in Vergessenheit geraten - obwohl sich "Stromboli" auch heute noch als ein großartiges Meisterwerk des Neorealismus erweist.
Es ist Frühling 1948: In einem Lager für Kriegsflüchtlinge - irgendwo in Italien - sitzt eine Gruppe von Frauen fest. Eine davon ist die aus Litauen stammende Karin (Ingrid Bergman). Sie träumt davon von hier aus ein Visum nach Argentinien zu bekommen. Dort in der neuen Welt will sie ein neues Leben nach jahrelanger Flucht anfangen. Direkt neben den Baracken der Frauen, ist auch der Stützpunkt der Soldaten. Frau und Mann sind aber durch einen Stacheldraht getrennt, doch für einen kurzen Flirt am Abend trifft man sich dort. Karin hat auch einen Verehrer. Es ist der junge und etwas naive Antonio (Mario Vitale), der sich in Karin verliebt hat. Er verspricht ihr sie aus diesem Lager zu befreien und mitzunehmen in seine Heimat - auf die wunderbare Insel Stromboli.
Als Karins Gesuch nach Argentinien auszuwandern abgelehnt wird, ist eine Heirat mit Antonio plötzlich eine Option und vielleicht sogar die einzige Chance. Schnell wird geheiratet und schon ist das junge, ungleiche Paar auf dem Schiff in Richtung Stromboli. Die Insel selbst wirkt auf Karin aber alles andere als einladend, der ewig brodelnde Vulkan löst bei der jungen Frau Unbehagen aus. Sie findet sich auch nicht bei den Einheimischen zurecht, die sie als Fremdkörper wahrnehmen. Ein harmloser Flirt mit dem netten, attraktiven Leuchturmwärter (Mario Sponzo) wird hochgespielt, so dass Antonio sie als "Gehörnter" verprügelt wird.  Auch nach dem Besuch beim Pfarrer (Renzo Sezana) bleibt die junge Frau sehr isoliert und einsam. Kein Wunder. Wollte sie doch diese moralische Instanz verführen, um an ihre Ziele zu kommen. Am Ende wagt sie - schwanger - die Flucht auf die andere Seite der Insel. Dort soll es jemanden geben, der ein Motorboot besitzt. Doch der Weg dorthin ist schwierig, denn er führt über den Berg. Völlig entkräftet bricht sie oben auf dem Vulkan zusammen...


 "Stromboli" zeigt zum einen die Kraft der Natur und stellt dazu den eher schwachen Menschen, der von seinen Gefühlen geleitet wird. Andererseits sind auch viele Szenen so angelegt, das Mysterium des Lebens zu zeigen. Fressen und gefressen werden...einmal zeigt der Filmemacher den Kampf zwischen einem Frettchen und einem Kaninchen. Letzteres hat null Chancen seinem Schicksal- dem Tod - zu entgehen. Die zweite Szene bei einem Thunfischfang auf der Insel ist ähnlich. Diese s.g. Mattanza zeigt eindringlich die Brutalität des Daseins. Um zu überleben werden die großen Thunfische eingefangen. Man sieht in dieser 8 minütigen szene wie sie im Netz zappeln und ohne Gnade mit Enterhaken in die Boote gezogen werden. Karin wird Zeuge dieses Fangs, sie fühlt sich angewidert. Insgesamt sind die Bilder, die wir sehen sehr roh, erdnah und die Geschichte hat etwas elementares. Karin schwankt zwischen Rebellion und Anpassung. Am Ende entscheidet sie sich wieder - wie schon im Krieg - für die Flucht vor der Realität. Die letzte Einstellung zeigt einen Schwarm von Meeresvögeln. Für Karin vielleicht ein kleiner Hoffnungschimmer auf eine bessere Zukunft, jenseits des Berges, aber gute Filmemacher lassen den Zuschauer auch mal bewusst im Unklaren. Auch die Poesie kommt nicht zu kurz. Inmitten des ländlichen Umfeldes wirkt sie stark.


Bewertung: 9 von 10 Punkten.

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