Regie: Howard Hawks
Die beste Story für die Titelseite...
Bereits 1931 wurde das Theaterstück "The Front Page" von Ben Hecht und
Charles MacArthur verfilmt. Die geniale Geschichte aus dem
Zeitungsmilieu erzählt die Geschichte des Starreporters Hildy Johnson,
der die Redaktion der "Post" verlassen will, um seine Peggy zu heiraten.
Herausgeber Walter Burns gibt sich aber im Kampf, seinen besten Mann zu
halten, keineswegs geschlagen. Der Film von Lewis Milestone mit den
Darstellern Adolphe Menjou und Pat O´Brien wurde ein großer Erfolg und
sogar dreimal für den Oscar nominiert. Die Geschichte gefiel Howard
Hawks so gut, dass er beschloß 1940 ein Remake des Stoffes zu machen.
Allerdings nahm er eine kleine Veränderung vor, die sich als sehr genial
und gewinnbringend erwies. Aus dem Starreporter Hildy Johnson machte er
eine Hildegard Johnson und aus dem klassischen Zeitungsdrama eine der
besten Screwball-Comedys aller Zeiten. Dies gelang ihm vor allem auch
deshalb, weil er diesen Kampf der Geschlechter ausserordentlich rasant
inszenierte. Der Zuschauer hat nie Pause, denn ständig gibts neue
Erkenntnisse. Aus "Front Page" wurde so "His Girl Friday" (deutscher
Titel: Sein Mädchen für besondere Fälle, der Begriff "Sein Mädchen
Freitag" spielt auf die Robinson Geschichte an, in Daniel Defoes
klassischem Roman heißt Robinsons Gefährte und Diener Freitag) und die
Hauptdarsteller Cary Grant und Rosalind Russell liefern sich 90 Minuten
die tollsten Wortgefechte - allesamt im Maschinengewehrtempo serviert.
Hinzu kam Howard Hawks Stilmittel dazu überlappende Dialoge einzusetzen,
damit es noch mehr wie eine Temposteigerung wirkt. So hält "His Girl
Friday" seine enorme Dynamik, die Spannung lässt nie nach. Und auch der
absurde Humor nicht. Denn eine Geschichte aus dem hektischen
Zeitungsmilieu, wo jederzeit eine gute Story gemacht werden muss,
braucht auch einen äusserst zynischen Unterton. Howard Hawks ist einer
der größten amerikansichen Regisseure aller Zeiten, auf sein Konto gehen
unvergessliche Klassiker wie "Scarface", "Tote schlafen fest", "Red
River", "Haben und Nichthaben" oder "Rio Bravo". Nur einmal - für
"Sergeant York - wurde er für den Oscar nominiert. Allerdings erhielt er
dann im Ruhestand einen Ehrenoscar.
Die Geschichte beginnt in der betriebsamen Redaktion der "Morning Post".
Walter Burns, der Herausgeber, ist völlig aus dem Häuschen. Denn am
folgenden Tag soll der Todeskandidat Earl Williams (John Qualen)
hingerichtet werden. Der arme Tropf ist psychisch krank und hat einen
Polizisten erschossen. Eigentlich sollte er in eine Psychiatrie, aber da
Wahlen bevorstehen, haben Sheriff Peter B. Hartwell (Gene Lockhard) und
der Bürgermeister (Clarence Colb) ein reges Interesse, dass der
Deliquent auch gehängt wird. Das sichert meistens die Wiederwahl. Walter
Burns dagegen hat in seiner Zeitung aber stets die schwere geistige
krankheit von Earl aufmerksam gemacht. Burns drückt aber noch ein
weiterer Schuh: Seine beste Reporterin Hildegard Johnson (Rosalind
Russell), mit der er sich vor kurzem noch vermählt und dann schnell
wieder geschieden hatte, will die Zeitung verlassen. Sie hat sogar mit
Bruce Baldwin (Ralph Bellamy), einem braven und ruhigen
Versicherungsvertreter einen neuen Verlobten und will diesen am nächsten
Tag in Albany heiraten. Doch sie kennt die fiesen Schliche ihres
Ex-Mannes und Ex-Chefs Walter. Und tatsächlich hat dieser schon längst
einen Plan gefasst, wie er seine Hildy, die mit Leib und Seele
Reporterin ist, wieder in allen Belangen für sich gewinnen kann. Dazu
braucht er nur das Pressezimmer vom Gerichtsgebäude und ein paar
pokerspielende, zynische und wenig empathische Journalistenkollegen und
natürlich eine Story, die man nur einmal im Leben bekommt....
Am Ende gewinnt natürlich die "Morning Post" und mit ihr der
eifersüchtige Walter, der seine Hildy wieder in die Arme schließen kann.
Howard Hawks gelang mit dieser wunderbaren Komödie auch eine glänzende
Journalistenfarce. Schlagzeilen für die Zeitung liefert an diesem
absurden Nachmittag im Gerichtsgebäude, der bis in die Nacht hinein
dauert, eine Ausbruchsgeschichte und eine Korruptionsaffäre obendrauf.
Zwischendrin immer wieder die intriganten Spielchen des Herausgebers und
seine Hildy springt natürlich an. Um die beste Story zu schreiben,
vergisst sie doch irgendwann glatt ihren Verlobten und auch ihre
Schwiegermama (Alma Kruger), die zu allem Überfluss auch noch auftauchen
muss. Obwohl das Journalisten Metier gar nicht mal so gut wegkommt -
man empfindet es doch als sehr faszinierend, diese kaltschnäuzigen und
besessenen Irren, die selbstverliebt und eitel die beste Story des Tages
zu bekommen. In den frühen 70er Jahren drehte der große Billy Wilder
noch einmal ein Remake dieses unverwüstlichen Stoffes. Und auch diese
Neuverfilmung mit dem Gespann Jack Lemmon und Walter Matthau, der eher
zu den schwächeren Filmen Wilders gezähtl wird, hat mich ebenso
begeistert wie der schwarz-weiß Klassiker von Howard Hawks. Beide Filme
sind brilliant und gehören für mich zu den witzigsten Filmen aller
Zeiten.










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