Regie: Luchino Visconti
Götterdämmerung....
Der 1969 gedrehte aussergewöhnliche Historienfilm "Die Verdammten" ist
sicherlich Luchino Viscontis umstrittendster Film. Dies liegt natürlich
an der extrem opernhaften Inszenierung, die der Regisseur wählte, den
selbstzerstörerischen Untergang einer deutschen Industriedynastie
während der Hitler-Ära aufzuzeigen. Gemeint ist eigentlich die Krupp
Dynastie - aber im Film wird die Industriellenfamilie Von Essenbeck
genannt. Das erste Bild von "Die Verdammten", der im Original "La
Caduta degli dei" heißt und auf den vierten Teil von Richard Wagners
"Ring der Nibelungen, Götterdämmerung" anspielt, ist ein Feuerregen aus
Funken, glühender Stahl und die erbarmungslos zuschlagenden Maschinen in
den Fabrikhallen der Familiendynastie. Doch das eigentliche Inferno
beginnt inmitten der unterschiedlichen Familie. Denn das Oberhaupt der
Familie, der Industrielle Joachim von Essenbeck (Albrecht Schönhals)
feiert Ende Februar 1933 seinen Geburtstag im Kreise seiner Lieben.
Natürlich haben die jüngsten Familienmitglieder für den Großvater einige
Darbietungen vorbereitet. Im hauseigenen Theatersaal entzücken die
beiden kleinen Töchter seines Neffen Herbert Thallmann (Umberto Orsini)
und dessen Frau Elisabeth (Charlotte Rampling) mit dem Vortrag schöner
Gedichte. Enkelsohn Günther (Renad Verley) spielt Cell, was dessen Vater
Konstantin (Reinhard Koldehoff), ein ranghohes SA-Mitglied, wenig
erfreut, denn er hält den Sohnemann für zu verweichlicht. Der zweite
Enkelsohn Martin (Helmut Berger), einziger Sohn von Sophie von Essenbeck
(Ingrid Thulin) schockiert dann mit einer Marlene Dietrich
Travestienummer. Während seines Vortrags trifft auch Sophies Geliebter,
der Industrieleiter Friedrich Bruckmann (Dirk Bogarde) mit SS-Mann
Aschenbach (Helmut Griem) ein. Dann wird die Aufführung jäh
unterbrochen, denn die Nachricht vom Reichstagsbrand in Berlin wird
verkündet. Politische Diskusssionen entstehen...es wird schnell
sichtbar, dass Herbert ein Gegner der Nazis ist, aber Konstantin und
Friedrich wissen, dass Parteizugehörigkeit auch Macht bedeutet und sind
beide entschlossen, diese auch auszunutzen. Die Nacht hat es in sich.
Herbert soll verhaftet werden. Martin lebt seine perversen sexuellen
Neigungen mit einer seiner kleinen Nichten unter einem Tisch aus und
Joachim wird im Bett erschossen. Sofort ist der unschuldige Herbert als
Mörder ausgemacht. Der wirkliche Täter Friedrich Bruckmann steigt zum
Generalbevollmächtigten auf. Protegiert von seiner machtbessenen
Geliebten Sophie und deren Cousin Aschenbach, der ein doppeltes Spiel
treibt. Macht verdirbt und so muß im Laufe des Films auch SA-Mann
Konstantin beseitigt werden. Dies passiert in der Nacht der langen
Messer (31.Juni/1. Juli 1934) während eines SA-Treffens am Tegernsee.
Doch damit nicht genug. Als auch Friedrich zu mächtig erscheint, ist er
der nächste auf Aschenbachs Abschußliste. Gemeinsam mit Martin plant er
die Vernichtung von Friedrich und Sophie...
Und am Ende ist der pädophil veranlagte Martin zwar mächtig, aber auch eine Kasperlefigur in den Händen der Nazis. Noch schlimmer trifft es den intellektuellen und sensiblen Günther, der soviel Böses miterleben musste und nun mit Hass ausgestattet ist. Nach Meinung Aschenbachs die besten Voraussetzungen, um in diesem neuen starken Deutschland ganz nach oben zu gelangen. Viscontis Epos ist natürlich sehr opernhaft gestaltet. Deshalb sind die Figuren auch irgendwie überzeichnet und viele Szenen wirken grotesk oder surreal. Dennoch sind sie kraftvoll und fesselnd. Eine der unvergesslichsten und beeindruckendsten Szenen von "Die Verdammten" ist tatsächlich dieses Blutbad an der SA. Denn vorher zeigt uns Visconti dieses Treffen mit Wehrsportübungen und Badespass am Tegernsee, gemeinsamem Singen von SA-Lied und Deutschlandlied. Dann artet diese Feier dekadent aus. Nazis in Strapsen - Visconti deutet da eine offen homosexuell gestaltete Orgie mit schönen, gut gebauten Jünglingen an. Sehr intensiv auch die Schilderung des sexuellen Mißbrauchs durch Martin an der kleinen Olga (Florinda Bolkan), die dann Selbstmord begeht. Die Straftat wird dann von den Nazis vertuscht, denn man braucht den perversen Martin ja, damit dieser seine Mutter erledigt. Inszeniert wie eine Wagner Oper...oder aber wie ein Drama von Shakespeare. Die letzte Szene zeigt eindrücklich den Zusammenhang zwischen Lust, Perversion, Macht, Dekadenz und Tod. Getragen wird der Film durch ein großaritiges Schauspiel-Ensemble, alle spielen auf extrem hohem Niveau. Helmut Berger ist vielleicht der schillerndste von Allen in seiner Rolle als Martin. Ein sensibler Geist mit perversen Obsessionen, der zum Rachenengel mutiert. Dieser filmische Totentanz war der Auftakt zu Viscontis sogenannter deutschen Trilogie. Es folgten "Tod in Venedig" (1971) und "Ludwig II. (1972).
Und am Ende ist der pädophil veranlagte Martin zwar mächtig, aber auch eine Kasperlefigur in den Händen der Nazis. Noch schlimmer trifft es den intellektuellen und sensiblen Günther, der soviel Böses miterleben musste und nun mit Hass ausgestattet ist. Nach Meinung Aschenbachs die besten Voraussetzungen, um in diesem neuen starken Deutschland ganz nach oben zu gelangen. Viscontis Epos ist natürlich sehr opernhaft gestaltet. Deshalb sind die Figuren auch irgendwie überzeichnet und viele Szenen wirken grotesk oder surreal. Dennoch sind sie kraftvoll und fesselnd. Eine der unvergesslichsten und beeindruckendsten Szenen von "Die Verdammten" ist tatsächlich dieses Blutbad an der SA. Denn vorher zeigt uns Visconti dieses Treffen mit Wehrsportübungen und Badespass am Tegernsee, gemeinsamem Singen von SA-Lied und Deutschlandlied. Dann artet diese Feier dekadent aus. Nazis in Strapsen - Visconti deutet da eine offen homosexuell gestaltete Orgie mit schönen, gut gebauten Jünglingen an. Sehr intensiv auch die Schilderung des sexuellen Mißbrauchs durch Martin an der kleinen Olga (Florinda Bolkan), die dann Selbstmord begeht. Die Straftat wird dann von den Nazis vertuscht, denn man braucht den perversen Martin ja, damit dieser seine Mutter erledigt. Inszeniert wie eine Wagner Oper...oder aber wie ein Drama von Shakespeare. Die letzte Szene zeigt eindrücklich den Zusammenhang zwischen Lust, Perversion, Macht, Dekadenz und Tod. Getragen wird der Film durch ein großaritiges Schauspiel-Ensemble, alle spielen auf extrem hohem Niveau. Helmut Berger ist vielleicht der schillerndste von Allen in seiner Rolle als Martin. Ein sensibler Geist mit perversen Obsessionen, der zum Rachenengel mutiert. Dieser filmische Totentanz war der Auftakt zu Viscontis sogenannter deutschen Trilogie. Es folgten "Tod in Venedig" (1971) und "Ludwig II. (1972).
Bewertung: 10 von 10 Punkten.












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