Regie: Carl Theodor Dreyer
Ein Wunder ?
"Das ist ein Thema, das mir liegt – des Glaubens Triumph in dem
skeptischen 20. Jahrhundert über Wissenschaft und Rationalität.“ dies
sagte der dänische Regisseur Carl Theodor Dreyer über seinen vorletzten
Film "Das Wort" aus dem Jahr 1955. Der 1889 in Kopenhagen geborene
Filmemacher gilt heute als einer der wichtigsten Visionäre des Kinos. Er
beeinflusste mit seinen vielfach religiösen und eher grimmigen Filmen
neue Generationen von Regisseuren wie Ingmar Bergman, Robert Bresson,
Andrei Tarkowksi oder Lars von Trier. Sein populärster Film ist
sicherlich der 1928 entstandene "Die Passion der Jungfrau von Orleans",
ein wuchtiges Werk, dass noch heute immer wieder in den Bestenlisten der
wichtigsten Filmen auftaucht und vom deutschen Expressionismus und dem
Realismus beeinflusst war. Seinen ersten Tonfilm "Vampir - Der Traum
des Allan Gray" drehte er in Deutschland. Auch dieses Werk wurde zum
großartigen Klassiker seines Genres. Interessanterweise war dem
Horrorfilm zur Zeit seiner Entstehung kein großer Erfolg beschieden.
Dreyer ging zurück in sein Heimatland, wo er mit "Tag der Rache" einen
Film über Hexenglaube und Hexenverfolgung drehte. Es folgten viele
Jahre, in denen er nur Kurzfilme realsiierte. Erst 1955 gelang ihm mit
"Das Wort" ein Comeback.
Ich kannte diesen großartigen Film über die Kraft des Glaubens bisher
nur vom Namen her, tatsächlich ist "Das Wort" ein sprödes Meisterwerk,
dass dem interessierten Zuschauer gar nicht mehr aus dem Kopf geht.
Die Handlung spielt um das Jahr 1925, im ländlichen Jütland. Dort lebt
die stolze und reiche Bauernfamilie Borgen. Oberhaupt ist der inzwischen
sehr alt gewordene Morten Borgen (Henrik Malberg), ein sehr religiöser
Mann, der bei der Errichtung der örtlichen Kirchengemeinde eine wichtige
Rolle übernommen hatte. Er ist jedoch nicht glücklich. Sein ältester
Sohn Mikkel (Emil Hass Christensen) hat zwar mit Inger (Birgitte
Federspiel) eine liebe und gläubige Frau geheiratet, doch Mikkel selbst
hat nicht den starken Glauben des Vaters. Er zweifelt an der Existenz
Gottes. Der jüngste Sohn Anders (Cay Christiansen) ist verliebt in die
Schneiderstochter Kirstin Petersen (Sylvia Eckhausen) und würde sie
gerne zu seiner Frau nehmen. Doch Kirstins Vater Peter Petersen (Ejner
Federspiel) ist ein fundamentalistischer Christ und hat ganz andere
Glaubensvorstellungen als Kirchengänger Morten. Peter trifft sich mit
seinen Glaubensbrüdern und -schwestern zuhause. Für Morten sind das
Sektierer. Also wird die Liebe der Kinder durch dieses Problem getrübt,
denn die Hochzeit setzt die Einwilligung der beiden Väter voraus. Das
größte Problem für Moten ist aber das Schicksal seines zweiten Sohnes
Johannes (Preben Lerdorf Rye), der während seines Theologiestudiums in
geistige Umnachtung fiel und sich inzwischen für Jesus Christus hält.
Die schwangere Inger bringt einen toten Sohn zur Welt, aber die Geburt
verläuft auch für Inger sehr problematisch. Johannes sagt ihren Tod
voraus . Die kleine Maren (Ann Elisabeth Rud), die Tocher von Inger
bittet ihren Onkel aber um ein Wunder und die Mutter ins Leben
zurückzuholen. Aber ob dies gelingt ?
Glaube ist gar nicht so einfach. Vor allem dann wenn es um so unmögliche
Dinge geht wie einen Toten zum Leben zu erwecken. Obwohl sicherlich
jeder Christ schon einmal von der Auferweckung des Lazarus von Bethanien
von den Toten durch Jesus Christus gehört hat. Im Johannesevangelium
nachzulesen. Und ja....es geschieht auch in Dreyers "Das Wort". Dabei
überlässt es Dreyer dem Zuschauer, ob die Wiederbelebung nun doch eine
Frage des wissenschaftlichen Unvermögens ist, das Unwahrscheinliche zu
begreifen oder eine Frage der Glaubensstärke. In seinem Drama stehen ja
ganz verschiedene Formen des Glaubens gegenüber. Vielleicht ein Plädoyer
für ein persönlich erlebtes Christentum ? Dabei triumphiert das naive
Kind, dass an diesen magische Wunder noch glauben kann und nicht wie
jeder vernünftige Erwachsene dies für unmöglich hält. Henning Bendtsens
nüchterne in schwarz-weiß gefilmte Kameraarbeit ist hervorragend
gestaltet. Anfänglich wirkt das Ganze fast wie ein einfaches Kammerspiel
in einem Bauernhaus, doch je mehr man in diese Geschichte eintaucht,
desto mehr wird man von ihr gefangen genommen.
Bewertung: 10 von 10 Punkten.









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